Zukunftsangst: Was tun gegen die Angst vor der Zukunft?

Kim Kraft Journalistenschülerin

Ob im Job, in der Beziehung oder was den eigenen Lebensweg angeht – die Zukunftsangst ist allgegenwärtig. Was kann man tun, wenn sie einen lähmt?

Wer Zukunftsängste hat, muss aktiv gegen diese vorgehen
Was tun, wenn einen die Zukunftsangst lähmt? Foto:  iStock: fizkes
Inhalt
  1. Was ist Zukunftsangst?
  2. Wo kommt Zukunftsangst her?
  3. Wie gehe ich mit Zukunftsängsten um?
  4. Was tun bei Zukunftsangst?
  5. Zukunftsangst überwinden durch Resilienz und Vertrauen

Die aktuelle Lage schürt bei vielen Menschen die Angst vor der Zukunft. Doch es muss nicht unbedingt eine Pandemie sein, die einen unsicher in die Zukunft blicken lässt.

Dabei ist die Zukunftsangst ein Phänomen, das durch viele verschiedene Faktoren bedingt werden kann.  Eine Umfrage der R+V Versicherung ergab etwa, dass 53 Prozent der Deutschen Angst vor den Auswirkungen der Politik Donald Trumps auf die Zukunft haben. 51 Prozent haben Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten, 44 Prozent vor Naturkatastrophen, 42 Prozent vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln und 41 Prozent haben Angst, im Alter zu einem Pflegefall zu werden. Viele Menschen blicken also mit Furcht in die Zukunft, doch wo kommt diese Zukunftsangst her und was kann man dagegen tun?

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Was ist Zukunftsangst?

Zukunftsangst beschreibt die Angst vor den Dingen, die noch kommen werden und auf die man nur wenig bis gar keinen Einfluss hat. Oft ist es eine Negativspirale, die die Menschen, die unter ihr Leiden, lähmt. Die Frage „Was wäre wenn …?“ geht vielen durch den Kopf und kreiert die Angst vor dem Ungewissen und der Veränderung. Der Verstand malt oft ein Worst Case Szenario aus und die Betroffenen Blicken voller Sorge auf die Zukunft. Dabei fällt es häufig auch schwer, Entscheidungen zu treffen, denn es herrscht die Angst vor Fehlentscheidungen und davor, welche Konsequenzen die Entscheidung, die heute getroffen wird, mit der Zukunft macht.

In vielen Fällen gehen Zukunftsängste mit einem geringen Selbstvertrauen einher. Denn wer nicht in seine eigenen Fähigkeiten und seine eigene Stärke glaubt, der glaubt auch nicht daran, dass er oder sie mit dem, was in der Zukunft wartet, umgehen kann. Betroffene tendieren dazu, früher aufzugeben, da sie ohnehin mit dem Scheitern ihrer Anstrengungen rechnen. Im schlimmsten Fall verfallen Menschen aufgrund der Zukunftsangst in eine Depression.

Weitere Indizien für Zukunftsangst sind etwa:

  • Stundenlanges Grübeln und Sorgen
  • Pessimistische Einstellung, was die Zukunft betrifft
  • Schlaflosigkeit, Durchschlaf- und Einschlafstörungen
  • innere Unruhe, Sie finden wenig bis keine Entspannung
  • Sie denken nur an die Zukunft und vergessen die Gegenwart
  • Hilflosigkeit
  • Herzrasen oder Panikattacken
  • Sie vermeiden, über die Zukunft zu reden
 

Wo kommt Zukunftsangst her?

Zurzeit hat die Angst wohl Hochkonjunktur, so Psychotherapeutin Sabine Bimmler gegenüber "Praxisvita.de". „Wann immer es um unser Leben geht, entsteht Angst“ so die Therapeutin. Doch per se sei Angst nichts Schlechtes. Denn sie ist eigentlich ein grundgutes Gefühl, dass uns die Natur mitgegeben hat, um auf gefährliche Situationen schnell reagieren zu können. „Das Gefühl fühlt sich unangenehm an, weil es so viel Energie mitbringt“, erklärt Bimmler.

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Man müsse unterscheiden, wann Angst gut ist und wann sie eher ins Negative umschlägt. Stehen Sie etwa auf der Straße und ein Bus kommt auf Sie zu, hilft Ihnen die Angst, in dieser Situation richtig zu handeln. Stehen Sie aber an einem Scheideweg in ihrem Leben – egal ob Jobwechsel, Scheidung, etc. – basiert die Angst oft eher auf Erwartungsdruck, Versagensängsten oder Existenzängsten. Um mit der Zukunftsangst umgehen zu lernen, sollten Sie also erst einmal klären, wo die Angst herkommt und dann Ihren Verstand mit ins Spiel bringen und die Situation analysieren und neu bewerten.

 

Wie gehe ich mit Zukunftsängsten um?

Psychotherapeutin Bimmler, die mit ihren Patienten oft über deren Zukunftsängste spricht, appelliert ebenfalls dafür, in Situationen, in denen die Angst dominiert, den Verstand einzusetzen. Der helfe einem dabei, die Situation einzuschätzen und übertriebene Ängste abzubauen. Dabei seien pessimistische Menschen schwerer betroffen und leiden häufiger unter Zukunftsängsten als Optimisten. „Wenn zu viele negative Prognosen auftauchen, dann lähmt die Angst. Durch diese negativen Zukunftsprognosen entsteht Druck, Angst, Hilflosigkeit und das Stresserleben steigt“, so Bimmler.

 

Was tun bei Zukunftsangst?

Das Wichtigste bei Zukunftsangst ist wohl die Entspannung. Denn wer ständig grübelt und nachdenkt, steht auch ständig unter Hochspannung. Auch Bimmler ist klar für mehr Auszeiten in solchen Situationen: „Wichtig ist, dass wir etwas gegen unseren Stress und für unsere Entspannung machen. Wir sollten uns Inseln im Alltag bauen, wo man mit Menschen über etwas anderes spricht und nicht über die Zukunft nachdenkt.“

Was genau diese Inseln sind, sei individuell, so die Psychotherapeutin. Es sind aber Tätigkeiten oder Momente, in denen man sich fallenlassen kann und nicht nachdenkt. Dabei hilft die Frage „Was habe ich in guten Zeiten gern gemacht?“. Für viele sei das etwa Ausdauersport oder Entspannungsyoga.

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So oder so müsse man aber auch aktiv etwas verändern, denn „wenn du ein anderes Ergebnis willst, musst du einen anderen Weg gehen“, so Bimmel. Es sei wichtig, sich bewusst zu machen, dass sowohl die Angst, aber auch der Mut etwas zu tun, im Kopf beginne. Etwas zu verändern und aus der Negativspirale der Zukunftsängste herauszukommen, sei letztendlich aber eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss.

Um einen Anfang zu machen, helfen folgende Schritte:

  1. Aufschreiben und sortieren: Ängste und Sorgen aufschreiben. Was sind die Gedankenmuster? Was kommt immer wieder auf?
  2. Evaluieren: Welche der Gedanken und Sorgen können Sie aktuell beeinflussen? Welche liegen außerhalb Ihres Einflussbereiches?
  3. Was kann ich aktiv tun? Zum Beispiel Zeitfenster am Tag bestimmen, in denen Sie sich mit Problemen und deren Lösung auseinandersetzen. Die restliche Zeit herrscht Denkpause.

Auch die innere Einstellung muss mit diesen aktiven Handlungen angepasst werden. So ist es wichtig, dass Sie Ihr eigenes Selbstvertrauen pushen. Denken Sie an Ihre Stärken und daran, was Sie bisher alles geschafft haben. Wenn Sie daran festhalten, blicken Sie gleich viel zuversichtlicher in die Zukunft und glauben daran, dass Sie was auch immer da kommt, bewältigen können.

Außerdem hilft es, die Angst vor der Situation, die da kommt, immer in Relation zu setzen. Fragen Sie sich also stets, ob die Situation, vor der Ihnen bangt, tatsächlich ein Weltuntergang wäre oder vielleicht doch nur halb so schlimm.

 

Zukunftsangst überwinden durch Resilienz und Vertrauen

Schlussendlich ist es wichtig, im "Hier und Jetzt" zu leben, den Augenblick zu genießen und seine Ängste unter Kontrolle zu haben. Psychotherapeutin Sabine Bimmler ist überzeugt: „Wenn man ein klares Ziel formuliert hat, weniger Angst zu haben und seine Gedanken zu beeinflussen, dann schafft man es auch.“ Eine distanzierte Haltung zu den eigenen Gedanken und ein neutraler Blick auf die Realität würden einem dabei helfen, das Karussell anzuhalten.

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„Resilienz und Vertrauen braucht es, um mit der Zukunftsangst umzugehen“, so Bimmler. „Urvertrauen ins Leben und die Zukunft. Resilienz als persönliche Fähigkeit und Vertrauen in das Leben machen es leichter, seine Ängste auf einem gut aushaltbaren Niveau zu halten. Sie gehen nicht weg, aber das wollen wir ja auch nicht. Denn so bleiben die Ängste da, wenn wir sie brauchen, um auf Gefahr zu reagieren.“ Zukunftsangst kann also sehr beunruhigend sein, ist aber auch behandelbar.

Die Expertin: Sabine Bimmler ist seit 20 Jahren Psychologin, Coach und Psychotherapeutin für Verhaltenstherapie. Infos: www.sabinebimmler.de

Quelle:

"Die zehn größten Ängste 2020", in: ruv.de

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