Zwerchfellbruch: Ursachen, Symptome, Behandlung

Michelle Kröger

Der Zwerchfellbruch kann zahlreiche Ursachen haben. Übergewicht, eine Bindegewebsschwäche und ein höheres Alter gehören zu den Risikofaktoren. Das Gefährliche: Ein Zwerchfellbruch kann zu einer Verdrehung des Magens und zu einer Blutvergiftung führen. Alles zu Symptomen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten eines Zwerchfellbruchs.

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Inhalt
  1. Zwerchfellbruch – was ist das genau?
  2. Zwerchfellbruch: Ursachen und Risikofaktoren
  3. Welche Symptome sind bei einem Zwerchfellbruch üblich?
  4. Typen von Hiatushernien
  5. Wie läuft eine Zwerchfellbruch-Behandlung ab?
  6. Zwerchfellbruch Ernährung: Ist eine Änderung des Lebensstils nötig?
  7. Wann sollte man sich ärztlichen Rat suchen?

Bei einer Schwäche oder einem Defekt des Zwerchfells kann es zu einem Zwerchfellbruch, auch Hiatushernie oder Zwerchfellhernie genannt, kommen. Hierbei können Magenanteile in den Brustraum (Thorax) übertreten. Eine Operation ist dennoch meistens nur bei gewissen Beschwerden nötig. Die Wahrscheinlichkeit, sich einen Zwerchfellbruch zuzuziehen, steigt mit zunehmendem Lebensalter.

 

Zwerchfellbruch – was ist das genau?

Bei einem Zwerchfellbruch handelt es sich um einen Riss im Zwerchfell. “Meistens ist der Durchtritt der Speiseröhre durch das Zwerchfell krankhaft erweitert. Man spricht dann von einer Hiatushernie”, sagt Dr. med. Wolfgang Reinpold, Chefarzt der Chirurgischen Abteilung und des Referenzzentrums für Hernienchirurgie Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand in Hamburg. “Durch eine Hiatushernie können Magenanteile in den Thorax (Raum des Brustkorbs) gleiten und schlimmstenfalls dort einklemmen. Ist durch die Einklemmung die Blutversorgung des Magens gestört, können Magenanteile sogar absterben.”

Durch Mageneinklemmung könne laut dem Experten die Speisepassage blockiert werden. Dieses äußert sich dann oft durch schmerzhaftes Erbrechen. “Hiatushernien sind häufig, alle anderen Zwerchfellhernien sehr selten”, so Dr. Reinpold.

Das Zwerchfell ist eine Gewebeplatte in einer Art Kuppelform, sie trennt den Bauch- vom Brustraum ab und besteht aus Muskeln und Sehnen. Zu einer Verlagerung im Zuge eines Zwerchfellbruchs kommt es natürlich bedingt durch die vorhandenen Lücken im Zwerchfell. Warum es hier drei größere Lücken gibt? Sie sorgen dafür, dass Organe, Nerven und Blutgefäße von einem Körperbereich in den anderen übertreten können. Es gibt …

  • den Aortenschlitz (die Hauptschlagader kann vom Herzen in den Bauchraum gelangen),
  • eine Öffnung, durch die die untere Hohlvene vom Bauchraum in den Brustraum gelangt (Hohlvene ist fest mit dem Zwerchfell verwachsen) und
  • die Hiatus oesophageus (lässt die Speiseröhre durchtreten).

Besonders bei einer Schwäche des Zwerchfells können leichter Teile des Magens durch die natürliche anatomische Schwachstelle im Zwerchfell treten. An der Lücke der Speiseröhre ist die Muskulatur lockerer als an anderen Stellen.

 

Zwerchfellbruch: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Hiatushernie kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen. Im Normalfall ist das Zwerchfell so fest, dass es nur die dafür vorgesehenen Strukturen durchlässt. Jedoch können gewisse Faktoren für eine Schwächung oder Erweiterung der Lücken sorgen. “Es wirken zahlreiche Faktoren zusammen”, so der Experte. “Im Vordergrund steht sicher eine Bindegewebsschwäche. Begünstigend wirken aber auch Übergewicht, chronischer Husten oder erhöhter Bauchinnendruck, zum Beispiel durch Bauchwasser bei Leberzirrhose.”

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Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Höheres Lebensalter
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Bauchoperationen
  • Männliches Geschlecht
  • Schwangerschaft
  • Häufiges Pressen (schnelle Ausatmung, Bauchpressen oder beim Stuhlgang)
  • Angeborener Zwerchfelldefekt
  • Bindegewebsschwäche
  • Chronischer Husten

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Welche Symptome sind bei einem Zwerchfellbruch üblich?

“Kleine Hiatushernien sind oft symptomlos”, so Chefarzt Dr. Reinpold. Ob man Symptome hat, richtet sich meist nach der Art und dem Ausmaß der jeweiligen Hernie. “Oft kommt es durch Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre zu Sodbrennen – oder zu Entzündungen der Speiseröhrenschleimhaut. Eine chronische säurebedingte Schleimhautentzündung der Speiseröhrenschleimhaut kann zu einer krankhaften Entartung der Schleimhautzellen führen – Vorstufen von Krebs.” Das ist aber nur bei vergleichsweise wenigen Patienten der Fall.

Mögliche Symptome bei Zwerchfellbruch (Schmerzen) sind zum Beispiel:

  • Sodbrennen
  • Formen der Anämie
  • Völlegefühl
  • Aufstoßen
  • Tachykardie oder Apnoe
  • Schleimhautentzündung
  • Rückenschmerzen durch Organverlagerung

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Typen von Hiatushernien

Die jeweiligen Symptome richten sich nach der jeweiligen Ausprägung des Zwerchfellbruchs. Man unterscheidet vier Typen:

Typ 1: Axiale Hernie: Verlagerung des Mageneingangs durch den Hiatus oesophageus nach oben.

Typ 2: Paraösophageale Hernie: Mageneingang verbleibt unterhalb des Zwerchfells, Verlagerung anderer Anteile des Magens durch den Hiatus oesophageus in den Brustraum.

Typ 3: Mischform: Kombination von Typ 1 und Typ 2 – oder der Magen wandert vollständig in den Brustraum.

Typ 4: Schwerste Form: Betrifft nicht nur den Magen, es können auch Teile von Dickdarms oder Milz in den Bauchraum gelangen.

Bei einem Zwerchfellbruch können Komplikationen auftreten. Es kann beispielsweise zu einem Verdrehen des Magens kommen und somit die Blutversorgung abgeschnürt werden. Mögliche Folgen: Entzünden und Absterben des Gewebes. Giftstoffe werden freigesetzt und können eine Sepsis auslösen.

Auch können sich durch den Zwerchfellbruch große Anteile der Bauchorgane verlagern, was das Einengen von Lunge und Herz im Brustkorb zur Folge haben kann. Das geht häufig mit Kreislaufbeschwerden und Atemnot einher.

 

Wie läuft eine Zwerchfellbruch-Behandlung ab?

Ist tatsächlich immer eine Therapie notwendig? Eine berechtigte Frage, zumal viele Zwerchfellbrüche auch unentdeckt bleiben, etwa bei fehlenden Symptomen. “Kleine Hiatushernien ohne Symptome müssen nicht behandelt werden”, erklärt Dr. Reinpold. “Bei saurem Rückfluss in die Speiseröhre werden zunächst Magensäure blockierende Medikamente angewandt. Werden diese nicht vertragen, wird eine Operation in Betracht gezogen.” Dabei wird im Rahmen einer Bauchspiegelungsoperation die Lücke im Zwerchfell anatomiegerecht eingeengt und eine Magenmanschette um die untere Speiseröhre gebildet.

 

Zwerchfellbruch Ernährung: Ist eine Änderung des Lebensstils nötig?

Sollte man sich bei oder nach einem Zwerchfellbruch speziell ernähren? Hernienexperte und Chefarzt Dr. Reinpold rät: “Bitte meiden Sie: zu viel Kaffee, scharfes Essen, saures Essen, Alkohol, scharf gebratene Speisen. Außerdem sind mehrere kleine Mahlzeiten besser als große opulente Mahlzeiten. Auch Nikotinkarenz ist empfehlenswert.”

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Wann sollte man sich ärztlichen Rat suchen?

Bei Oberbauchbeschwerden, die länger als eine Woche anhalten, sollten Betroffene zunächst den Hausarzt aufsuchen. “Der nächste Schritt ist ein Spezialist für Magen-Darm-Krankheiten – sprich: ein Gastroenterologe”, so Dr. Reinpold. Die Basisdiagnostik bei Oberbauchbeschwerden oder Sodbrennen sei eine Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm. “Erst wenn die nicht operative Therapie erfolglos war, sollte ein auf Hiatushernien (Zwerchfellbruch) spezialisierter Chirurg aufgesucht werden.”

Unser Experte: Dr. med. Wolfgang Reinpold, Chefarzt der Chirurgischen Abteilung und des Referenzzentrums für Hernienchirurgie Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand in Hamburg sowie Präsident der Deutschen Herniengesellschaft.

"Zwerchfellbruch", in: MSD Manuals

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