Zopiclon bei Schlafstörungen

Dr. med. Dierk Heimann

Meine Patientin sieht blass aus. Sie hat dunkle Ringe unter den Augen. Seit vier Tagen findet sie keinen Schlaf. Je näher ihre Meisterprüfung rückt, desto unruhiger wird sie. Mittlerweile kann sie sich kaum noch konzentrieren, das Lernen fällt ihr schwer. Und obwohl sie tagsüber müde und erschöpft ist, findet sie abends nicht in den Schlaf. 

Inhalt
  1. Schlafstörungen 
  2. Wie werden Schlafstörungen behandelt?  
  3. Zopiclon bei Schlafstörungen
  4. Zopiclon bei Schlafstörungen: was muss ich beachten? 
 

Schlafstörungen 

Fasst man alle Schlafstörungen zusammen, so schätzt das Robert-Koch-Institut, dass etwa jeder Dritte Deutsche schlecht ein- oder durchschläft. Viele leiden zudem unter wenig erholsamem Schlaf. Die Gründe sind zahlreich: unbewältigter Stress, eine unruhige Umgebung, Erkrankungen wie Depressionen oder eine Überfunktion der Schilddrüse und viele weitere mehr. 

 

Wie werden Schlafstörungen behandelt?  

Das Wichtigste ist, erst einmal wieder zur Ruhe zu kommen. Erst danach kann man sich auf die Suche nach den Ursachen begeben, um langfristig gute Strategien entwickeln zu können, die helfen, künftig besser zu schlafen. Diesen ersten Schritt können Schlafmittel erleichtern. Allerdings sollten sie generell nur kurz, am besten für zehn Tage oder weniger eingesetzt werden, ganz egal, wie modern die Substanzen sind. Nebenwirkungen und Abhängigkeit drohen immer!

 

Zopiclon als wirksames Schlafmittel bei Schlafstörungen

Meine Patientin hat noch nie zuvor Schlafmittel genommen. Ich entscheide mich bei ihrer akuten Problematik für eine ‚Z‘-Substanz – so lauten der Anfangsbuchstabe der Substanzen Zopiclon, Zolpidem und Zaleplon. Ich setze meist das Zopiclon ein, weil es sehr schnell und zuverlässig wirkt: Schon nach einer Stunde ist die maximale Wirkstoffkonzentration im Blut erreicht. Zwar sind alle diese Substanzen mit den Wirkstoffen des bekannten Valiums entfernt verwandt, doch sie weisen deutlich weniger Nebenwirkungen auf. Ein Erwachsener sollte vor dem Schlafengehen 7,5 Milligramm einnehmen. Bei älteren oder geschwächten Personen, bei Nieren- oder Leberproblemen empfiehlt sich die Hälfte. Ich beginne aber immer mit 3,75 Milligramm, weil das oft ausreicht.

Wenn wir zu wenig Schlaf bekommen, sind wir dehydriert – und das macht uns zusätzlich müde und schlapp
Krankheiten & Behandlung Schlafstörung

 

Zopiclon bei Schlafstörungen: was muss ich beachten? 

  • Abhängigkeit: Substanzen wie das Zopiclon können bis zu vier Wochen am Stück genommen werden – zumindest lautet so die offizielle Empfehlung. Für diese Dauer übernehmen auch die Krankenkassen die Kosten. Dennoch bemühe ich mich meist darum, nach zehn Tagen eine andere Lösung zu finden, weil mir das Risiko einer Abhängigkeit zu hoch ist – mit meinem Patienten spreche ich ganz offen darüber. Ich kläre sie auch darüber auf, dass das Medikament nur etwa fünf Stunden lang wirkt. Dadurch besteht die Gefahr, dass weitere Tabletten eingenommen werden, wodurch das Risiko der Überdorsierung von unerwünschten Nebenwirkungen steigt – wie Störungen des Gleichgewichtssinns und Einschränkungen der Muskelsteuerung.  
  • schleichendes Absetzen: Gleichzeitig warne ich meine Patientin davor, das Medikament zu abrupt abzusetzen. Denn ich beobachte immer wieder einen sogenannten Rebound – das bedeutet: Wurde das Zopiclon einige Tage genommen und wird es dann abrupt abgesetzt, sind die Schlafstörungen in den folgenden Nächten oft umso schlimmer. Deshalb mein Tipp: Langsam ausschleichen                        
  • Alkohol: Opiate und Alkohol dämpfen das zentrale Nervensystem – beide Stoffe mit dem Zopiclon zu kombinieren, kann lebensgefährlich werden – auch schon bei geringen Mengen! Noch dazu gilt die Gefahr der Abhängigkeit bei Alkoholikern als erhöht.

 

Schlafwandeln und Zopiclon

Wer schlafwandelt, sollte kein Zopiclon gegen seine Schlafstörungen zu sich nehmen. Aus den USA gibt es bereits einige Fälle, in denen Schlafwandelnde unter Einfluss des Zopiclons sowohl sich auch als andere gefährdet haben. Sprechen Sie Ihren Arzt in jedem Falle darauf an.


 

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