Zunge reinigen: Extra Mundhygiene gegen Bakterien

Michelle Kröger

Zähne putzen und das war’s? Nicht ganz. Die Zunge reinigen gehört für viele Menschen nicht zur täglichen Mundhygiene, ist aber genauso wichtig wie das Zähneputzen. Dr. med. dent. Ulf Zuschlag aus der Hamburger Praxis “Zahngesundheit Winterhude” beantwortet Fragen zum Thema. 

Frau reinigt Zunge mit einem Zungenreiniger
Wer sich die Zunge reinigen will, kann auf verschiedene Methoden und Hilfsmittel zurückgreifen – zum Beispiel Zungenschaber Foto:  iStock/AndreyPopov
Inhalt
  1. Zunge reinigen: Warum sollte man das machen? 
  2. Was ist Zungenbelag und wie entsteht er? 
  3. Mundgeruch bzw. Halitosis – was hilft? 
  4. Zungenreinigung – welche Hilfsmittel gibt es? 
  5. Mit Hausmitteln die Zunge reinigen – eine gute Idee? 
  6. Zungenbelag: Wann zum Arzt? 
 

Zunge reinigen: Warum sollte man das machen? 

“Die Zungenreinigung hilft besonders gut gegen Mundgeruch”, sagt Dr. med. dent. Ulf Zuschlag. Beinahe 25 Prozent der Bevölkerung leidet unter Mundgeruch, häufig auch als Halitosis bezeichnet. “Leider gibt es eine sehr große Hemmschwelle, anderen Menschen zu sagen, dass sie unter Mundgeruch leiden. Daher dauert es oftmals Jahre, bis den betroffenen Patienten dieses Problem bewusst wird.” Und wie oft sollte man seine Zunge im Idealfall reinigen? Für den Experten ganz klar: “Einmal täglich. Am besten am Abend, da der Würgereiz dann zumeist schwächer ausgeprägt ist”, erklärt Experte Dr. Zuschlag. 

Doch was genau ist der Auslöser des unangenehmen Geruchs? Laut Dr. Zuschlag entsteht der Mundgeruch in 75 Prozent der Fälle im Mund und in fast 60 Prozent dieser Fälle liegt die Ursache auf der Zunge. “Die Zungenreinigung führt zu einer Verminderung der Bakterien in der Mundhöhle. Auch Bakterien, die Parodontitis und Karies auslösen, werden reduziert”, sagt der Mediziner. Doch eine schützende Wirkung vor Karies und Parodontitis durch eine Zungenreinigung konnte noch nicht zweifelsfrei bewiesen werden. 

 

Was ist Zungenbelag und wie entsteht er? 

Dem Experten zufolge steht Mundgeruchs also häufig in Zusammenhang mit der Zunge bzw. dem Zungenbelag eines Menschen. Aber was ist Zungenbelag eigentlich und wie bildet er sich? “Jeder Mensch hat Zungenbelag in unterschiedlicher Ausprägung. Physiologischer Zungenbelag ist eher weißlich und besteht aus Nahrungsmittelresten, Speichelbestandteilen, abgeschilferten Zellen aus der Mundhöhle, Bakterien, Pilzen und einigen anderen Bestandteilen.

Die Bakterien verstoffwechseln besonders die Nahrungsmittelreste und dabei entstehen übelriechende Stoffwechselprodukte, die dann Mundgeruch verursachen”, sagt Dr. Zuschlag.  

 

Mundgeruch bzw. Halitosis – was hilft? 

Wenn der unangenehme Geruch nicht auf das Rauchen oder den Verzehr von Knoblauch zurückzuführen ist, sollte ein Profi hinzugezogen werden. Durch eine professionelle Zahnreinigung können die riechenden Bakterien und ihre schwefelhaltigen Duftstoffe wirksam aus der Mundhöhle entfernt werden. In vielen Fällen kann schon nach dem einmaligen Besuch eine Verbesserung des Mundgeruchs festgestellt werden. Allerdings empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen zur Zahnreinigung zu gehen und sich dort gleich Ratschläge von Prophylaxe-Experten einzuholen. Diese können von der idealen Zahnbürste bis zur täglichen Reinigung der Zunge reichen.

 

Zungenreinigung – welche Hilfsmittel gibt es? 

Es gibt einige Hilfsmittel zur Zungenreinigung. “Zungenreiniger sind besonders effektiv”, sagt Dr. Zuschlag. “Hiermit werden die Beläge effizient reduziert. Die meisten Bakterien sitzen im hinteren Drittel der Zunge. Wenn man die Zungenspitze mit moderatem Druck festhält, kommt man auch an die wichtigen Stellen.” 

Dem Experten zufolge solle man mit leichtem Druck arbeiten, um die Zungenpapillen nicht zu verletzen. Die Zahnbürste und spezielle Zungenreinigungsrückseiten von Zahnbürsten seien nicht so gut für die Zungenreinigung geeignet. Unterstützend gebe es (antibakterielle) Zungenreinigunsgels und Spüllösungen. “Besonders die Spüllösungen sollten nicht länger ohne zahnärztlichen Rat angewendet werden, da man hierbei die Mundflora negativ beeinflussen kann”, sagt Dr. Zuschlag. 

 

Mit Hausmitteln die Zunge reinigen – eine gute Idee? 

Bei vielen Beschwerden können auch natürliche Hilfsmittel Linderung bringen. Wie sieht es bei dem Reinigen der Zunge aus – geht auch das auf natürliche Weise? “Hausmittel sich nicht so sehr zu empfehlen”, sagt Dr. Zuschlag. Allerdings kann man seinem Körper einen Schubser in eine gesunde Richtung geben – auch in puncto Mundhygiene. Das Zauberwort? Ernährung. “Grundsätzlich hilft ballaststoffreiche, faserige Nahrung, da es hier zu einer Eigenreinigung der Zunge und auch der Zähne kommt. Weiche und flüssige Nahrung vermehrt hingegen den Zungenbelag”, sagt er. Es helfe außerdem, wenn man ausreichend Wasser trinkt, dadurch könnten leicht bewegliche Bestandteile schnell entfernt werden.

Zunge mit gelben Belag
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Zungenbelag: Wann zum Arzt? 

Im Idealfall kontrolliert der Zahnarzt bei jeder Kontrolle auch die Zunge seines Patienten. Entscheidend ist die Farbe des Zungenbelages: “Zungenbelag ist eher weißlich. Wenn die Zunge braun, schwarz oder gelb belegt ist, sollte man zur Kontrolle. Aber auch eine sehr rote Verfärbung kann eine krankhafte Ursache haben”, sagt Dr. Zuschlag. “Grundsätzlich sollte man zum Arzt, wenn die Zunge schmerzt, die Beläge nicht abwischbar sind oder es bei Berührung zu Blutungen kommt.” 

Wichtig: Die Zunge kann auch durch stark färbende Lebensmittel, Mundspüllösungen, Antibiotikaeinnahme oder Rauchen verfärben. Deshalb sollte man bei Farbabweichungen zunächst naheliegende Ursachen in Betracht ziehen.


Quellen: 
Interview mit Dr. med. dent. Ulf Zuschlag aus der Praxis Zahngesundheit Winterhude
 

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