Zwei Gruppen von Corona-Toten: Schweizer Pathologin legt neue Studie vor

Mona Eichler Health-Redakteurin

Eine Schweizer Pathologin hat Lungen von Corona-Toten untersucht und unter ihnen zwei Gruppen erkannt: Jene Patienten, die früh an einer hohen Viruslast sterben, und jene, die später den Schäden, die die Infektion hinterlässt, erliegen. SARS-CoV-2 nennt die Fachärztin in ihrer Studie einen "Killer".

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Inhalt
  1. COVID-19-Studie: Zwei Arten von Corona-Toten
  2. Schwerer Krankheitsverlauf durch hohe Virusdosis
  3. Klare Ansage: Corona-Masken schützen
  4. Unterscheidung der Corona-Toten hilft bei Behandlung

Für Kirsten D. Mertz steht fest: "Das Coronavirus war und ist ein Killer. Auch in Zukunft wird das so sein." Dabei teilt die Pathologin nach eingängigen Untersuchungen die Corona-Toten in zwei Gruppen: Jene Patienten, deren Immunsystem in einem frühen Stadium unter der hohen Viruslast zusammenbricht, und jene, die den akuten Virusbefall zwar überleben, jedoch später an den Schäden, die SARS-CoV-2 in der Lunge hinterlässt, sterben. 

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COVID-19-Studie: Zwei Arten von Corona-Toten

Kirsten D. Mertz ist leitende Ärztin in der Pathologie des Kantonsspitals Baselland und hat mit ihrem Team Lungen von COVID-19-Toten untersucht. Ihren Erkenntnissen zufolge können man zwei Gruppen von Pa­tienten unterscheiden, wie sie gegenüber "blick.ch" ausführt:

"Die erste ­Gruppe stirbt in einem frühen Stadium an einer enorm hohen Viruslast in der Lunge. Das Immunsystem schafft es da leider nicht, das Virus zu unterdrücken. In der zweiten Gruppe sieht es aber ganz anders aus: Der Körper dieser Patienten kann das Virus zunächst besiegen – doch sind danach massive Schäden an Lunge und anderen Organen zu erkennen. Solche Patienten sterben erst nach mehreren Tagen oder ­Wochen."

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Schwerer Krankheitsverlauf durch hohe Virusdosis

Diese massiven Schäden sind Folge eines tödlichen Kreislaufs. SARS-CoV-2 dringt in verschiedene Zellen des Körpers ein, was eine heftige Immunreaktion auslöst. So wird das Virus zwar zerstört, die Zellen aber eben auch. "Das ist, wie wenn Ihnen der Zahnarzt alle Zähne zieht, weil Sie Karies haben. Dann ist zwar die ­Karies weg, Ihre Zähne aber auch", findet Kirsten D. Mertz einen Vergleich. 

Das Fatale: Je höher die Viruslast, desto stärker die Immunreaktion des Körpers und desto mehr Zellen werden zerstört. Ob ein Mensch also einen schweren Krankheitsverlauf zu befürchten hat, liegt unter anderem daran, wie hoch die Viruslast ist, die er in sich trägt. "Das Coronavirus war und ist ein Killer. Auch in Zukunft wird das so sein", betont die Fachärztin. "Zwar gab es leichte Mutationen, insgesamt hat sich das Virus selbst aber nicht gross verändert. Die Risikogruppen sind immer noch dieselben, vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Aber niemand hat die Garantie, von einem schweren Krankheitsverlauf verschont zu bleiben."

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Klare Ansage: Corona-Masken schützen

Laut der Johns Hopkins Universität wurden in der Schweiz seit Beginn der Pandemie 74.422 Krankheitsfälle und 1.823 Corona-Tote (Stand 19.10.2020) gezählt. In Deutschland meldete das Robert Koch-Institut zum selben Zeitpunkt 366.299 Corona-Fälle ingesamt – 4.325 mehr als am Vortag. Aktuell kämpft die USA mit ingesamt 8.154.936 COVID-19-Fällen und knapp 220.000 Corona-Toten am heftigsten gegen die Pandemie. 

Klar ist: Weltweit breitet sich das Virus wieder stärker aus. Gerade jetzt sollten die Menschen auf bereits als wirksam erwiesene Hygienemaßnahmen setzen – und sei es nur, um sich vor einer hohen Viruslast zu schützen. Pathologin Mertz betont dazu: "Wer nur eine kleine Menge des Virus' abbekommt, hat meist auch weniger Symptome und muss gar nicht erst ins Krankenhaus. Daher nützen ­auch Masken sowie die Distanz- und Hygienemassnahmen so gut! Sie schützen uns zwar nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion. Aber sie sorgen auf jeden Fall dafür, dass wir weniger Viren aufschnappen."

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Unterscheidung der Corona-Toten hilft bei Behandlung

Ihre Studie teilt die Corona-Toten nicht einfach nur in zwei Gruppen. Durch diese Unterscheidung ließe sich ab sofort besser abschätzen, welches Medikament in welchem Krankheitsstadium zum Einsatz kommen könne: Behandelt man das Virus selbst oder die Schäden, die es hervorgerufen hat? "Remdesivir zum Beispiel, das antivirale Medikament, das auch Donald Trump erhalten hat, hat sicher eine bessere Wirkung, wenn man es früh genug verabreicht", verdeutlicht Kirsten D. Mertz.

Remdesivir wird seit Beginn der Pandemie übrigens widersprüchlich diskutiert: Manche Studien bescheinigen dem Medikament eine eindeutige Wirkung gegen Corona, andere weisen sogar dessen Schädlichkeit nach. Die WHO stufte Remdesivir vor Kurzem als wirkungslos ein – eine eindeutige, aber nicht unumstrittene Meinung.

Die Studie, die Corona-Tote in zwei Gruppen unterteilt, ist im Fachmagazin "Nature Communications" erschienen. 

Quellen:
Two distinct immunopathological profiles in autopsy lungs of COVID-19, in: nature.com
Sie untersuchte Corona-Lungen: "Das Virus war und ist ein Killer", in: blick.ch
COVID-19 Dashboard by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University (JHU), in: coronavirus.jhu.edu
Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard, in: experience.arcgis.com

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