Zwangsstörungen zeigen sich durch typische Symptome

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Menschen mit Zwangsstörungen fühlen sich durch unterschiedliche Symptome belastet: Einerseits von wiederkehrenden Gedanken, Vorstellungen und Handlungsimpulsen – den Zwangsgedanken – und andererseits von wiederkehrenden Ritualen und Handlungsketten – den Zwangshandlungen. Den Zwangshandlungen gehen starke innere Impulse voraus, welche Psychologen als Intrusionen bezeichnen. Diese Intrusionen sind typische Symptome bei einer Zwangserkrankung. Sie drängen sich den Betroffenen immer wieder auf und zwingen sie dazu, bestimmte Handlungen zu vollziehen.

Perfektionismus ist typisch für Menschen mit einer Zwangsstörung
Perfektionismus ist typisch für Menschen mit einer Zwangsstörung© iStock

Der Inhalt der Zwangsgedanken ist sehr oft an Ängste gebunden – zum Beispiel die Angst vor Schmutz und Infektionen, vor Krankheiten, Unfällen oder davor, einen schweren Fehler zu begehen. Manchmal hat der Erkrankte auch wiederkehrende Gedanken an sexuelle Handlungen oder Gewalttaten und ist von ihnen wie besessen; gleichzeitig machen sie ihm Angst und er will sie auf keinen Fall in die Realität umsetzen. In einigen Fällen sind es auch religiöse Inhalte (z. B. Glaubenssätze), die immer wieder die Gedanken bestimmen, sowie der Drang, bestimmte Dinge zu ordnen oder zu kontrollieren. Wichtig dabei ist, dass die Betroffenen sich selbst im Prinzip darüber bewusst sind, dass diese Denkinhalte nicht sinnvoll sind – das unterscheidet Zwangsgedanken von einer Wahnvorstellung. Menschen mit Zwangsstörungen fühlen sich von den wiederkehrenden Gedanken belastet, können sich aber nicht dagegen wehren, dass sie immer wieder die Gedanken beherrschen.

Zwangshandlungen gehen auf ebensolche Intrusionen zurück, die sich immer wieder aufdrängen. Typisch ist zum Beispiel der Impuls, sich nach jeder Berührung mit Gegenständen oder anderen Menschen die Hände waschen zu müssen. Wenn der Betroffene versucht, sich diesem Drang zu widersetzen, treten zwanghafte Vorstellungen von Keimen, Verschmutzung oder Erkrankungen zutage, die zu einem beklemmenden Angstempfinden führen. Die Gefühle von Angst und Anspannung, wenn sie den Impulsen nicht nachgehen können, sind für die Betroffenen kaum auszuhalten. Doch je öfter sie ihnen nachgeben, um die Anspannung zu erleichtern, desto tiefer schleift sich die Zwangshandlung ein.

Typische Zwangshandlungen sind zum Beispiel:

  • Waschzwang (z. B. ständiges Händewaschen oder Zähneputzen)
  • Kontrollzwang (z. B. Türen, Lichtschalter, Dokumente)
  • Ordnungszwang (z. B. Dinge nach Farben ordnen, Symmetrie schaffen)
  • Putzzwang (z. B. mehrfach tägliches Wischen und Desinfizieren)
  • Verbaler Zwang (z. B. andauerndes wiederholen bestimmter Sätze oder Melodien)
  • Berührzwang (z. B. bestimmte Gegenstände oder Körperteile regelmäßig anfassen)
  • Zählzwang (z. B. Treppenstufen oder Zeit immer wieder abzählen)

Nicht selten treten diese Zwänge in Kombination auf, sodass sich regelrechte Verhaltensketten bilden – zum Beispiel vor dem Verlassen des Büros alle Gegenstände auf dem Schreibtisch genau anzuordnen, den Schreibtischstuhl auszurichten, alle Schalter in einer bestimmten Reihenfolge zu kontrollieren und innerlich bis drei zu zählen, bevor der Betroffene schließlich auf den Lichtschalter drücken und das Büro verlassen kann. Wird diese Verhaltenskette zum Beispiel durch einen Anruf unterbrochen, muss er das Ritual im Zweifelsfall noch einmal von neuem beginnen. Und kommt ihm abends im Bett der Gedanke, dass er einen Schritt vergessen haben können, kann ihn diese Vorstellung stundenlang wachhalten.

So kommt es, dass Zwangsstörungen über die Zeit oft zu einer großen Belastung werden. Verschiedene Tätigkeiten im Alltag können die Betroffenen nicht mehr oder nur noch sehr verlangsamt ausführen, sodass viele auch ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können. Die Symptome beziehen teils auch die Angehörigen mit ein – zum Beispiel müssen diese sich an strenge Hygieneregeln halten oder akzeptieren, dass ihre Tätigkeiten immer wieder kontrolliert werden.

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