Zahnwurzelentzündung – was ist das?

Redaktion PraxisVITA

Eine Zahnwurzelentzündung bedeutet, dass sich das Zahnmark im Inneren des Zahnes entzündet hat. Meist ist Karies der Auslöser dafür. Ohne Behandlung breitet sich die Zahnwurzelentzündung immer mehr aus. Im schlimmsten Fall verliert der Patient den betroffenen Zahn. Eine gute Mundhygiene und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt können einer Zahnwurzelentzündung vorbeugen.

Junger Mann putzt sich die Zähne und hat Schmerzen wegen Zahnwurzelentzündung
Starke Zahnschmerzen können auf eine Zahnwurzelentzündung hinweisen Foto:  shironosov/iStock
Inhalt
  1. Was ist eine Zahnwurzelentzündung?
  2. So entsteht eine Zahnwurzelentzündung
  3. Wie äußert sich eine Zahnwurzelentzündung?
  4. Wie gefährlich ist eine Zahnwurzelentzündung?
  5. Das kann man selbst tun
  6. Ursachen
  7. Symptome
  8. Diagnose
  9. Behandlung
  10. Wie sind die Heilungsaussichten?
  11. Vorbeugung
 

Was ist eine Zahnwurzelentzündung?

Wer von einer Zahnwurzelentzündung spricht, meint eigentliche eine Zahnmarksentzündung. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet auch Pulpitis. Manchmal verwenden Mediziner auch die Ausdrücke „Wurzelkanalentzündung“ und „Wurzelspitzenentzündung“.

 

So entsteht eine Zahnwurzelentzündung

Jeder Zahn besteht aus unterschiedlichen Schichten: dem äußeren, sehr harten Zahnschmelz, dem Zahnbein (Dentin) und dem Zahnmark (Pulpa). Das Zahnmark ist von feinen Nerven und Blutgefäßen durchzogen, die im Zahninneren durch die Wurzelkanäle bis zur Wurzelspitze verlaufen. Gelangen Bakterien durch die einzelnen Zahnschichten bis ins Zahnmark vor, entzündet sich das Zahnmark.

Querschnitt eines Zahns
Der Zahn besteht aus mehreren Schichten  Foto:  wildpixel/iStock
 

Wie äußert sich eine Zahnwurzelentzündung?

Typisches Anzeichen für eine Zahnwurzelentzündung sind Schmerzen, die zuerst vor allem durch äußere Reize wie Kälte oder Wärme auftreten, später schließlich dauernd vorhanden sind. Auch Zahnfleischbluten, freiliegende Zahnhälse und Mundgeruch können auf eine Zahnwurzelentzündung hinweisen. Mitunter schwillt auch die Backe an. Hören die Schmerzen plötzlich auf, ist das meist kein gutes Zeichen: Der Zahn ist dann durch die Entzündung oft so geschädigt, dass die Nerven abgestorben sind.

Auslöser sind häufig Kariesbakterien

In den meisten Fällen sind Kariesbakterien die Verursacher für eine Zahnwurzelentzündung. Auch eine Entzündung des Zahnhalteapparates, eine sogenannte Parodontitis, kann der Auslöser sein. Manchmal entsteht eine Zahnwurzelentzündung auch nach einer Verletzung oder Zahnbehandlung, durch nächtliches Zähneknirschen oder durch Weisheitszähne, die schief durchbrechen und die Nachbarzähne reizen.

 

Wie gefährlich ist eine Zahnwurzelentzündung?

Ohne Behandlung kann die Zahnwurzelentzündung sich ungehindert ausbreiten. Dadurch kann sich der betroffene Zahn lockern oder auch ganz ausfallen. Gelangen Krankheitskeime über den entzündeten Zahn in die Blutbahn, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung, einer sogenannten Sepsis, führen. Das passiert aber nur in sehr seltenen Fällen.

 

Das kann man selbst tun

Einer Zahnwurzelentzündung kann man am besten vorbeugen, indem man auf eine gute Kariesvorsorge achtet. Wichtig dafür sind:

  • gute Mundhygiene (regelmäßig Zähneputzen, auch Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten verwenden)
  • regelmäßiger Zahnarztbesuch (mindestens einmal, besser zweimal im Jahr)
  • professionelle Zahnreinigung (vor allem bei Zahnproblemen)
  • zahngesunde Ernährung (wenig Zucker, zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten vermeiden)

Harvard-Forschern gelang es im Laborversuch mithilfe eines speziellen Low-Power-Lasers, Stammzellen im Zahnmark so zu stimulieren, dass sich zerstörter Zahnschmelz regenerierte
Service Können meine Zähne sich selbst heilen?

 

Ursachen: Zahnwurzelentzündung

Eine Zahnwurzelentzündung kann verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen sind Kariesbakterien der Auslöser. Aber auch Verletzungen, Zähneknirschen oder eine nicht ausreichend behandelte Entzündung des Zahnhalteapparates können manchmal zu einer Zahnwurzelentzündung führen.

Zahn-Bakterien können Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes und Co. fördern
Beauty Labyrinth Zahnschmerz – Wie unsere Zähne den gesamten Organismus beeinflussen

Karies

In den meisten Fällen sind Kariesbakterien die Auslöser für eine Zahnwurzelentzündung. Sie bilden zusammen mit Nahrungsresten und Bestandteilen des Speichels einen sogenannten Biofilm (Plaque) auf der Zahnoberfläche. Die Kariesbakterien in diesem Biofilm gewinnen ihre Energie zum Leben aus den Kohlehydraten in den Nahrungsmittelresten. Dabei wandeln sie vor allem Zucker in Säure um. Diese Säuren greifen den Zahnschmelz an, indem sie ihn entkalken. Entfernt man den Zahnbelag nicht regelmäßig oder nicht sorgfältig genug, wird der Zahnschmelz durchlässig und die Bakterien können über das Zahnbein bis ins Zahnmark und die Zahnwurzel ins Innere des Zahnes vordringen und ihn zerstören.

Verletzungen oder Reizungen

Seltenere Ursachen für eine Zahnwurzelentzündung sind Verletzungen. Zum Beispiel kann ein Schlag auf den Kiefer oder auch Zähneknirschen in der Nacht oft erst nach einiger Zeit zu einer Zahnwurzelentzündung führen. Auch wenn Weisheitszähne schief wachsen, können sie dadurch die Zahnwurzel der Nachbarzähne reizen. Mitunter können auch Zahnbehandlungen eine Zahnwurzelentzündung auslösen.

Parodontitis

Manchmal verursacht auch eine Entzündung des Zahnhalteapparates eine Zahnwurzelentzündung. Bei der sogenannten Parodontitis löst sich das Zahnfleisch vom Zahn und bildet Taschen. Darin siedeln sich Bakterien an. Mit der Zeit werden die Taschen tiefer und das Zahnfleisch zieht sich noch weiter zurück. Im schlimmsten Fall greift die Entzündung auf den Knochen über und zerstört ihn. Dadurch verliert der betroffene Zahn seinen Halt und lockert sich. Mitunter entzünden sich dabei auch die Zahnwurzel und das Zahnmark, eine Zahnwurzelentzündung entsteht. Dies passiert vor allem dann, wenn die Parodontitis nicht oder nicht ausreichend behandelt wird.

 

Symptome: Zahnwurzelentzündung

Typische Anzeichen für eine Zahnwurzelentzündung sind stechende oder pochende Schmerzen. Hören diese plötzlich auf, ist das ein Warnsignal. Denn dann sind die Schäden im betroffenen Zahn so groß, dass die Nerven abgestorben sind.

Zahnschmerzen

Typische Anzeichen für eine Zahnwurzelentzündung sind Schmerzen im Bereich des betroffenen Zahnes. Diese können stechenden, aber auch drückenden, pulsierenden oder pochenden Charakter haben. Zu Beginn einer Zahnwurzelentzündung lösen vor allem bestimmte äußere Reize wie Druck (z. B. beim Zusammenbeißen), Wärme oder Kälte (z. B. durch warme oder kalte Speisen und Getränke) den Schmerz aus. Im weiteren Verlauf tritt er auch unabhängig von äußeren Einflüssen auf. Dringt die Zahnwurzelentzündung bis ins Zahnmark vor, entsteht ein pochender Dauerschmerz, der auch auf andere Zähne im Gebiss oder ins Gesicht ausstrahlen kann. Auch Schwellungen im Bereich des Kiefers oder im Gesicht sind möglich.

Auch das Zahnfleisch ist betroffen

Breitet sich die Entzündung weiter aus, können auch Zahnfleischbeschwerden vorkommen. Es kommt zu Zahnfleischbluten (z. B. beim Zähneputzen), manchmal bildet sich das Zahnfleisch auch zurück. Mitunter entstehen Eiteransammlungen (Abszess) am Zahnfleisch und die betroffenen Personen haben einen unangenehmen Mundgeruch. Durch die Zahnwurzelentzündung kann sich der betroffene Zahn lockern.

Wenn der Schmerz plötzlich fehlt

Hören die Schmerzen bei einer Zahnwurzelentzündung plötzlich auf, ist das kein gutes Zeichen. Denn das kann ein Hinweis darauf sein, dass die Nervenenden in der Zahnwurzel durch die Entzündung so geschädigt sind, dass die Schmerzweiterleitung unterbrochen ist. Der Zahn gilt dann als „tot“.

 

Diagnose: Zahnwurzelentzündung

Um eine Zahnwurzelentzündung festzustellen, stehen dem Zahnarzt verschiedene Methoden zur Verfügung. Dabei ist es wichtig zu testen, ob der Zahn noch vital ist oder ob die Zahnnerven bereits abgestorben sind.

Nicht erst bei Schmerzen zum Zahnarzt

Ein regelmäßiger Zahnarztbesuch kann Zahnprobleme bereits im Frühstadium erkennen und durch die richtige Behandlung schwerwiegende Folgen verhindern. Zahnärzte empfehlen daher, ein- oder besser zweimal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Treten Zahnschmerzen auf, sollte man diese möglichst schnell abklären lassen.

Röntgenaufnahme eines Gebiss
Zahnwurzelentzündungen erkennt der Zahnarzt auch anhand der Röntgenaufnahmen Foto:  LukaTDB/iStock
 

Behandlung von Zahnwurzelentzündung

Die Behandlung bei einer Zahnwurzelentzündung richtet sich danach, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Durch eine Wurzelbehandlung oder Wurzelspitzenresektion kann man den Zahn oft noch erhalten. Erst wenn auch diese Verfahren nicht erfolgreich sind, muss der Zahnarzt den Zahn entfernen. Bei einer Zahnwurzelentzündung richtet sich die Art der Behandlung danach, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Wichtig ist es, entzündetes Gewebe und Krankheitserreger vollständig zu entfernen. Zudem verschließt der Zahnarzt den Wurzelkanal, sodass keine Bakterien mehr eindringen können. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass die Zahnwurzelentzündung erneut auftritt.

Wurzelkanalbehandlung

Als ersten Schritt der Behandlung wird der Zahnarzt eventuell vorhandene, von Karies befallene Stellen am Zahn entfernen sowie Zahn und Zahnfleisch gut reinigen. Dann bohrt er den betroffenen Zahn auf – Zahnärzte nennen das „trepanieren“ – und entfernt das entzündete Gewebe im Zahn. Als nächster Schritt kommt die Reinigung des Wurzelkanals. Dazu benutzt der Zahnarzt spezielle Instrumente. Die zusätzliche Spülung mit einer antibakteriellen Lösung tötet eventuell noch vorhandene Krankheitskeime ab.  Erst wenn der Wurzelkanal frei von Keimen ist, füllt der Zahnarzt den Hohlraum mit einer speziellen Wurzelfüllpaste. Mithilfe von Röntgenbildern, die bereits während der Behandlung angefertigt werden, kann der Zahnarzt den Eingriff kontrollieren. Da stark verästelte Wurzelkanäle die Reinigung und Füllung erschweren können, sind bisweilen auch mehrere Termine nötig. Manchmal kehrt die Zahnwurzelentzündung wieder, sodass eine erneute Wurzelkanalbehandlung nötig ist.

Wurzelspitzenresektion

Eine Wurzelspitzenresektion ist ein kleiner operativer Eingriff, bei der der Zahnarzt die Wurzelspitze des Zahnes entfernt. Dieses Verfahren ist nötig, wenn die Wurzelkanalbehandlung nicht ausreicht, um eine Zahnwurzelentzündung zu beseitigen. Manchmal ist eine Wurzelkanalbehandlung auch nicht möglich, zum Beispiel weil die Wurzelkanäle sehr stark verästelt sind. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. Nach der Behandlung dürfen Patienten nichts essen, solange die Betäubung noch anhält. Während der ersten 24 Stunden nach der Operation sollten sie weder rauchen noch Kaffee oder Schwarztee trinken. Eine gute Mundhygiene verhindert, dass sich die Operationswunde entzündet. Auch wenn der Eingriff klein ist, sollten sich Patienten in den ersten Tagen nach dem Eingriff schonen. Kühlende Auflagen von außen können Schwellungen und Blutergüsse lindern. Nach sieben bis zehn Tagen entfernt der Zahnarzt die Nähte. Bleibt die Zahnwurzelentzündung trotz Wurzelspitzenresektion bestehen oder tritt sie erneut auf, muss der Zahnarzt den Zahn komplett entfernen.

 

Wie sind die Heilungsaussichten?

Früh erkannt und entsprechend behandelt bestehen bei einer Zahnwurzelentzündung gute Voraussetzungen, dass der betroffene Zahn erhalten werden kann. Ohne Behandlung breitet sich die Entzündung immer weiter aus. Im schlimmsten Fall dringen die Krankheitserreger in die Blutbahn ein und es kann zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) kommen. Personen, die bereits wegen einer Zahnwurzelentzündung behandelt wurden, sollten regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen bei ihrem Zahnarzt wahrnehmen. Rückfälle kann der Zahnarzt so schon im Frühstadium erkennen und behandeln. Auch eine gute Mundhygiene kann helfen, das Risiko für eine erneute Erkrankung zu verringern.

Zahn
Service Ohne Bohrer und Füllung – Forscher entwickeln schmerzfreie Karies-Behandlung

 

Vorbeugung einer Zahnwurzelentzündung

Eine Zahnwurzelentzündung entsteht vor allem durch Karies. Verschiedene Maßnahmen können helfen, Karies und damit auch Zahnwurzelentzündungen zu vermeiden. Das Wichtigste sind eine gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt.

Karies ist der Hauptverursacher für eine Zahnwurzelentzündung. Es gibt ein paar einfache Maßnahmen, mit denen man Karies und auch einer Zahnwurzelentzündung vorbeugen kann:

  • Vermeiden Sie zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten. Diese „füttern“ die Kariesbakterien und fördern Schäden an den Zähnen.
  • Auch eine gute Mundhygiene reduziert das Risiko, an einer Zahnwurzelentzündung zu erkranken. Dafür sollte man seine Zähne mindestens zweimal am Tag gut reinigen – nicht nur mit der Zahnbürste und mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta. Auch Zahnseide und sogenannte Interdentalraumbürsten sind wichtig, um die Zahnzwischenräume zu säubern.
  • Um eine Zahnwurzelentzündung zu vermeiden, sollte man sein Gebiss regelmäßig beim Zahnarzt kontrollieren lassen. Zahnmediziner empfehlen, mindestens einmal oder besser noch zweimal im Jahr zur Zahnvorsorgeuntersuchung zu gehen.
  • Wer zu Zahnproblemen neigt, sollte zudem einmal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen.


Quellen:

  1. Pschyrembel Online (Abruf 23.01.2019)
  2. Hellwig E, Klimek J, Attin T: Einführung in die Zahnerhaltung. Deutscher Ärzte-Verlag GmbH 2013
  3. Lehman KM, Hellwig E, Wenz HJ: Zahnärztliche Propädeutik – Einführung in die Zahnheilkunde, Deutscher Zahnärzte Verlag GmbH 2012, 12.vollst. überarbeitete und erweiterte Auflage
  4. Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (www.kzbv.de, Abruf 23.01.2019)
  5. AWMF-Leitlinie  „Odontogene Infektionen“ Registernummer 007 – 006 (www.awmf.org, Abruf 23.01.2019)
  6. AWMF-Leitlinie  „Wurzelspitzenresektion“ Registernummer 007 – 007 (www.awmf.org, Abruf 23.01.2019)

 

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.