Zahnfüllungen: Welche Materialien sind am besten?

Redaktion PraxisVITA

Zahnfüllung ist nicht gleich Zahnfüllung: Als Patient haben Sie mehrere Möglichkeiten, was Material (und damit Farbe), Haltbarkeit und Behandlungsaufwand angeht. Worauf ist bei Zahnfüllungen zu achten? Und welche Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen?

Frau bei einer Zahnarztbehandlung
Wer eine Zahnfüllung braucht, hat die Auswahl beim Material Foto:  iStock/M_a_y_a
 

Wann sind Zahnfüllungen notwendig?

Zahnfüllungen werden immer dann gesetzt, wenn Zähne Defekte an ihrer Hartsubstanz aufweisen. Das ist zum Beispiel bei Schäden durch Karies der Fall. Hier werden entstandene Löcher durch Zahnfüllungen versiegelt.

Auch, wenn ein Zahn abbricht, gilt er als defekt und damit als Fall für eine Zahnfüllung. Bei starken Erosionsschäden am Zahnschmelz oder bei Defekten am Zahnhals sind Füllungen ebenfalls notwendig.

 

Zahnfüllungen: Welches Material gibt es und was ist am besten?

Beim Material gibt es mehrere Möglichkeiten, die sich vor allem mit Blick auf Farbe, Haltbarkeit, Behandlungsaufwand und Kosten unterscheiden.

 

1. Amalgam bei Zahnfüllungen: Wann ist es sinnvoll?

Der Klassiker unter den Zahnfüllungen: Amalgam gilt als günstig, leicht zu verarbeiten und haltbar. Für Füllungen, die großem Druck standhalten müssen, gilt das Material als Mittel der Wahl. Das Problem: Die silberne Masse besteht etwa zur Hälfte aus Quecksilber, einem giftigen Schwermetall. Zwar gilt es nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen als unbedenklich, doch beim Legen und Entfernen kann Quecksilber freigesetzt werden. Dentalamalgam darf seit dem 1. Juli 2018 EU-weit bei Kindern unter 15 Jahren, Schwangeren und Stillenden nur noch in Ausnahmefällen für die Füllung eines Zahns verwendet werden.

Vorteile:

  • Leicht formbar
  • Hohe Stabilität beim späteren Kauen
  • Schützt den behandelten Zahn vor Bakterien

Nachteile:

  • Enthält Quecksilber
  • Unästhetisch durch die silberne Farbe (ungeeignet für Frontzähne)
  • Kann nur im Gesamten ausgetauscht, nicht repariert werden

Haltbarkeit: etwa sieben bis acht Jahre

EU-Quecksilberverordnung

Nach jahrelangen Diskussionen um das potenzielle Gesundheitsrisiko von Amalgam-Füllungen trat am 01. Juli 2018 die EU-Quecksilberverordnung in Kraft. Diese verbietet zahnärztliche Amalgam-Behandlungen von Milchzähnen, bei Kindern unter 15 Jahren und bei schwangeren oder stillenden Patientinnen.

 

2. Inlays: Einlagefüllungen aus Keramik und Gold

Inlays setzen sich seit Jahren immer stärker durch, wenn es um Zahnfüllungen geht. Das liegt auch daran, dass zumindest die Inlays aus Keramik zahnfarben sind und damit jedem ästhetischen Anspruch gerecht werden.

Im Gegensatz zum Amalgam sind Inlays jedoch keine direkten Füllungen, sondern indirekte: Sie werden im zahntechnischen Labor gefertigt und müssen vorab angepasst werden.

Vorteile:

  • Keramik-Inlays sind zahnfarben
  • Gold-Inlays bieten hohen Kau-Komfort
  • Generell stabil mit hoher Festigkeit

Nachteile:

  • Gold-Inlays sind durch ihre Farbe unästhetisch
  • Inlays eignen sich vorwiegend für Seiten-, nicht für Frontzähne

Haltbarkeit: acht bis zehn Jahre für Keramik, zehn bis 15 Jahre für Gold

Foto: iStock
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3. Komposit beziehungsweise Kunststoff bei beschädigten Zähnen

Komposit-Zahnfüllungen bestehen zu rund 20 Prozent aus Kunststoff und zu 80 Prozent aus einem Salz der Kieselsäure beziehungsweise feinsten Glasteilchen. Komposit zählt als Kunststofffüllung, ähnelt optisch aber Keramik. Es gibt mehrere Verfahren, um die Füllung in den Zahn einzubringen: einfache Kompositfüllung bei kleinen Defekten, geschichtete Kompositfüllung bei größeren Kariesschäden und Komposit mit Mehrfarbtechnik für Front- und Seitenzähne. Jede Schicht härtet der Zahnarzt durch ein spezielles blaues Licht aus.

Vorteile:

  • Zahnfarben
  • Für Front- und Seitenzähne geeignet
  • Kann punktuell repariert werden

Nachteile:

Haltbarkeit: vier bis sechs Jahre

 

4. Glasionomerzement bei Zahnersatz

Zahnfüllungen aus Glasionomerzement, einem mineralischen Zement, sind Übergangslösungen: Diese provisorischen Füllungen können bei Milchzähnen oder nach Wurzelbehandlungen gesetzt werden. Er eignet sich gut, um Zahnersatz zu befestigen, als Füllungswerkstoff ist er aber nur begrenzt haltbar.

Vorteile:

  • Geeignet für Milchzähne und als provisorische Füllung für Front- und Seitenzähne
  • Gibt automatisch Fluorid ab und schützt damit vor Karies

Nachteile:

  • Matt / hell in der Farbe, deswegen gut sichtbar
  • Keine dauerhafte Füllung

Haltbarkeit: ein bis zwei Jahre

 

Kompomer für kleine Defekte am Zahn

Mit dieser Kombination aus Komposit und Glasionomerzement lassen sich kleinere Defekte verschließen, etwa Milchzähne, Zahnhalsbereich und provisorische Füllungen.

Vorteile:

  • Kompomer ist zahnfarben und hält vier bis sechs Jahre.

Nachteile:

  • Für umfangreiche Füllungen an den Seitenzähnen ist das Material ungeeignet.
 

Goldhämmerfüllung für langen Halt

Hauchdünne Goldfolien werden Schicht für Schicht in den Zahn „geklopft“. So wird die Kaufläche der Form der natürlichen Zähne angepasst.

Vorteile:

  • Diese Zahnfüllung ist sehr langlebig und auch für Füllungen der Zahnhälse gut geeignet.

Nachteile:

  • Die Anfertigung ist aufwendig, und diese Füllung des Zahns fällt optisch deutlich auf.
 

Zahnfüllungen: Die Kosten

Mit Blick auf die Kosten für Zahnfüllungen ist Vorsicht besser als Nachsicht. Bevor Sie sich für eine Variante entscheiden, rufen Sie bei Ihrer Krankenkasse an und fragen nach, welche Kosten übernommen werden und welche nicht.

Das gilt auch und vor allem, wenn Sie eine Zahnzusatzversicherung haben, die mehrere Jahre alt ist. Häufig ändern sich Kosten-Übernahmeregelungen nämlich, ohne dass man das als Versicherter mitbekommt. Grundsätzlich gilt:

  • Kosten für Zahnfüllungen aus Amalgam und Glasionomerzement werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
  • Bei Kompositfüllungen werden die Kosten für Frontzähne übernommen, bei Seitenzähnen übernimmt die Krankenkasse die Kosten in Höhe einer vergleichbaren Amalgamfüllung.
  • Bei Gold- und Keramikinlays übernimmt die Krankenkasse die Kosten in Höhe einer vergleichbaren Amalgamfüllung.
 

Mögliche Nebenwirkungen von Zahnfüllungen

Obwohl die meisten Zahnfüllungen mit minimalem Aufwand eingesetzt werden, kann es zu Nebenwirkungen beziehungsweise späteren Schmerzen kommen. Die meisten davon sind vollkommen normal und zu erwarten. Dazu gehören im Bereich der betroffenen Zähne:

  • Gereiztes beziehungsweise angeschwollenes Zahnfleisch
  • Leichte Blutungen am Zahnfleisch
  • Erhöhte Empfindlichkeit bei sehr heißen oder sehr kalten Getränken und Speisen

Wie grundsätzlich bei Zahnschmerzen verschafft Kühlen Linderung. Außerdem sollte direkt nach einer Zahnbehandlung auf Alkohol und Zigaretten verzichtet werden. Gehen die Schmerzen über ein leichtes Ziehen hinaus oder lässt sich das Zahnfleischbluten nicht stillen, sollte der Arzt konsultiert werden.

Es gibt also viele Möglichkeiten, bei der Wahl der Zahnfüllungen bei Kariesbefall. Welche Zahnfüllung am besten ist, müssen Sie ganz individuell für sich selbst entscheiden.

Quellen:

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