In Zukunft ohne Spritze: Forscher entwickeln Impf-Creme

Impfcreme entwickelt
Die neu entwickelte Nano-Creme könnte dabei helfen die in Westafrika grassierende Ebola-Epidemie zu bekämpfen © Fotolia

Etwa 20 Prozent der Deutschen fürchten sich vor Spritzen – so sehr, dass der eigentlich wenig schmerzhafte Pieks nach Möglichkeit konsequent gemieden wird. Dennoch ist beispielsweise bei Impfungen die Behandlung mit der lästigen Nadel bislang unumgänglich. Forscher haben nun einen Impfstoff entwickelt, der durch das Auftragen auf die Haut verabreicht werden kann. Praxisvita erklärt, wie das funktioniert.

Forscher des Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig zeigen in einer aktuellen Studie, dass Impfungen in Zukunft mithilfe einer Creme aufgetragen werden könnten.

 

Nano-Transporter für Impfstoffe

Dabei setzen die Wissenschaftler auf eine sogenannte Nano-Impf-Formulierung – winzige Nanopartikel dienen als Verpackung für die Impfstoffe –, die nach dem Auftragen auf die Haut über die Haarfollikel in den Körper eindringt und so eine Immunantwort auslöst. Das oberflächige Verfahren ist völlig schmerzfrei und verursacht – anders als die Verabreichung mit Spritzen – keine Verletzungen oder Nebenwirkungen.

 

Wirksam dank Impfturbo

Damit es auf diese Weise zu einer Immunisierung der Abwehrkräfte kommen kann, nutzen die Forscher einen eigens entwickelten Impf-Turbo – denn die Verabreichung, der für die Immunantwort des Körpers benötigten Menge an Impfstoffen, „ist über die Nanopartikel nicht möglich“, erklärt Studienautor Prof. Carlos Alberto Guzman. Ein bestimmtes Adjuvans – Adjuvantien sind Substanzen, die in der Pharmakologie und Labormedizin als Verstärker von Wirkstoffen eingesetzt werden – steigert deswegen die Wirkleistung des verabreichten Antigens.

 

Verfahren eignet sich perfekt für Ebola-Impfung

Die Tatsache, dass die Nano-Impfung durch das äußerliche Auftragen auf die Haut verabreicht werden kann, ist nicht nur ein Vorteil für Menschen mit Angst vor Spritzen. Das Verfahren ermöglicht die Entwicklung einer Impf-Creme, die sehr viel billiger hergestellt, gelagert und transportiert werden kann als injizierbare Antigene. Zudem wäre zur Anwendung der Nano-Impfung kein medizinisch geschultes Personal notwendig. 

Aus diesen Gründen würde sich ein Impfstoff, der einfach die Haut aufgetragen werden kann, besonders für die Anwendung in Entwicklungsländern eignen. In einem solchen Einsatzumfeld käme noch die Verringerung der Gefahr einer Ansteckung mit Infektionskrankheiten – aufgrund von mehrfach verwendeten Nadeln – hinzu.

Vor dem Hintergrund der in Westafrika grassierenden Ebola-Epidemie und in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe gegen das tödliche Virus, könnte es sich deswegen um ein entsprechend optimales Impfverfahren handeln, mit dem sich schnell und kostengünstig eine große Anzahl Menschen impfen ließe.

Hamburg, 1. Oktober 2014

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