Zahnlücke schließen: Nicht immer muss es eine Zahnspange sein

Michelle Kröger

Eine Zahnlücke wird oft zu einem ästhetischen Problem, das sehr belasten kann. Doch welche Möglichkeiten gibt es alles um eine Zahnlücke zu schließen? Experte Dr. Jochen H. Schmidt hat die Antworten.

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Inhalt
  1. Wodurch können Zahnlücken entstehen?
  2. Mögliche Folgen: Muss man die Zahnlücke füllen?
  3. Zahnlücke schließen ohne Zahnspange – diese Möglichkeiten gibt es
  4. Zahnlücke schließen ohne Implantat
  5. Zahnlücke schließen durch eine Zahnspange
  6. Zahnlücke schließen mit Kunststoff: Invisalign als Alternative
  7. Zahnlücke schließen: Komposit-Versorgung und Zahnumformung
  8. Zahnlücke schließen: Kosten
  9. Zahnlücke schließen: Selber Maßnahmen ergreifen oder ein Fall für den Experten?
  10. Zahnlücke selber schließen: Zahnlücke schließen mit Gummiband – eine gute Idee?

Betroffene möchten oftmals aus ästhetischen Gründen ihre Zahnlücke schließen. Ein Lückenschluss sorgt für ein schöneres Lächeln – und erleichtert Betroffene auch psychisch. Dabei eignet sich nicht nur eine klassische Zahnspange. Auch zahlreiche andere Maßnahmen können helfen, die Zahnlücke zu schließen.

 

Wodurch können Zahnlücken entstehen?

“Ursache von Zahnlücken sind in erster Linie Karies und Parodontitis. Vielfach führen aber auch Stürze und Unfälle dazu”, sagt Dr. Jochen H. Schmidt, Gründer und zahnärztlicher Leiter des Kölner Carree Dental. Markante Zahnlücken werden medizinisch auch als Diastema bezeichnet (griech. Zwischenraum), diese sind nicht selten genetisch bedingt.

Es gibt unterschiedliche Ausprägungen von Zahnlücken:

  • Echtes Diastema: Eine erblich bedingte Zahnlücke. “Ursache ist hier ein zu tief angewachsenes Lippenbändchen”, sagt Dr. Schmidt. Sitzt das Lippenbändchen so tief an der Innenseite der Ober- und Unterlippe und endet es zwischen den Schneidezähnen, ist es nicht möglich, diese zusammenzudrücken. Es entsteht eine Lücke.
  • Unechtes Diastema: “Es handelt sich um die Folge eines Missverhältnisses von Zahngröße und Breite der Kiefers”, so der Zahnexperte. Es liegt eine Verkümmerung des seitlichen Schneidezahns oder beider Schneidezähne vor. Die Schneidezähne sind dabei so klein, dass sie ihren Platz nicht ausfüllen. Auf diese Weise entsteht eine Lücke. Es können dabei allerdings auch ein oder zwei Zähne gänzlich fehlen (keine Anlage). Auch Unfälle und Zahnfleischentzündungen sind mögliche Ursachen.
  • Mediales Diastema: Ein echtes Diastema, jedoch ist hierbei der Zahnbogen so groß, dass die Zähne ihn nicht voll ausfüllen. Außerdem können die vorderen Schneidezähne dabei auch verkümmert sein, sodass sie den Raum nicht ausfüllen.

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Mögliche Folgen: Muss man die Zahnlücke füllen?

Eine Zahnlücke muss nicht unbedingt geschlossen werden. Dr. Schmidt erklärt: “Werden Kaufunktion und Artikulation nicht beeinträchtigt, so ist zahnmedizinisch keine Behandlung erforderlich. In den meisten Fällen entscheiden sich die Betroffenen jedoch schon aus rein ästhetischen Gründen für eine Korrektur.”

Grundsätzlich haben Zahnlücken laut dem Experten einen positiven Effekt: “Sie erlauben uns, unsere Zähne besser putzen zu können. Sind diese Zwischenräume jedoch zu groß, so können sie nicht nur ästhetisch, sondern auch gesundheitlich zum Problem werden”, erklärt er.

Dies sei meist dann der Fall, wenn die Zahnlücke nicht durch auseinanderstehende Zähne bedingt, sondern Folge des Verlustes eines Zahnes ist. Dieser sollte möglichst schnell ersetzt werden. “Ansonsten drohen Störungen der Kaufunktion sowie Falschbelastungen des Kieferknochens und dessen Abbau. Zudem verursachen Zahnlücken nicht selten Kopfschmerzen sowie Probleme bei der Aussprache und beim Zerkleinern der Nahrung.” 

Mögliche negative Folgen einer Zahnlücke:

  • Probleme beim Beißen und Kauen
  • Schmerzen an Kiefergelenk und Kaumuskel
  • Entstehung von Sprachfehlers
  • Knirschen, Fehlbelastung oder Überbelastung der Zähne
  • Psychische Folgen

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Zahnlücke schließen ohne Zahnspange – diese Möglichkeiten gibt es

Das Füllen einer Zahnlücke ohne Zahnspange hat meistens zur Folge, dass ein kieferchirurgischer Eingriff durchgeführt wird. Folgende Möglichkeiten gibt es dabei:

  • Veneers: Bei nicht zu breiten Lücken können Veneers (engl. = Abdeckung, Fassade) helfen. Diese hauchdünnen Verblendschalen aus Keramik werden passgenau angefertigt und per Spezialkleber auf den äußeren Zahnflächen befestigt. 
  • Implantate: Immer häufiger kommen bei Zahnlücken auch Implantate zum Einsatz. “Ähnlich wie ein Dübel im Kieferknochen fest verankert, bieten die kleinen künstlichen Wurzeln den darauf befestigten Kronen oder Brücken sicheren Halt – und dem Patienten somit einen perfekten Biss”, so Dr. Schmidt. Nach einer Einheilungszeit von drei bis sechs Monaten ist das Implantat in der Regel fest verankert. “Wackelige Prothesen gehören damit der Vergangenheit an.” Ebenso vorteilhaft: Im Gegensatz zur Brücke ist bei einem Implantat das Abschleifen gesunder Zähne überflüssig. Da Implantate direkt im Kiefer und nicht an den Zähnen befestigt werden (wie z.B. Brücken), bleiben die umliegenden Zähne verschont.  
  • Titan- und Keramikimplantate: Mit Abstand am meisten eingesetzt werden laut dem Zahnexperten schraubenförmige Titan-Implantate mit unterschiedlichen Gewindeprofilen. Die unverwüstlichen Eigenschaften dieses Metalls seien aus der Luftfahrt bekannt. Dank seiner außergewöhnlichen Gewebeverträglichkeit gilt auch Keramik als exzellentes Implantat-Material. Hier besteht zudem keine Gefahr, dass dunkles Metall – wie bei anderen Ausführungen – eventuell am Zahnhals oder Zahnfleischrand durchschimmert.
  • Prothese: Verursachen mehrere fehlende Zähne erhebliche Lücken, so lässt sich mit einer Brücke wenig ausrichten. Gute Dienste leistet in diesem Fall eine Teilprothese aus Kunststoffzähnen. Sie ist herausnehmbar und wird mit Klammern, Teleskopen oder Geschieben an den gesunden Zähnen befestigt. Sind alle Zähne des Unter- und Oberkiefers im Laufe der Zeit auf der Strecke geblieben, ist eine Voll- oder Totalprothese erforderlich.

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Zahnlücke schließen ohne Implantat

Wer seine Zahnlücke ohne Implantat schließen möchte, der hat zwei Alternativen. Entweder eine Brücke oder ein kieferorthopädischer Lückenschluss.

“Um Zahnlücken zu schließen, hat sich die festsitzende Brücke millionenfach bewährt”, sagt Dr. Schmidt. “In der Regel besteht sie aus Metall, das mit zahnfarbener Keramik verblendet wird. Kleinere Ausführungen werden häufig ganz aus Hochleistungskeramiken hergestellt, die auch hohen Kaukräften im Bereich der Seitenzähne standhalten.” Neben einem Brückenglied, das die Lücke überspannt, sind zwei Ankerkronen notwendig, die auf die Zähne links und rechts der Lücke gesetzt werden. “Zuvor müssen die Zähne allerdings wie bei einer normalen Krone abgeschliffen werden”, so der Experte weiter.

Doch auch die Kieferorthopädie stellt eine Alternative zum Implantat dar. Ein fehlender Zahn muss nicht durch künstliche Zähne oder Zahnwurzeln ersetzt werden. Eine Zahnspange bewegt die Zähne beim kieferorthopädischen Lückenschluss so, dass letztendlich ein eigener Zahn die Lücke schließen kann. Dies ist nicht nur bei Jugendlichen möglich, sondern auch bei Erwachsenen.

 

Zahnlücke schließen durch eine Zahnspange

Eine Zahnlücke kann mithilfe einer herausnehmbaren oder einer festsitzenden Zahnspange geschlossen werden. Die jeweiligen Vor- und Nachteile sollten Betroffene mit zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Fachpersonal besprechen. Jugendliche profitieren häufig von einer frühen Nutzung einer Zahnspange. So lassen sich mögliche Lücken und Zahnfehlstellungen noch verhindern.

Sobald mehrere Lücken vorliegen, das Diastema mehr als fünf Millimeter beträgt oder die Zähne schief sind, kann sich unter Umständen eine Zahnspange als bessere Variante als eine Operation herausstellen.

 

Zahnlücke schließen mit Kunststoff: Invisalign als Alternative

Invisaligns stellen eine besonders komfortable Alternative zur Zahnspange dar. Diese Methode wurde erstmals in den 1940er Jahren angewandt und dann in den 1970er Jahren weiterentwickelt. “Bei Zahnlücken sowie schiefen Zähnen sind moderne Zahnschienen (Aligner) eine Option”, sagt auch Dr. Schmidt. “Im Gegensatz zu herkömmlichen Zahnspangen korrigieren sie Fehlstellungen dank ihrer Transparenz nahezu unsichtbar.

Maßgenau per 3-D-Computer auf Grundlage von Abdrücken und Röntgenaufnahmen angefertigt, werden sie über den Zähnen getragen und alle zwei Wochen gegen einen neuen Satz ausgetauscht.” Schritt für Schritt, Woche für Woche lassen sich die Zähne somit dem gewünschten Idealbild anpassen. 

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Zahnlücke schließen: Komposit-Versorgung und Zahnumformung

Es gibt außerdem die Möglichkeit der sogenannten Komposit-Versorgung (auch: Zahnumformung). Eine substanzschonende und kosmetische Versorgung der Zahnlücke. Komposite sind weiße Füllungsmaterialien, die beispielsweise in der zahnärztlichen Behandlung eines Diastemas zum Einsatz kommen. Bestehend aus einer Kunststoffmatrix, die mit keramischen Füllkörpern versetzt ist, kann die Komposit-Versorgung bei Frontzähnen sowie bei Seitenzähnen angewendet werden.

Bei dieser Methode wird der Zahn mit dem verwendeten Komposit verbreitert und so ästhetisch in eine schönere Form gebracht. Eine besonders hohe Qualität des Ergebnisses lässt sich erzielen, indem eine Trockenlegung (etwa mit Watterollen) vorgenommen wird. Auf diese Weise erreichen Betroffene eine bessere Klebung der Komposite an Zahnbein und Zahnschmelz. Für die Komposit-Versorgung ist meist nur eine Sitzung nötig, sie kann auch unter Vollnarkose durchgeführt werden. Die Methode erzielt in der Regel gute Langzeitergebnisse.

 

Zahnlücke schließen: Kosten

Mit welchen Kosten müssen Betroffene rechnen? Die Kostenhöhe hängt in der Regel von der jeweiligen Behandlungsmethode ab – genauso wie von der entsprechenden Position der zu schließenden Zahnlücke. Preise können demnach stark variieren.

Wann übernimmt die Krankenkasse? Im Normalfall handelt es sich um ein rein ästhetisches Problem, deshalb übernimmt die Krankenkasse nicht die Kosten für eine zahnärztliche Zahnlücken-Behandlung. Die Kosten müssen selbst getragen werden. Eine Ausnahme gibt es allerdings. Sie betrifft Kinder unter 18 Jahren: Solange die Zahnärztin oder der Zahnarzt entscheidet, dass sich eine Zahnspange als Therapiemethode eignet, werden die Kosten dafür von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Betroffene sollten sich bei ihrer Krankenkasse umfassend informieren.

 

Zahnlücke schließen: Selber Maßnahmen ergreifen oder ein Fall für den Experten?

Hier ist die Antwort ganz klar: “Bei Zahnlücken ist ausschließlich die Kompetenz des Zahnarztes bzw. des Kieferorthopäden gefragt”, betont Dr. Schmidt. Von Selbstmaßnahmen jeglicher Art sei abzusehen. Diese würden jedoch ohnehin zu keinem Ergebnis führen.

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Zahnlücke selber schließen: Zahnlücke schließen mit Gummiband – eine gute Idee?

Immer mehr Jugendliche greifen zum Gummiband und wollen ihre Zahnlücken selber schließen. Dies ist vor allem in den USA häufiger der Fall. Sie fertigen ihre Zahnspangen quasi selbst an, beispielsweise mithilfe von Büroklammern oder Gummibändern. Das sagt der Experte zum US-Trend: “Von diesen Eigenkreationen ist dringend abzuraten. Neben fehlender Funktionalität sind schwere Verletzungen sowie weitere ernste gesundheitliche Folgen das Ergebnis.” Um die Zahnlücke zu schließen, sollte stets eine zahnärztliche oder kieferchirurgische Praxis aufgesucht werden.

Unser Experte: Dr. Jochen H. Schmidt ist Gründer und zahnärztlicher Leiter des Kölner Carree Dental. Er besitzt den akademischen Zusatztitel des "Master of Science Oral Implantology“.

Quellen.

Zahnlücken: Einfluss auf die Mund- und Körpergesundheit, in: Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik

Dental Fillings Without Gaps, in: sciencedaily.com

Ästhetische Korrekturen mit Komposit, in: zm – Zahnärztliche Mitteilungen Online

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