Zu hoher Blutzucker: Was tun bei Überzuckerung?

Ein zu hoher Blutzucker ist nicht auf Anhieb erkennbar. Sie fühlen sich gesund und schmerzfrei, haben jedoch erhöhte Glukosewerte. Diese können Anzeichen für einen beginnenden Diabetes sein, der weitere Folgeerkrankungen nach sich zieht. Alle Informationen über den erhöhten Blutzuckerspiegel, seine Folgen und was Sie selbst bei Überzuckerung tun können.

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Eben noch schien die Welt in Ordnung. Doch beim letzten Arztbesuch haben Sie die Diagnose erhalten, dass der Blutzucker zu hoch ist. Was bedeutet ein zu hoher Blutzucker für die Gesundheit und was können Sie bei einer Überzuckerung tun?

Hoher Blutzucker: Diese Ursachen stecken dahinter

Was bedeutet eigentlich Blutzucker, ist dieser nützlich? Die Antwort ist eindeutig: Zucker hat im Blut auf Dauer nichts zu suchen. Der Zucker bzw. die Glukose wird in den Zellen des menschlichen Organismus benötigt, sie ist der wichtigste Energielieferant, damit alle Körperteile optimal funktionieren. Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin, damit die Glukose in die Zellen gelangt, sie ist wie ein Türöffner. Steht nicht genügend Insulin zur Verfügung, kann die Glukose nicht in die Zellen geschleust werden, sie bleibt in der Blutbahn und der Blutzuckerwert steigt an. Das kann auf Dauer ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Bei vielen Menschen, die einen hohen Blutzucker aufweisen, handelt es sich um eine Vorstufe der gefürchteten Krankheit Diabetes. Natürliche Blutzuckerschwankungen kommen bei gesunden Menschen auch täglich vor. Diese sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Ist der Blutzucker über mehrere Wochen zu hoch, kann man von einer Vorstufe des Diabetes ausgehen.

Hohe Blutzuckerwerte ohne Diabetes

Auch Menschen ohne Diabetes sollten ihre Blutzuckerwerte im Blick behalten, denn die Krankheit entwickelt sich beim Typ 2 oft schleichend über Jahre. Vor allem Menschen mit diesen Risikofaktoren sollten im Rahmen eines Gesundheitschecks bei der Ärzt:in auch den Glukosewert überprüfen lassen:

  • Übergewicht oder Fettleibigkeit
  • Schlechte Ernährungsgewohnheiten
  • Erbliche Vorbelastung (Diabetes-Fälle in der Familie)
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Lebensalter ab 45 Jahren
  • Mangelnde Bewegung
  • Rauchen 

Der Blutzuckerspiegel im Blut nüchtern, also nach acht bis zehn Stunden ohne Nahrung, sollte unter 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) bzw. unter 5,6 Millimol pro Liter (mmol/l) liegen. Nach der Nahrungsaufnahme sollte dieser Glukosewert nicht über 140 mg/dl (7,8 mmol/l) ansteigen.

Das sagen erhöhte Zuckerwerte aus

Liegt Ihr Nüchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) könnte eine Vorstufe des Diabetes vom Typ 2 (die erworbene Variante), vorliegen. Um sicherzugehen, untersuchen Ärzt:innen meist noch den HbA1c-Wert. Dieser misst anhand des Farbstoffs der roten Blutkörperchen und der zuckerbindenden Eiweißkette, wie hoch der durchschnittliche Blutzuckerspiegel der vergangenen zwei bis drei Monate war. Er ist ein guter Indikator, um festzustellen, ob der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum erhöht war. Bei einem HbA1c-Wert über 6,5 Prozent geht man von einem Diabetis mellitus aus. Ist zudem der Nüchternwert des Blutzuckers höher als 126mg/dl (7mmol/l) spricht das ebenfalls für einen Prädiabetes, der näher untersucht und behandelt werden sollte.

Plötzlich sehr hoher Blutzucker: Besonders für Diabetiker problematisch

Manchmal kann der Blutzucker sehr plötzlich ansteigen. Das ist meist bei schwereren Infekten oder entzündlichen Erkrankungen der Fall. Erkältungen, Magen-Darm-Infekte, Lungen- oder Gelenksentzündungen können für einen solchen Anstieg verantwortlich sein. Grund hierfür ist, dass bei solchen Krankheiten vermehrt Stresshormone wie Adrenalin oder Kortisol ausgeschüttet werden. Auch bei chronischen Schmerzen etwa durch rheumatische Erkrankungen steigen diese an. Sie sorgen dafür, dass in der Leber mehr Zucker produziert wird und dass der Organismus weniger gut auf Insulin reagiert.

Besonders problematisch ist ein plötzlicher Anstieg des Blutzuckers bei Patienten, die bereits unter Diabetes leiden und Insulin spritzen müssen. Die Insulindosis muss dann angepasst werden, wichtig ist jedoch, dass das überhaupt erkannt wird.

Ist der Blutzucker zu hoch, zeigen sich diese Symptome

Wer nicht an Diabetes erkrankt ist oder ein auffallendes Risiko für die Erkrankung aufweist, macht sich meist wenig Gedanken über den eigenen Blutzuckerwert. Dann weisen solche Symptome darauf hin, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte:

  • Vermehrter Durst
  • Häufigeres Wasserlassen als normal, vor allem nachts
  • Mehr Müdigkeit als sonst
  • Verschwommensehen
  • Kopfschmerzen

Sollten Ihnen solche Symptome auffallen, kann eine Blutuntersuchung bei der Hausärztin oder beim Hausarzt Klarheit verschaffen. 

Blutzucker zu hoch – ab wann wird es gefährlich?

Ein entgleister Blutzuckerspiegel kann lebensgefährlich werden. Wenn der Blutzuckerwert über 240 mg/dl ansteigt, sollte zusätzlich der Ketonspiegel mittels Urin-Teststreifen überprüft werden. Produziert der Körper zu wenig Insulin, werden Fette zu Ketonen abgebaut. Eine solche Ketoazidose kann gefährlich werden, denn sie kann zu einem diabetischen Koma führen. Das ist eine der gefürchteten Komplikationen des Diabetes, vor allem bei Diabetes vom Typ 1.

Folgende Symptome weisen zudem darauf hin

Zu Beginn:

  • Auffallender Durst oder trockener Mund
  • Häufiges Wasserlassen

Später:

  • Große Müdigkeit
  • Atemprobleme
  • Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen
  • Atemgeruch nach Azeton (wie überreifes Obst oder Nagellackentferner)
  • Verwirrtheitsgefühl

In einem solchen Fall sollten Sie umgehend medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Erhöhter Blutzucker: Das können Sie tun

Bei Menschen, die unter Diabetes Typ 1 leiden, werden die Insulinzellen der Bauchspeicheldrüse durch eine Autoimmunreaktion nach und nach zerstört. Die Betroffenen müssen ein Leben lang Insulin spritzen. Bei Diabetes-2-Erkrankten sind die Probleme hausgemacht. Eine jahrelange falsche Ernährung mit viel Zucker und leicht verwertbaren Kohlehydraten gepaart mit Bewegungsmangel führt auf Dauer dazu, dass die Bauchspeicheldrüse nach Jahren im Dauerbetrieb irgendwann erschöpft ist und weniger Insulin bereitstellt. Zudem wird der Organismus der Menschen mit dem „Wohlstandssyndrom“ zunehmend insulinresistenter. Das führt dazu, dass die Zellen die Glukose nicht mehr so gut aufnehmen können.

Wer rechtzeitig gegensteuert und seinen Lebensstil verändert, kann den Prozess umkehren. Gezielte Ernährung und mehr Bewegung sowie Gewichtsabnahme sind die besten Maßnahmen, die Betroffene ergreifen können.

Achten Sie auf:

  • Eine vollwertige Ernährung mit viel Gemüse, Eiweiß, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten
  • Essenspausen, in denen Fettverbrennung stattfinden kann
  • Viel Bewegung, die hilft den Grundumsatz zu erhöhen

Vermeiden Sie:

  • Fast Food und Lightprodukte mit ihren versteckten Zuckern
  • Alkohol, der die Fettverbrennung hemmt und viele Kalorien enthält

Blutzucker schnell senken: Diese Hausmittel und Tipps können unterstützen

Besonders bei Vorstufen des Diabetes, bei dem noch kein Insulin gespritzt werden muss, können Hausmittel unterstützen, den Blutzucker wieder schnell zu normalisieren. Ein schneller Spaziergang und das Trinken von viel stillem Wasser sind gute erste Maßnahmen.

Außerdem sollten Sie:

  • Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index, die nicht sofort in Zucker umgewandelt werden, verzehren. Gemüse, Eiweiße und Vollkornprodukte zählen dazu
  • ungesättigte Fette vermeiden und zu mehrfach gesättigten greifen wie in Soja oder Fisch
  • mit Gewürzen wie Zimt würzen, der zu den effektivsten Blutzuckersenkern zählt
  • mehr Äpfel essen, denn das enthaltene Pektin sorgt dafür, dass in Lebensmittel enthaltener Zucker langsamer aufgenommen wird
  • ausreichend die Spurenelemente Zink und Chrom aufnehmen, denn diese gelten ebenfalls als glukosesenkend

Ein erhöhter Blutzucker kann ernsthafte Folgen wie Augenerkrankungen, Nervenschädigungen an Beinen und Füßen und eine erhöhte Neigung zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen nach sich ziehen. Wenn ein zu hoher Blutzucker erstmals auftritt, aber auch bei einem Prädiabetes oder Diabetes Typ 2 kann man durch eine Umstellung des Lebensstils viel tun, um eine Überzuckerung zu vermeiden.

Quellen:

Mein Zuckder ist zu hoch - was nun?, in: menschen-mit-diabetes.de

Hoher Blutzucker hat nur selten eine andere Ursache als Diabetes, in: aerztezeitung.de