Zwickmühle "Moral" – wie würden Sie entscheiden?

Moral ist eine Entscheidung
Menschen handeln nicht instinktiv moralisch, sondern aufgrund von Entscheidungen © Fotolia

Menschen handeln nicht instinktiv moralisch, sondern basierend auf einer spontanen Entscheidung. Das zeigt eine Studie des Harvard-Professors Marc Hauser. Die Untersuchung ergab zudem, dass eine Entscheidung eher als moralisch empfunden wird, wenn der Handelnde dazu nicht aktiv in die Situation eingreifen muss.

Eine Harvard Studie unter der Leitung von Professor Marc Hauser zeigt, dass Moral beim Menschen keine rein instinktive Handlung ist, sondern eine auf komplexen Entscheidungen basierende. Menschen entwickeln sich demnach in ihrer moralischen Bewertung von Situationen.

Untersucht wurde das Verhalten von Menschen bei moralischen Dilemmata. Um ein solches Dilemma handelt es sich beim Aufeinandertreffen von abwägbaren, moralischen Prinzipien. Im Vordergrund stand die Frage, wie ein Mensch zu einer moralischen Entscheidung findet.

 

Moral: Eine spontane Entscheidung

Professor Hauser fand heraus, dass moralische Entscheidungen kein Ergebnis langer Überlegungen sind, sondern zumeist „sehr spontan“ entstehen.

Beispielfrage aus der Harvard-Studie

Ein führerloser Zug rast auf einen stehenden Zug zu, in dem fünf Menschen sitzen. Sie haben die Möglichkeit, ein Gleis umzustellen, sodass der führerlose Zug auf einen dritten Zug prallt, in dem nur ein Mensch sitzt. Die Harvard-Studie zeigte, dass 80 Prozent der Befragten es als moralisch empfanden, den Zug umzuleiten und so fünf anstatt einer Person zu retten. Stellt man die Probanden aber vor die Wahl, einen Menschen vor den anrollenden, führerlosen Zug zu stoßen, um damit hypothetischer Weise den Zug zu stoppen und fünf Menschen zu retten, empfand eine große Mehrheit der Befragten diese Option als unmoralisch.

Die Entwicklung einer Vorstellung von Moral ist zudem eng mit der Fähigkeit verknüpft, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen, ergänzt der US-Psychologe Jonathan Haidt von der New York University Stern School of Business. Dadurch wird jedes Mal das „moralische Netzwerk im Gehirn dichter – und die Entscheidung über moralische Dilemmata noch schwieriger."

 

Aktives Handeln ist unmoralisch

Die Studie zeigte, dass aktives Handeln eher unmoralisch ist. Wenn ein Mensch zum Beispiel einen einzelnen Menschen aktiv opfern soll, um viele andere Menschen zu retten, wurde das von den Probanden eher als unmoralisch empfunden (siehe Infokasten).

Ein Schadenspotential wiederum, das sich aus der gegebenen Situation in jedem Fall ergeben würde, akzeptiert der Mensch zumeist als moralisch, wenn dadurch größerer Schaden abgewendet werden kann. Die rein rechnerisch identischen Konsequenzen ist für die moralische Entscheidungsfindung irrelevant.

Hamburg, 8. Mai 2014

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