Zyanose: Wenn sich die Haut blau verfärbt

Michelle Kröger

Blausucht wird sie gemeinhin auch genannt – die Zyanose. Dabei handelt es sich um ein Symptom, das häufig infolge von Herz- und/oder Lungenerkrankungen auftreten kann. Dabei erscheinen Haut und Schleimhäute in bläulicher Farbe – zum Beispiel Lippen, Fingerspitzen oder Fußnägel. Doch was genau steckt eigentlich genau hinter einer Zyanose? Dr. Christof Wald, Chefarzt Fachzentrum für Kardiologie und Zentrum für Innere Medizin in der Schön Klinik Düsseldorf, stand uns als Experte Rede und Antwort.

Zyanose-Hand
Bei einer Zyanose verfärben sich die Finger dunkelblau Foto:  James Heilman, commons.wikimedia.org
Inhalt
  1. Zyanose – was ist das?
  2. Welche Zyanose-Formen gibt es?
  3. Was sind mögliche Ursachen einer Zyanose?
  4. Welche Symptome äußern sich bei einer Zyanose?
  5. Diagnose: Wann muss ich zum Arzt und was macht er?
  6. Therapie: Wie kann Zyanose behandelt werden?
  7. Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wie sollte man im Falle eines akuten Sauerstoffmangels handeln?
 

Zyanose – was ist das?

Die Zyanose wird im Volksmund häufig auch Blausucht genannt und beschreibt eine bläuliche Verfärbung bestimmter Bereiche der Haut – zum Beispiel der Lippen, Fingernägel oder Augenbindehaut. Die Ursache ist ein Sauerstoffmangel im Blut. Zur blauen Verfärbung der Haut kommt es, weil der rote Blutfarbstoff Hämoglobin unter Sauerstoffmangel eine bläulich-violette Farbe annimmt. Ja, das Blut ändert seine Farbe. Wir nehmen es nicht mehr als hellrot, sondern vielmehr als bläulich durch die Haut wahr.

 

Eine Frau trägt eine Sauerstoffmaske
Service Die Heilkraft des Sauerstoffs

Schon die Wortherkunft verrät einiges: Bei dem Begriff Zyanose, handelt es sich laut dem Experten um einen Begriff, der auf die Symptome der Erkrankung hinweist. “Darin befindet sich das Wort “cyanos“, hergeleitet aus dem altgriechischen mit der Bedeutung „blau“. Der zweite Wortteil “osis” steht für „krankhafter Zustand“, sagt Dr. Wald. Der Begriff Zyanose ziele darauf ab, dass unser menschliches Blut in Abhängigkeit vom jeweiligen Sauerstoffgehalt eine unterschiedliche Farbe aufweist. “Je weniger Sauerstoffgehalt in den roten Blutkörperchen ‘geladen’ ist, desto dunkler wird es. Es erhält dann einen violett-bläulichen Schimmer, der bereits seit vielen Jahrhunderten mit dem Begriff Zyanose belegt ist”, erklärt Dr. Wald. Die Zyanose wird vor allem durch eine Verfärbung erkennbar, besonders häufig treten diese im Bereich der sichtbaren Schleimhäute, etwa den Lippen (Lippenzyanose) oder auch dem Fingernagelbett (Akrozyanose) auf. “In jedem Falle handelt es sich um einen potenziell krankhaften Zustand im Sinne einer unzureichenden Sauerstoffbeladung des arteriellen, also eigentlich sauerstoffreichen, Blutes.”

 

Welche Zyanose-Formen gibt es?

Zyanose ist nicht gleich Zyanose. Unter Medizinern unterscheidet man zwischen einer peripheren und einer zentralen Zyanose. Die Begrifflichkeiten beziehen sich darauf, in welchen Bereichen des Herz-Kreislaufs der Sauerstoffgehalt des Blutes überhaupt vermindert ist. Allerdings können auch beide Formen der Zyanose parallel bzw. gleichzeitig auftreten.

  1. Periphere Zyanose: Bei einer peripheren Zyanose liegt ein verminderter Sauerstoffgehalt im Blut vor, das durch Venen und Kapillaren fließt. Im arteriellen Blut liegt der Sauerstoffgehalt allerdings im normalen Bereich. Zu bläulichen Verfärbungen kommt es nur an der Haut bzw. an peripheren Körperteilen wie Händen oder Füßen. Nicht an Schleimhäuten. Aufgrund der schlechteren Durchblutung gelangt weniger Sauerstoff ins periphere Gewebe. Die Folge: ein Sauerstoffmangel. Mögliche Auslöser sind u.a. Durchblutungsstörungen oder ein verlangsamter Blutfluss durch etwa Kälte, Blutgefäßerkrankungen, Venenstauung, Herzschwäche oder Kreislaufversagen.

 

  1. Zentrale Zyanose: Bei einer zentralen Zyanose liegt hingegen eine erniedrigte arterielle Sauerstoffsättigung vor. Das Blut wird schon in der Lunge nicht ideal mit Sauerstoff aufgeladen. Mögliche Ursachen sind z.B. schwere Lungenerkrankungen, Herzfehler (z.B. Rechts-Links-Shunt) oder ein niedriger Sauerstoffgehalt der Luft infolge von extremen Höhenlagen.

Weiter gibt es auch eine zweite Unterscheidungsmöglichkeit, die Anwendung findet. Beide können auch gleichzeitig auftreten. Je nachdem, welcher Grund für die Zyanose vorliegt – das Herz oder die Lunge – gelten demnach folgende Formen der Zyanose:

 

Was sind mögliche Ursachen einer Zyanose?

Natürlich stellt sich – wie bei jeder Erkrankung – die Frage nach dem Auslöser, ja, der Ursache. Wodurch kommt die Zyanose zustande? Die Ursachen einer Sauerstoffuntersättigung des Blutes sind außerordentlich vielfältig. “Grundsätzlich unterscheidet man das akute Auftreten von einem langfristigen Zustand (chronisch) und berücksichtigt andererseits die Frage, woher der Sauerstoffmangel rührt”, so Chefarzt Dr. Wald.

Mediziner differenzieren hinsichtlich der Ursachen im Wesentlichen drei Mechanismen der Sauerstoffunterversorgung des arteriellen Blutes. Im Normalfall trennt unser menschliches Herz das sauerstoffentsättigte Blut des rechten Herzens von dem des über die Lunge sauerstoffbeladenen des linken Herzens. “Kommt es jedoch bei dieser Trennung zu einem angeborenen oder erworbenen Defekt (Vitium), mischt sich das sauerstoffarme Blut dem sauerstoffreichen bei, sodass im sogenannten großen Kreislauf eine Mischung vorliegt, die zu wenig Sauerstoff trägt”, sagt Dr. Wald. “Neben diesem Mechanismus kann es beispielsweise durch eine verminderte Förderleistung des Herzens zu einer starken Ausschöpfung des sauerstoffreichen Blutes durch die Organe kommen (periphere Zyanose).” Außerdem gebe es verschiedene Formen einer „Vergiftung“ des Blutes, im Rahmen dessen eine ausreichende Beladung der roten Blutkörperchen mit Sauerstoff nicht mehr gewährleistet ist – auch dann resultiert ein relativer Sauerstoffmangel.

Eine vorübergehende Blauverfärbung kann zum Beispiel bei extremer Kälte an den Lippen und Fingernägeln als Zeichen einer kältebedingten Minderdurchblutung auftreten. Zyanose-Ursachen sind allerdings vor allem Herz- und Lungenerkrankungen – oder eine Kombination daraus.

Kardinale Zyanose: Mögliche Herzkrankheiten sind zum Beispiel:

  • Herzklappenfehler
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Angeborene Herzfehler (z.B. Fallotsche Tetralogie)
  • Koronare Herzerkrankung (kurz: KHK)
  • Herztumoren

Pulmonale Zyanose: Mögliche Lungenerkrankungen, die in Zusammenhang mit einer Zyanose stehen können:

  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (kurz: COPD)
  • Chronische Bronchitis
  • Bronchiektasen
  • Asthma bronchiale
  • Lungenemphysem
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Lungenfibrose

Weitere mögliche Ursachen sind beispielsweise:

  • Kälte
  • Neurale Akrozyanose
  • Infektionen
  • Durchblutungsstörungen
  • Krampfadern (Varikosis)
  • Stoffwechselstörungen
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems (kurz: ZNS; z.B. mit Krampfanfällen oder Atemaussetzer)
  • Störung der Blutzusammensetzung
 

Welche Symptome äußern sich bei einer Zyanose?

Das Leitsymptom einer Zyanose? Die bläuliche Verfärbung von Haut und/oder Schleimhäuten. Diese lassen sich meistens am besten an Lippen, Fingernägeln, Ohrläppchen und der Mundschleimhaut beobachten. Laut Dr. Wald gehören die folgenden Symptome zu den weiteren typischen Beschwerden und Symptomen:

  • Lufthunger bzw. Atemnot (Dyspnoe)
  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Beeinträchtigungen der Hirnleistungsfähigkeit mit Schwindel und Sehstörungen (bei schweren Formen) 
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“Sollte allerdings der Sauerstoffmangel milde ausgeprägt sein und auch langfristig bestehen, gewöhnt sich der Organismus daran. Es kommt zur Adaptation und die Symptome können bisweilen sehr gering ausgeprägt sein”, erklärt Experte Dr. Wald.

Einfacher Schnelltest beim Arzt: Ein Blick auf die Zunge des Patienten genügt. Eine rosige Zunge deutet auf eine periphere Zyanose hin, eine bläuliche Zunge eher auf eine zentrale Zyanose.

 

Diagnose: Wann muss ich zum Arzt und was macht er?

Grundsätzlich gilt: Stets bei den sehr vielfältigen, akut wie auch chronisch auftretenden Formen der Zyanose. “Dann kann eine bedeutsame Erkrankung oder ein Fehlzustand des Organismus vorliegen, sodass ein ärztlicher Kontakt mit einer Ursachenforschung unbedingt erforderlich ist”, so Dr. Wald. Dies gelte durchaus auch bei milden Formen, die möglicherweise nur wenige Symptome bedingen, denn langfristig können auch diese eine Gefahr für den Organismus darstellen.

Es sei allerdings darauf hinzuweisen, dass eine Zyanose zunächst nur ein Symptom (Verfärbung der Lippen oder Finger-/ Fußnägel) beschreibt. “Da wir Menschen uns schon grundsätzlich hinsichtlich dieser Färbung unterscheiden, muss dies nicht zwangsläufig auf eine Krankheit hindeuten, verdient aber einer Abklärung.”

 

Therapie: Wie kann Zyanose behandelt werden?

Insbesondere akute Formen der Zyanose – also plötzlich auftretende – bedürfen einer unverzüglichen Sauerstoffzufuhr, um den Organismus damit ausreichend zu versorgen. “Sonst können Organschädigungen auftreten”, sagt Dr. Wald. “Insbesondere eine akute Zyanose mit starken Symptomen stellt stets einen denkbar lebensbedrohlichen Zustand dar und erfordert sofortiges Handeln. Das heißt: ärztlichen Kontakt, in aller Regel die Einlieferung in ein Krankenhaus. Dies gilt in ganz besonderem Maße für die bereits oben erwähnte Form einer Vergiftung (z.B. durch Kohlenmonoxid).”

Der Experte erklärt außerdem, dass die weitere spezielle Therapie stark von der jeweilig vorliegenden Ursache der Zyanose abhängt. “So kommen beispielsweise verschiedene Maßnahmen zur Verhinderung einer Sauerstoffdurchmischung oder auch medikamentös herzunterstützende Therapieformen zur Anwendung”, sagt er.

 

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wie sollte man im Falle eines akuten Sauerstoffmangels handeln?

Da Sauerstoffmangel in jedem Fall für den Gesamtorganismus eine Bedrohung darstellt, muss laut dem Experten bei jeder Form des akuten Sauerstoffmangels (insbesondere mit Symptomen wie Luftnot oder gar Benommenheit) unverzüglich ärztlicher Kontakt aufgenommen werden. “Hierbei ist Eile geboten, da sich Ausgleichsphänomene (Kompensationsmechanismen) wie beispielsweise verstärkte Atmung (Hecheln) rasch erschöpfen können und der Organismus dann vital bedroht ist”, erklärt Dr. Wald.

Die erste kausale Maßnahme sei ihm zufolge eine Zufuhr von konzentriertem Sauerstoff, denn in unserer Atemluft ist für solche Zustände der Sauerstoffgehalt nicht ausreichend. “Allerdings steht dieser in der Laienwelt nicht zur Verfügung, sodass stets das Sanitäts- und Rettungswesen oder auch ein Notarzt angefordert werden müssen.”

Unser Experte:

Dr. Christof Wald, Chefarzt Fachzentrum für Kardiologie und Zentrum für Innere Medizin, Schön Klinik Düsseldorf

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