Zeugen Raucher asthmatische Kinder?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin

Kinder, die mit Zigarettenrauch in Kontakt kommen, haben ein erhöhtes Asthma-Risiko. Eine Studie aus Norwegen zeigt: Offenbar spielen rauchende Väter dabei eine größere Rolle, als bisher angenommen.

Kind mit Asthma
Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern © alamy

Schon lange ist bekannt, dass der Lebensstil der Eltern großen Einfluss auf die Gesundheit der Kinder hat. Und zwar während der Kindheit, aber auch schon vor der Geburt – sogar vor der Zeugung. Bisher stand dabei immer der Lebensstil der Mutter im Fokus. So ist bekannt, dass Stress, schlechte Ernährung sowie der Konsum von Alkohol und Zigaretten der Entwicklung des Kindes direkt schaden können.  Hinweise darauf, dass auch gesundheitsschädigendes Verhalten des Vaters die Nachkommen eines Paares beeinflussen kann, verdichten sich inzwischen zunehmend. Schädlichstes Verhalten ist dabei anscheinend das Rauchen.

 

Kinder von rauchenden Vätern haben dreimal so hohes Asthma-Risiko

Forscher aus Norwegen haben in einer umfangreichen Meta-Analyse die Daten von 24.000 Kindern und deren Eltern untersucht. Dr. Cecilie Svanes vom Zentrum für internationale Gesundheit in Bergen und ihr Team machten dabei eine überraschende Entdeckung: Kinder von rauchenden Vätern litten mehr als dreimal so häufig an Asthma, wie Kinder von Nichtrauchern. Und das auch, wenn die Väter bereits bis zu fünf Jahre vor der Zeugung mit dem Rauchen aufgehört hatten. Je länger die Väter zum Glimmstängel griffen und je früher sie damit begonnen hatten, desto höher war das Risiko für eine Asthma-Erkrankung ihrer Kinder. Überraschenderweise zeigte die Studie keinen Einfluss auf das Asthmarisiko des Kindes, wenn die Mütter zuvor geraucht hatten.

 

Rauchen verursacht epigenetische Schäden

Die Forscher gehen davon aus, dass das Rauchen bei den Vätern epigenetische Schäden verursacht und diese über die Spermien an den Nachwuchs weitergegeben werden. Das bedeutet, dass durch äußere Faktoren – in diesem Fall das Rauchen – Mechanismen geändert werden, die zu einem stärkeren oder schwächeren Ablesen bestimmter Gene führen. Dabei wird zwar die Aktivität eines Gens, aber nicht deren Erbinformation an sich geändert.

Svanes plädiert aufgrund der Ergebnisse ihres Teams für eine bessere Aufklärung unter Männern, welchen Einfluss das Rauchen für späteren Nachwuchs haben kann: „Politische Entscheidungsträger sollten sich bei Interventionen auch auf junge Männer konzentrieren und diese vor den Gefahren des Rauchens speziell für deren ungeborene Kinder warnen“.

Hamburg, 3. Oktober 2016

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.