Zu viel Fett im Blut

Redaktion PraxisVITA

Ein Mann aus Deutschland hatte so viel Fett im Blut, dass es wie Milch aussah. Um dem Patienten zu helfen, griffen seine Ärzte auf eine fast schon vergessene Methode zurück.

Blutproben eines Patienten mit extremer Hypertriglyzeridämie
In extremen Fällen von Hypertriglyzeridämie sieht das Blut aufgrund seines hohen Fettanteils aus wie Milch Foto:  Wikipedia

Der 39-Jährige wurde mit einer sog. Hypertriglyzeridämie ins Krankenhaus eingeliefert. Bei dieser Fettstoffwechselstörung ist der Anteil spezieller Fettmoleküle, der sogenannten Triglyceride, im Blut erhöht.

Bei dem Patienten lag ein extremer Fall von Hypertriglyzeridämie vor: Normale Werte liegen bei weniger als 150 Milligramm Triglyceride pro Deziliter (mg/dl), 500 mg/dl werden als „sehr hoch“ eingestuft. Die Werte des 39-jährigen Patienten lagen bei etwa 18.000 mg/dl.

 

Extreme Hypertriglyzeridämie

Diese extremen Werte verursachten bei dem Mann Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Teilnahmslosigkeit. Die Ärzte vermuten, dass mehrere zusammenwirkende Faktoren seinen Zustand verursachten: Fettleibigkeit, eine falsche Ernährung, Insulinresistenz und eine erbliche Veranlagung – dazu kam, dass er seine Diabetesmedikamente nicht wie verordnet eingenommen hatte.

Normalerweise kommt bei einem Erkrankungsschub die sogenannte Plasmapherese zum Einsatz. Dabei wird das Blut „gefiltert“ und die Fettmoleküle werden entfernt. In diesem Fall gab es allerdings ein Problem: Die dafür notwendige Maschine verstopfte bei dem Versuch, das Blut des Patienten zu reinigen - des Fettes wegen.

 

Aderlass als Nottherapie

Die Umstände zwangen die Ärzte, auf eine alternative Methode zurückzugreifen: den Aderlass, bei dem dem Patienten 50 bis 1.000 Milliliter Blut entnommen werden. Der Aderlass gehört zu den ältesten Behandlungsformen, wird aber aufgrund fehlender Nachweise seiner Wirksamkeit in der Regel nicht mehr angewendet.

Die Ärzte entnahmen ihrem Patienten zwei Liter Blut und „ersetzten“ es mit sogenanntem Erythrozytenkonzentrat (Blutkonserve aus roten Blutkörperchen), aufgetautem Frischplasma und einer Kochsalzlösung.

Die Therapie wirkte: Nach fünf Tagen waren die Symptome des Mannes verschwunden. Seine Ärzte berichten über den Fall in dem Fachblatt „Annals of Internal Medicine“.

Quelle:
Koehler P. et al. (2019): Bloodletting to Treat Severe Hypertriglyceridemia, in: Annals of Internal Medicine.

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