Zu wenig getrunken: Gefahr am Steuer!

Ein müder Mann am Steuer
Bei Flüssigkeitsmangel lässt die Konzentrationsfähigkeit nach. Das führt zu ähnlich vielen Fahrfehlern wie bei angetrunkenen Fahrern, zeigt eine neue Studie © Fotolia

„Zu viel getrunken?“ Auf diese Frage könnten viele Unfallverursacher wohl antworten „nein, zu wenig“. Denn Dehydrierung ist hinterm Steuer genauso gefährlich wie Alkohol, zeigt eine aktuelle britische Studie.

Dass man nach dem zweiten Glas Bier das Auto lieber stehen lassen und nach Hause laufen sollte, ist weithin bekannt – denn betrunken zu fahren ist gefährlich und deshalb strafbar. Alkoholkontrollen sollen den Straßenverkehr darum sicherer machen. Doch niemand kontrolliert, ob Autofahrer genug Flüssigkeit zu sich genommen haben – dabei führt Dehydrierung zu ebenso vielen Fehlern beim Autofahren wie Angetrunkenheit, zeigt jetzt eine Studie von Forschern der britischen Loughborough University.

 

Dehydrierte machen mehr Fehler beim Fahrtest

Um herauszufinden, wie sich Flüssigkeitsmangel auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt, testeten die Wissenschaftler das Fahrverhalten von Probanden mit einem Simulator. Am Tag des Experiments bekamen die Teilnehmer pro Stunde 200 Milliliter Wasser zu trinken. Im Schnitt machten sie während des zweistündigen Tests 47 Fahrfehler – beispielsweise bremsten sie zu spät oder überfuhren Begrenzungslinien.

An einem zweiten Testtag wiederholten die Studienleiter den Versuch mit denselben Probanden. Doch diesmal durften diese nur 25 Milliliter Flüssigkeit pro Stunde zu sich nehmen, sie waren also dehydriert. Die Folge: Mit durchschnittlich 101 Fehlern unterliefen den Probanden mehr als doppelt so viele Fehltritte wie am ersten Testtag.

 

Dehydrierung ist vergleichbar mit 0,8 Promille

Studienleiter Professor Ron Maughan: „Die von uns beobachteten Fahrfehler haben ein ähnliches Ausmaß wie die von Menschen mit 0,8 Promille Alkohol im Blut – über diesem Wert beginnt das Fahrverbot im Vereinigten Königreich. In anderen Worten: Dehydrierte Fahrer machen genauso viele Fehler wie Menschen, die zu viel Alkohol getrunken haben.“

Die Tagesdosis an Flüssigkeit, die die Probanden am zweiten Testtag zu sich nahmen, sei durchaus mit der von Berufstätigen zu vergleichen, die nicht regelmäßig Zugang zu Wasser haben, betonen die Studienleiter. Experten empfehlen, mindestens zwei Liter pro Tag zu trinken – am besten Wasser oder Tee. Wie sich Flüssigkeitsmangel auf das Gehirn auswirkt und wie Wasser gegen Kopfschmerzen und sogar Demenz helfen kann, erklärt Psychologe Dr. Siegfried Lehrl im Interview – hier klicken.

Hamburg, 29. April 2015

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