Zu wenig Schlaf lässt Kinder schneller altern

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Schlafdauer vom Kind
Die Schafdauer hat laut einer neuen Studie Einfluss auf den Alterungsprozess von Kindern © iStock

Dass ausreichend Schlaf wichtig für die Gesundheit ist, ist nichts Neues. Forscher der Princeton University weisen nun daraufhin, warum besonders Eltern die Schlafdauer ihrer Kinder überprüfen sollten: Laut ihrer Untersuchung wird der Alterungsprozess von Kindern, die zu wenig schlafen, beschleunigt.

Im Schlaf wird unser gesamter Organismus regeneriert: Unsere Abwehrkräfte werden gestärkt, Zellen repariert und das Gedächtnis verarbeitet die Informationen, die wir den Tag über aufgenommen haben. Diese Erholung funktioniert aber nur, wenn unser Schlaf nicht nur tief, sondern auch lang genug ist. Warum das besonders für Kinder wichtig ist, zeigt nun eine neue Studie der Princeton University: Demnach könnten Kinder, die wenig schlafen, schneller altern als Kinder, die eine statistisch gesehen durchschnittliche Schlafdauer erreichen.

 

Telomere als Indikator für schnelles Altern?

Für die Studie wurden die durchschnittliche Schlafdauer sowie die Länge der sogenannten Telomere von insgesamt 1.567 amerikanischen Kindern im Alter von neun Jahren untersucht. Telomere sind sozusagen Schutzkappen, die an den Enden von Chromosomen sitzen. Ihre Hauptaufgabe ist die Sicherung von Erbgut, wenn sich die Zellen teilen. Bei jeder Zellteilung werden die Telomere kürzer. Wenn sie eine gewisse Kürze erreicht haben, teilt sich die Zelle nicht mehr, sondern stirbt ab – was wiederum Einfluss auf den Alterungsprozess hat. Im Umkehrschluss bedeutet das, je länger die Telomere sind, desto langsamer schreitet der Alterungsprozess voran. Das Ergebnis der aktuellen Studie ist daher besorgniserregend: Je kürzer die Schlafdauer der Kinder war, desto kürzer waren auch die Telomere. Der Alterungsprozess könnte bei den betroffenen Kindern also beschleunigt werden.

 

Schlechter Schlaf als Kind – mehr Krankheiten als Erwachsener?

Andere Studien deuten an, dass sich die Schlafdauer eines Kindes auch auf die spätere Infektanfälligkeit auswirken kann. Studienautorin Sarah James fürchtet, dass der Schlafmangel später das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Krebs erhöhen könnte. Auch die kognitiven Fähigkeiten können durch zu wenig Schlaf beeinträchtigt werden. Schlafforscher weisen allerdings daraufhin, dass die Erforschung der Telomere noch ganz am Anfang steht – dementsprechend sei das Studienergebnis zwar interessant, müsse aber mit Vorsicht betrachtet werden. Unstrittig bleibt, wie wichtig genügend Schlaf für Kinder ist: Neben der generellen Regeneration hängt auch die Bildung von Wachstums- und Geschlechtshormonen davon ab.

 

Wie lange sollte mein Kind schlafen?

Die durchschnittliche Schlafdauer richtet sich in der Regel nach dem Alter des Kindes. Experten empfehlen folgende Schlafzeiten:

  • Bis zu drei Monate: 16 bis 18 Stunden
  • Vier bis fünf Monate: 14 bis 15 Stunden
  • Sechs bis zwölf Monate: 13 Stunden
  • Ein bis vier Jahre: 12 Stunden
  • Fünf bis sechs Jahre: 11,5 Stunden
  • Sieben bis neun Jahre: 11 Stunden
  • Zehn bis elf Jahre: 10,5 Stunden
  • Zwölf bis 13 Jahre: 10 Stunden
  • 14 bis 17 Jahre: 9 Stunden

Hierbei handelt es sich allerdings um Richtwerte – letztendlich ist der genaue Schlafbedarf individuell verschieden und hängt unter anderem von genetischen Faktoren ab. Wollen Sie sichergehen, dass Ihr Kind genug schläft, sollten Sie es genau beobachten: Ist es beispielsweise morgens aufgeweckt oder schläft es beim Frühstück fast wieder ein? Im zweiten Fall sollten Sie eingreifen: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und verzichten Sie auf schwere Mahlzeiten wie Pizza am Abend. Auch Bewegung fördert Müdigkeit – motivieren Sie Ihr Kind also zum Sport. Zusätzlich sollten Handys, Fernseher und Videospiele spätestens eine Stunde vor dem Schlafengehen tabu sein. Noch mehr Tipps dazu, wie viel Schlaf ein Kind braucht und wie das Einschlafen leichter fällt, gibt es im Artikel „Wann sollte mein Kind ins Bett und wie viel Schlaf braucht es?“.

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