Zum Grillen geboren?

Sarah Schwiete
Grillen mit Holzkohle
Warum wir aufsteigenden Rauch beim Grillen mit Holzkohle überhaupt vertragen können, haben Forscher nun herausgefunden © Alamy

An lauen Sommerabenden duftet es überall es nach saftigen Steaks und Bratwürstchen. Denn es gibt kaum jemanden, der es nicht tut: Grillen. Warum wir Grillrauch im Gegensatz zu unseren Vorfahren überhaupt vertragen können, fanden jetzt Forscher der Pennsylvania State University heraus.

Am Holzkohlegrill zu stehen und auch mal ordentlich eingeräuchert zu werden, macht uns – meistens – nichts aus. Das wir Feuerrauch überhaupt vertragen können, liegt an der Gen-Variante AHR. Das fanden nun Wissenschaftler der Pennsylvania State University heraus. Auf diese Variante stießen sie, als die Forscher das Erbgut vom Homo Sapiens mit dem des Neandertalers und dem des Denisova-Menschen verglichen.

 

Rauch könnte für Lungenkrankheiten oder Krebs verantwortlich sein

Obwohl alle drei Vorfahren-Arten besonders in kälteren Klimazonen auf ein Lagerfeuer als Wärmequelle und zur Nahrungszubereitung angewiesen waren, dürfte der Feuerrauch beim Neandertaler und beim Denisova-Menschen schwere gesundheitliche Folge in Form von Lungenkrankheiten oder Krebs nach sich gezogen haben.

Der Grund liegt im Gen AHR. Normalerweise steuert dieses Gen einen Rezeptor, der für die Kontrolle des Zellwachstums verantwortlich ist. An diesen Rezeptor sind sogenannte polyzyklische Kohlenwasserstoffe gebunden. Wird Rauch eingeatmet, wird der Rezeptor aktiviert. Dadurch werden Stoffwechselvorgänge angestoßen, bei denen schädliche Substanzen entstehen.

 

Gen-Variante sorgt für weniger Giftstoffe

Die Gen-Variante, die seit tausenden von Jahren in unserem Erbgut zu finden ist, weist jedoch im Vergleich zum Neandertaler und dem Denisova-Menschen eine viel geringere Bindungsfähigkeit zu den Kohlenwasserstoffen auf. Die Folge: Es entstehen weniger Giftstoffe in unserem Körper.

Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher, als sie in einem Versuch die entsprechenden Genvarianten in Testzellen eingepflanzten und diese mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen versetzten.

Demnach dürften sowohl der Neandertaler als auch der Denisova-Mensch sehr unter den schädlichen Auswirkungen von Lagerfeuer-Rauch und auch gerilltem Fleisch gelitten haben. Die Wissenschaftler konnten jedoch nicht beantworten, ob das Gen AHR zum Aussterben der beiden archaischeren Arten beitrug.

Hamburg, 06. August 2016

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