Zika-Virus: Das sind die Fakten!

Rasmus Cloes

Das Zika-Virus löst in Latein- und Südamerika möglicherweise schwere Geburtsschäden aus. Ärzte warnen Schwangere davor, in die betroffenen Länder zu reisen. Urlauber bringen Zika jetzt auch vereinzelt nach Europa. Die WHO hat einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

 

Update 29.06.2016: Zwei Impfstoffe gegen Zika zeigen Wirkung

Während Zika immer noch in über 40 Ländern auf dem Vormarsch ist, dauert die Suche nach einem zuverlässigen Impfstoff an. Die Hoffnung, einen Impfstoff aus dem mit Zika verwandten Denguefieber-Erreger zu gewinnen, konnte sich bisher nicht vollständig erfüllen (PraxisVITA berichtete).

Zwei neue entwickelte Impfstoffe könnten nun endlich den langersehnten Durchbruch bringen. Laut dem renommierten Fachmagazin Nature ist es dem Team um Rafael Larocca von der Harvard University gelungen, zwei Impfstoffe zu entwickeln, die im Tierversuch mit Mäuse hundertprozentige Wirksamkeit bewiesen. Der erste Impfstoff-Kandidat wurde aus deaktivierten Zika-Viren aus Puerto Rico entwickelt. Wie auch bei anderen Schutzimpfungen gegen Viren-Erkrankungen (zum Beispiel Gelbfieber), stimuliert der deaktivierte Virus die körpereigene Immunabwehr ohne dass eine tatsächliche Infektion stattfindet. Für den zweiten Impfstoff wurden Zika-Viren genetisch verändert. Die Forscher entfernten dazu Gene aus der Hülle und der Membran des Virus. Diese DNA-Bestandteile bauten sie in ringförmige DNA-Moleküle ein (Plasmide). Das Immunsystem der mit diesen Molekülen geimpften Mäuse reagierte daraufhin mit einer Abwehrreaktion. Auch einige Grippe-Impfungen wirken nach diesem Prinzip.

„Wir konnten zeigen, dass schon eine einzige Immunisierung mit einer DNA-Vakzine oder einem abgetöteten Erreger bei Mäusen einen vollständigen Schutz vor einer Zika-Infektion liefert“. Im nächsten Schritt sollen die Impfstoffe auch an Menschen getestet werden. Die Forscher sind zuversichtlich: „Unsere Erkenntnisse legen nahe, dass ein Impfstoff gegen Zika für Menschen in Kürze bereitstehen könnte.“

 

Update 13.06.2016: Zika-Ausbrüche auch in Südeuropa wahrscheinlich

Schwedische Wissenschaftler haben errechnet, dass auch in Europa diesen Sommer erhöhtes Zika-Risiko besteht. Die Forscher um Joacim Rocklöv von der Universität Umeå kombinierten Daten zur Einreise von Flugpassagieren aus Zika-Gebieten mit Klimadaten und Daten zum Vorkommen von Aedes-Mücken. Sie fanden heraus, dass besonders die Länder entlang des Mittelmeeres wie Spanien, Frankreich, Italien und der Balkan gefährdet sind. „Die Präsenz von etablierten Aedes-Populationen, das warme Klima und der im Sommer besonders hohe Einstrom von Flugreisenden nach Europa sind eine Dreierkombination, die Südeuropa zu einem fruchtbaren Boden für das Zika-Virus machen“, erklärt Rocklöv. Seinen Berechnungen zufolge, ist in Europa die Gefahr im Juli und August besonders hoch.

Karte Zika-Verbreitung
Die rot markierten Gebiete haben ein besonders hohes Risiko für Zika-Ausbrüche © EBioMedicine

In Deutschland haben unlängst Biologen vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) darum gebeten, getötete Stechmücken einzuschicken. Die Forscher wollen im Mückenatlas des Leibniz-Zentrums Verbreitungsgebiete und neue eingeschleppte Arten dokumentieren. Da auch in Deutschland in diesem Sommer ein warmes, feuchtes Klima herrscht, schließen die Forscher einzelne Zika-Ausbrüche in Süddeutschland nicht aus.

 

Update 31.05.2016:  Wo droht die nächste Zika-Welle?

Wissenschaftler der Universität von Tokio haben ein Vorhersage-Modell für die weitere Ausbreitung des Zika-Virus entwickelt. Mit Hilfe des Modells lässt sich ermitteln, welche Länder ein besonders großes Einschleppungsrisiko haben. Verschiedene Faktoren werden bei der Berechnung berücksichtigt. Etwa der Zeitpunkt des ersten Zika-Falls in einem Land, aus welchem Ausgangsland das Virus eingeschleppt wurde und wieviele Flugverbindungen in dieses Land führen.  Zusammen mit Daten zum Vorkommen der Aedes-Mücke lässt sich errechnen, wie groß das Risiko für eine Einschleppung des Virus in dem untersuchten Land ist. Das Modell zeigt, dass sich das Zika-Virus nicht nur subtropische Länder aussucht. Deutschlands Nachbarländer Frankreich und die Niederlande haben nach dem Vorhersage-Modell ein 40-prozentiges Einschleppungsrisiko, das gleiche gilt überraschenderweise für das eher kühl gelegene Großbritannien. Südeuropäische Länder haben ein besonders hohes Risiko für eine Zika-Ausbreitung. Hier prognostiziert das Modell eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit. 

 

Update 13.05.2016: Erste sexuelle Übertragung von Zika-Virus in Deutschland

Eine Frau hat sich in Deutschland beim Geschlechtsverkehr mit dem Zika-Virus angesteckt. Das teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag in Berlin mit. Betroffen ist demnach ein Paar, das ungeschützten Sex hatte. Der Mann hatte sich vermutlich im April in Puerto Rico mit Zika angesteckt. Nach seiner Rückkehr übertrug er das Virus auf seine Partnerin, die daraufhin ebenfalls erkrankte. Weitere Angaben folgen.

 

Update 25.04.2016: So schädigt Zika das Gehirn

Mithilfe im Labor hergestellter „Minihirne“ haben US-Forscher die Prozesse untersucht, die bei der Zika-Infektion eines ungeborenen Kindes im Gehirn ablaufen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht. Die stecknadelkopfgroßen Modellgehirne ermöglichten es den Wissenschaftlern der Johns Hopkins University in Baltimore, die Auswirkungen einer Infektion in verschiedenen Stadien der Schwangerschaft zu imitieren. Dabei zeigte sich: Das Virus attackiert hauptsächlich die Stammzellen des Gehirns – Zellen, die sich beim gesunden Ungeborenen später zu Hirngewebe entwickeln würden. Bei infizierten Kindern fungieren diese Zellen stattdessen als „Virus-Fabriken“, die dem Virus dazu dienen, sich zu vermehren. Die Folge: Das Gehirn bleibt unterentwickelt. Je früher in der Schwangerschaft die Infektion erfolgte, desto gravierender waren die beobachteten Effekte – das erklärt sich damit, dass das Gehirn in späteren Stadien der Schwangerschaft vor der Infektion bereits mehr Zeit hatte, sich normal zu entwickeln. Wie sich eine Zika-Infektion zum Zeitpunkt der Zeugung auf die Entwicklung des Babys auswirkt, wurde in der Studie nicht untersucht.

 

Update 13.04.2016: Zika und Mikrozephalie – Zusammenhang gilt als bewiesen

Nach Monaten vieler Untersuchungen und Debatten scheint es jetzt festzustehen: Eine Infektion mit dem Zika-Virus in der Schwangerschaft kann tatsächlich eine Mikrozephalie (Schädelfehlbildung) beim ungeborenen Kind auslösen. Dr. Tom Frieden, Direktor der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) sagte auf einer Pressekonferenz: „Es gibt keinen Zweifel daran, dass Zika Mikrozephalie auslöst.“

Baby mit Mikroenzephalie
Der Verdacht, dass das Zika-Virus bei Ungeborenen eine sogenannte Mikroenzephalie auslösen kann, verhärtet sich immer mehr© gettyimages

Ausschlaggebend für diese Schlussfolgerung waren zahlreiche Studien, die zum Großteil in Brasilien durchgeführt wurden, das von Zika besonders stark betroffen ist. Die Ergebnisse der Auswertung des bisherigen Studienmaterials veröffentlichten die CDC-Experten in dem Fachmagazin „The New England Journal of Medicine“.

 

Update 11.04.2016: Zika mit weiterer Krankheit assoziiert

Neue Forschungsergebnisse brasilianischer Wissenschaftler bringen das Zika-Virus mit einer weiteren Erkrankung in Verbindung, der sogenannten Akuten Disseminierten Enzephalomyelitis (ADEM). Dabei handelt es sich um eine Entzündung des Zentralnervensystems. Die Symptome ähneln denen von Multipler Sklerose (z.B. Lähmungen und Sprachstörungen), weshalb die Abgrenzung zunächst häufig schwierig ist. Doch anders als die Multiple Sklerose verläuft die ADEM nicht in Schüben und ist in den meisten Fällen mit Medikamenten vollständig heilbar.

Die neuen Studienergebnisse werden am Freitag auf dem jährlichen Kongress der American Academy of Neuroloy in Vancouver vorgestellt. Dr. Maria Lucia Brito, Neurologin am Restoration Hospital im brasilianischen Recife, und ihre Kollegen werteten die Daten von 151 Patienten aus, die das Krankenhaus zwischen Dezember 2014 und Juni 2015 aufgesucht hatten. Alle waren mit Arboviren infiziert – zu dieser Virenfamilie gehören neben Zika auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus.

Von den 151 Patienten entwickelten sechs Symptome, die auf eine Autoimmunstörung hinwiesen. Alle sechs waren mit Zika infiziert. Bei vier von ihnen wurde das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) diagnostiziert, bei den restlichen beiden ADEM. Obwohl damit noch kein Zusammenhang zwischen Zika und ADEM bewiesen werden konnte, raten Dr. Brito und ihr Team anderen Ärzten, eine mögliche Verbindung im Auge zu behalten und bei der Diagnosestellung zu bedenken.

 

Update 06.04.2016: Zika-Virus verändert sich

Das Zika-Virus steht im Zusammenhang für Mikrozephalien bei Kindern und mit dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) bei Erwachsenen. Nun steht es im Verdacht, auch andere Krankheiten auszulösen.

Französiche Neurologen dokumentierten den Fall eines 15-jährigen Mädchens, das sich auf der Französischen Karibikinsel Guadeloupe mit dem Zika-Virus infiziert hatte und anschließend eine akute Entzündung des Rücken- oder Knochenmarks (Myelitis) entwickelte.

Für Aufsehen sorgte auch der Fall eines 81-jährigen Mannes, der sich auf einer vierwöchigen Kreuzfahrt mit dem Zika-Virus angesteckt hatte. Nachdem der Mann hohes Fieber bekam, diagnostizierten die Ärzte eine Meningoenzephalitis. Eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute.

Kürzlich dokumentierte die WHO 32 Fälle von Enzephalitis, Meningitis und Myelitis nach einer Zika-Infektion bei Erwachsenen. "Das Virus hat sich an seine Gegebenheiten angepasst und verändert sich", sagt Mary Kay Kindhauser von der WHO. Die neuen Fälle unterstreichen nur, wie wichtig es sei, sich mit Zika zu beschäftigen und eine Übertragung des Virus durch die Aedes Mücke zu verhindern.

 

Update 18.03.2016: Impfstoff in Aussicht?

Eine kleine Studie gibt jetzt Hoffnung auf die baldige Entwicklung eines Zika-Impfstoffes. US-Wissenschaftler testeten eine Schutzimpfung gegen das dem Zika-Virus ähnliche Dengue-Fieber an 21 Probanden, 20 Teilnehmer einer Kontrollgruppe erhielten ein Placebo. Sechs Monate nach der Impfung wurden alle Probanden Dengue-2 – einem von vier Dengue-Strängen – ausgesetzt. Zuvor wurde das Virus so verändert, dass es keine starken Symptome auslöst, aber dennoch im Blut nachzuweisen ist.

Das Ergebnis: Während alle Empfänger des neuen Impfstoffes geschützt waren, konnte bei allen Teilnehmern der Placebogruppe eine Infektion nachgewiesen werden. Bestätigen sich die guten Ergbenisse in größeren Studien, könnte der Impfstoff laut Angaben der Forscher 2018 zugelassen werden. Aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Viren erhoffen sich die Wissenschaftler außerdem, auch einem Zika-Impfstoff einen Schritt nähergekommen zu sein.

 

Update 16.03.2016: Risiko für Fehlbildungen errechnet

In einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie errechneten Wissenschaftler erstmals das potenzielle Risiko für Frauen, dass ihr Kind im Falle einer Zika-Infektion mit einer Mikrozephalie (Fehlbildung des Kopfes) zur Welt kommt. Die Forscher am Institut Pasteur in Paris erstellten ihre Schätzung auf der Grundlage von Daten, die während des Zika-Ausbruchs in Französich-Polynesien 2013 bis 2014 erfasst wurden. Dabei kamen sie zu folgendem Ergebnis: Bei 95 von 10.000 – oder rund einem von 100 – Babys kommt es zu einer Mikrozephalie, wenn die Mutter sich im ersten Schwangerschafts-Trimester mit Zika infiziert hat.

Ein Problem bei der Zika-Diagnose: Das Virus kann nur im akuten Krankheitsfall im Blut nachgewiesen werden. Ist die Krankheit überstanden, geben nur die vom Immunsystem gebildeten Antikörper einen Hinweis auf die Erkrankung – und diese ähneln stark denen des Dengue-Fiebers, das in Brasilien ebenfalls weit verbreitet ist.

Selbst, wenn die Diagnose früh gestellt wird, gibt es für Schwangere keine Möglichkeit, das Risiko einer Fehlbildung zu verringern – denn gegen Zika gibt es bisher keine Therapie.

 

Update 07.03.2016: Studien belegen Zusammenhang

Zwei neue Forschungsarbeiten liefern jetzt neue Indizien für einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und Fehlbildungen bei Neugeborenen. In einer kleinen Studie begleiteten Forscher 42 schwangere Frauen – bei allen war eine Infektion mit dem Zika-Virus nachgewiesen worden. Ultraschalluntersuchungen ergaben bei knapp einem Drittel (29 Prozent) der ungeborenen Babys Auffälligkeiten, darunter sogenannte Mikrozephalien, bei denen die Kinder mit einem zu kleinen Kopf und Hirnschäden geboren werden, und andere Fehlbildungen des Gehirns oder der Wirbelsäule. Zwei der Babys starben im Studienzeitraum. In der Kontrollgruppe mit nicht infizierten Frauen traten keine dieser Auffälligkeiten auf.

Eine weitere Studie widmete sich der Auswirkung des Zika-Virus auf das sich in der Entwicklung befindende Gehirn ungeborener Kinder. Im Labor setzten US-Forscher Vorstufen menschlicher Gehirnzellen den Viren aus. Diese drangen in die Zellen ein und vermehrten sich darin. Dabei zerstörten sie einige Zellen und hinderten andere daran, sich zu teilen. Die Viren griffen besonders stark solche Vorläuferzellen an, die sich später zu Bestandteilen der Hirnrinde entwickelt hätten – dem Teil des Gehirns, in dem bei Kindern mit Mikrozephalien Abnormitäten festgestellt wurden.

Eine dritte Studie lieferte derweil weitere Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Zika und dem sogenannten Guillain-Barré-Syndrom (GBS), bei dem Lähmungen unterschiedlicher Stärke auftreten, bis hin zu lebensbedrohlichen Lähmungen der Schluck- und Atemmuskulatur. Forscher untersuchten alle 42 Fälle der Erkrankung, die während eines Zika-Ausbruchs in Französich-Polynesien 2013 bis 2014 auftraten. Sie stellten fest: Alle an GBS Erkrankten waren auch mit dem Zika-Virus infiziert. Die WHO bezeichnet diese Studie als den bisher stärksten Hinweis auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Zika und GBS. Allerdings erkranken laut Hochrechnungen der Forscher nur 24 von 100.000 Zika-Infizierten an GBS.

 

Update 05.02.2016: Zweifel an der Datenlage

In den letzten Tagen wird immer mehr Kritik an der Datenlage zum Zusammenhang zwischen Zika-Virus und Mikrozephalien laut. So scheinen von der brasilianischen Regierung gemeldete Zahlen zu Verdachtsfällen von Mikrozephalie deutlich zu hoch ausgefallen zu sein. Demnach wurden von 4.783 Verdachtsfällen bisher nur 404 bestätigt, in 709 Fällen konnte eine Mikrozephalie ausgeschlossen werden. Nur bei 17 der Babys gab es tatsächlich einen Nachweis, dass sich die Mutter in der Schwangerschaft mit Zika infiziert hatte.

Das große Problem bei der Nachverfolgung solcher Fälle: Das Virus lässt sich nur im akuten Krankheitsfall im Blut nachweisen. Ist die Erkrankung überstanden, dienen nur die vom Immunsystem gebildeten Antikörper als Hinweis – und diese ähneln denen des in Brasilien häufig vorkommenden Dengue-Fiebers stark, was eine Unterscheidung schwierig macht.

Die konfuse Datenlage verunsichert derzeit Verantwortliche und Betroffene – auch WHO-Experten betonen, dass weitere ausführliche Untersuchungen notwendig sind, bevor ein Zusammenhang zwischen dem Virus und der Mikrozephalie eindeutig bewiesen werden kann. Mediziner halten ihn für wahrscheinlich – höchst fraglich ist allerdings noch, wie stark das Risiko der Fehlbildung durch Zika ansteigt.

 

Update 02.02.2016: Zika auch durch Sex übertragbar

Am 02.02. berichtet das Gesundheitsamt Dallas auf Twitter von einer Zika-Übertragung durch Sex
Am 02.02. berichtet das Gesundheitsamt Dallas auf Twitter von einer Zika-Übertragung durch Sex© Screenshot: Twitter

Das Zika-Virus wird auch durch Sex übertragen – das bestätigt die US-Seuchenschutzbehörde CDC. Zuvor hat Gesundheitsamt in Dallas von einem solchen Fall berichtet. Sie raten Schwangeren beim Sex ein Kondom zu benutzen, wenn sich ihr Partner zuvor in einer Risikoregion aufgehalten hat.

 

Update 01.02.16: WHO erklärt globalen Gesundheitsnotstand

Ein Notfall-Komitee der Weltgesundheitsorganisation WHO hat am 1. Februar auf die Zika-Pandemie mit einer besonderen Maßnahme reagiert und einen globalen Gesundheitsnotstand verkündet. Doch was bedeutet das überhaupt? Zunächst hat die Verkündung keine unmittelbaren Folgen. Die WHO kann jedoch, solange der Notstand besteht, Mitgliedsstaaten auffordern, bestimmte Maßnahmen umzusetzen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern – auch, wenn die Staaten nicht direkt betroffen sind.

 

Was ist das Zika-Virus?

Impfung gegen das Zika-Virus

Die Suche nach einem Impfschutz läuft zurzeit auf Hochtouren. Verantwortlich für die Impfstoff-Forschung sind Wissenschaftler der University of Texas. In Hochsicherheitslaboren analysieren sie Zika-Proben, die in Brasilien gesammelt wurden. Dr. Shannan Rossi, die an den Laborarbeiten beteiligt ist, erzählt gegenüber BBC, welche Fragen sie zurzeit beschäftigen: „Welche Tiere können infiziert werden, wie lang bleibt es (das Virus) im Menschen, sind spezifische Moskitos, die wir hier halten, Zika-positiv oder negativ? Jetzt stehen wir wirklich noch am Anfang.“

Dennoch glauben die Forscher, dass schon im nächsten Jahr Tests mit einem Impfstoff beginnen könnten. Doch die Freigabe für den Einsatz in der Bevölkerung wird wohl noch viel länger dauern – die Studienleiter rechnen mit zehn bis zwölf Jahren.

Das Zika-Virus wurde 1947 in Uganda entdeckt und tritt seit längerer Zeit in Afrika und Asien auf. Experten vermuten, dass Fußballfans es während der WM nach Brasilien einschleppten. Jetzt scheint es sich dort aufgrund fehlender Immunität bei der Bevölkerung rasant auszubreiten. Auch in folgenden anderen süd- und lateinamerikanischen Ländern wurden bereits Fälle gemeldet: El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Puerto Rico, Paraquay, Suriname und Venezuela. Im Dezember 2015 wurde das Virus bei zwei Deutschen nachgewiesen, die von einer Haiti-Reise zurückgekehrt waren.

Das Zika-Virus breitet sich durch Moskitos der Gattung Aedes (Aedes aegypti und Aedes albopictus) aus, die tag- und dämmerungsaktiv sind. Ist ein Mensch infiziert, beginnt ein Übertragungskreislauf zwischen Mensch und Tier: Die Mücken stecken sich bei dem Menschen an und infizieren den nächsten Menschen, den sie stechen. Auch eine sexuelle Übertragung von Mensch zu Mensch halten Experten für möglich.

Typische Zika-Symptome sind Bindehautentzündung, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie ein fleckiger Hautausschlag. Allerdings verläuft die Erkrankung in vielen Fällen auch symptomlos.

 

Fehlbildungen durch das Zika-Virus

Seit die Krankheitsfälle in Brasilien Anfang 2015 anstiegen, kam es in dem Land immer häufiger zu einer bestimmten Fehlbildung bei Säuglingen, der sogenannten Mikrozephalie. Betroffene Neugeborene haben einen deutlich kleinen Kopf als andere Babys – und damit auch ein kleineres Gehirn. Je nach Ausprägung der Fehlbildung sind geistige Behinderungen unterschiedlicher Stärke die Folge. Zu den klassischen Ursachen einer Mikrozephalie gehören Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft, beispielsweise mit Röteln, sowie genetische Defekte und Alkoholkonsum in der Schwangerschaft.

Eine Frau hält ein Baby mit Mikroenzephalie auf dem Arm
Seit der Ausbreitung des Zika-Virus in Brasilien kam es dort vermehrt zu sogenannten Mikroenzephalien bei Neugeboreren – bei dieser Fehlbildung des Kopfes ist auch die geistige Entwicklung verzögert© gettyimages

Aufgrund des gleichzeitigen Anstiegs von Zika-Fällen und Mikrozephalien in Brasilien vermuten Mediziner einen Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen, Beweise gibt es für diese Vermutung jedoch noch nicht. So könnten auch gleichzeitig zirkulierende Erreger oder Medikamente Auslöser der Fehlbildungen sein. Die Fehlbildungen kamen vor allem in den Regionen Brasiliens vor, die denen sich Zika am stärksten ausgebreitet hatte (im Nordosten des Landes).

 

Schwangere sollten Risikoländer meiden

Auch in Französisch Polynesien kam es nach einer Ausbreitung des Zika-Virus vermehrt zu Mikrozephalien. Besonders gefährdet sind demnach Kinder von Müttern, die sich im ersten oder zweiten Trimester der Schwangerschaft infizieren.

Aufgrund der aktuellen Situation warnt das „Centrum für Reisemedizin“ Schwangere davor, in betroffene Länder zu reisen, da sie sich dort anstecken und ihr Ungeborenes einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen aussetzen könnten.

 

Wie gefährdet ist Deutschland?

Da die Asiatische Tigermücke, eine Unterart der Aedes-Mücke (Aedes albopictus) auch in Südeuropa, teilweise auch in Süddeutschland vorkommt, ist eine Ausbreitung hierzulande theoretisch auch möglich. Dazu müssten infizierte Reiserückkehrer aus betroffenen Regionen von der Asiatischen Tigermücke gestochen werden – diese könnte das Virus wiederum auf andere Menschen übertragen.

Bisher gibt es weder eine wirksame Impfung noch eine erfolgversprechende Therapie, darum ist die einzige Möglichkeit, Schwangere und Ungeborene zu schützen, die Vermeidung von Mückenstichen (beispielsweise durch lange Kleidung und Mückenschutznetze).

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.