Zwilling hat Krebs-Symptome der Schwester

Verena Elson

Ein eineiiges Zwillingspaar aus Schottland verblüfft Ärzte und Familie: Als die elfjährige Sophie an Krebs erkrankte, spürte nicht sie die Symptome, sondern ihre Schwester Megan.

Dass Sophie und Megan den gleichen Geschmack haben und die gleichen Schulnoten bekommen - daran sind ihre Eltern gewöhnt. Doch was die Familie im letzten Jahr erlebt hat, stellt Eltern und Ärzte vor ein Rätsel.

Megan begann plötzlich, Gewicht zu verlieren, sie fühlte sich ständig krank und müde. Ihre besorgten Eltern ließen sie durchchecken - doch Röntgen- und MRT-Aufnahmen zeigten keinen Befund.

 

Diagnose Nierentumor - bei der "gesunden" Schwester

Im Oktober dann der Schock für die ganze Familie: Bei Sophie, die die ganze Zeit über symptomlos gewesen war, wurde ein sogenannter Wilms-Tumor (Nephroblastom) diagnostiziert. Bei dieser vor allem im frühen Kindesalter auftretenden Krebsart führt entartetes embryonales Gewebe dazu, dass sich ein Tumor in der Niere bildet.

Das Mysteriöse: Die von Megan durchlebten Symptome passten auf Sophies Diagnose - noch bevor Sophie etwas von ihrer Krankheit bemerkt hatte, hatte ihre Schwester sie "am eigenen Leib" gespürt.

"Es gab keine Anzeichen, dass etwas mit Sophie nicht stimmt", sagte die Mutter der Zwillinge gegenüber Daily Mail. "Es war Megan, um die wir uns Sorgen machten. Sie war käseweiß und erschöpft, überhaupt nicht mehr sie selbst."

 

Wie kommt es zu Megans "siebtem Sinn"?

Wie konnte Megan Sophies Schmerzen spüren? Die behandelnden Ärzte denken, dass das tatsächlich daran liegt, dass die beiden Zwillinge sind. Von Fällen, in denen ein Zwilling - teilweise über eine große Distanz - spürt, dass es dem anderen schlecht geht, wird immer wieder berichtet. Doch wissenschaftlich belegt ist ein solches Phänomen nicht. 

Viele Zwillingspaare und Zwillingsforscher sind sich aber sicher: Zwillinge haben, vor allem bis zur Pubertät, meist eine engere Bindung als andere Geschwisterpaare - und die zwischen eineiigen ist noch einmal enger als die zwischen zweieiigen.

 

Gibt es das enge Band zwischen eineiigen Zwillingen wirklich?

Das klingt logisch - denn unsere Persönlichkeit wird zu einem Teil durch unsere Gene und zu einem anderen Teil durch unsere Umwelt bestimmt. Während Zwillingspaare allgemein zur selben Zeit in derselben Umgebung aufwachsen, teilen eineiige Zwillinge zusätzlich ihr Erbgut - denn ihre Gene stimmen zu 100 Prozent überein.

Dennoch: Auch die besonders enge Bindung zwischen Zwillingen ist unter Wissenschaftlern nicht unumstritten. So kam eine 2007 veröffentlichte Studie deutscher Forscher zu dem Ergebnis, dass sich Zwillingspaare im Schnitt nicht emotional näherstehen als "normale" Geschwisterpaare.

Eine wissenschaftliche Erklärung für Megans "siebten Sinn" gibt es demnach nicht. Doch fest steht: Immer wieder sorgen Zwillingspaare mit verblüffenden Meldungen für Aufsehen - welche verrückten Phänomene bei der Geburt zweieiiger Zwillinge auftreten können, erfahren Sie hier.

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