Zahnersatz: Alles zu Brücken, Kronen und Implantaten

Michelle Kröger

Diagnose Zahnersatz: Was nun? Wer einen oder mehrere Zähne verliert, wünscht sich so schnell wie möglich einen gleichwertigen Ersatz. Doch welche Möglichkeiten gibt es? Welches ist der individuell richtige Zahnersatz, und wie hoch sind die Kosten? Lohnt sich eventuell eine Zahnzusatzversicherung? 

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Guter Zahnersatz kann teuer werden Foto:  iStock hedgehog94
Inhalt
  1. Die Möglichkeiten im Überblick
  2. Festsitzender Zahnersatz: Kronen und Brücken
  3. Implantatgestützter Zahnersatz
  4. Teil- und Vollprothesen
  5. Welcher Zahnersatz ist der Richtige?
  6. Von der Diagnose bis zur Abrechnung
  7. Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?
 

Die Möglichkeiten im Überblick

Vor einer Zahnersatzbehandlung sind viele Patienten erst einmal verunsichert oder haben gar Angst vorm Zahnarzt, denn es gibt unterschiedlichste Möglichkeiten und Meinungen. Typische Methoden geschädigte Zähne zu retten oder verlorene Zähne zu ersetzen sind:

  • Brücken und Kronen
  • Zahnimplantate
  • Teil- und Vollprothesen

Je nach Größe der Zahnlücke – heißt: je nachdem, wie viele Zähne zu ersetzen sind – fällt die Entscheidung auf eine dieser Methoden. Üblicherweise wird hier zwischen festsitzendem und herausnehmbarem Zahnersatz unterschieden. Brücken und Kronen zählen zu festsitzendem Zahnersatz und werden vom Zahnarzt hauptsächlich für kleinere Zahnlücken angewandt.

Herausnehmbarer Zahnersatz wie Teil- und Vollprothesen wird dagegen gewählt, wenn viele Zähne ausgefallen sind. Implantate können sowohl festsitzend als auch herausnehmbar sein – entsprechend den individuellen Anforderungen des Patienten. In der Regel werden Zahnimplantate aber festsitzend in den Kieferknochen eingesetzt.

 

Festsitzender Zahnersatz: Kronen und Brücken

Ist der Zahn stark beschädigt, besitzt aber noch eine Wurzel, kann eine Zahnkrone aufgesetzt werden. Der Zahnarzt beschleift den Zahn üblicherweise unter örtlicher Betäubung und setzt anschließend eine Teil- oder Vollkrone aus Metall, Keramik, Kunststoff oder einer Kombination darauf. Um eine passgenaue Krone anfertigen zu können, muss zuvor ein Abdruck genommen werde.

“Brücken werden für den Ersatz von einzelnen oder mehreren fehlenden Zähnen angewendet”, sagt Zahnarzt Dr. Thomas Clement. “Generell können Brücken aus Metall oder Keramik sowie aus der Kombination der beiden Werkstoffe bestehen. Bei provisorischen Brückenversorgungen können auch Kunststoffe zur Anwendung kommen”, erklärt er weiter.

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Allerdings kommen Zahnbrücken nur infrage, wenn ausreichend Restzähne vorhanden sind, an denen der künstliche Zahnersatz befestigt werden kann. Denn ähnlich wie bei einer richtigen Brücke dienen die restlichen Zähne als Pfeiler. Sie bilden das Fundament. Bildlich gesprochen: Sind die Pfeiler nicht stabil, droht die Brücke einzustürzen.

Dr. Clement erklärt den Aufbau einer Brücke wie folgt: ”Unter festsitzenden Brücken versteht man Zahnersatz, der mithilfe von Kronen auf Zähnen fest verankert wird. Die Lücke-begrenzenden Zähne bezeichnet man als Brückenpfeiler, die Kronen als Brückenanker und die ersetzten Zähne als Zwischenglieder. Brückenanker und Zwischenglieder werden zusammen Brückenglieder genannt.”

Außerdem verrät er, welche verschiedenen Befestigungsarten es gibt: “Dies hängt unter anderem von dem Werkstoff ab, aus dem die Brücke gefertigt wurde. Zum Befestigen werden Zemente, Kunststoffe oder Kombinationen aus beidem genutzt. Technisch kann die Befestigung durch Zementierung oder Verklebung erfolgen.”

 

Implantatgestützter Zahnersatz

Eine Alternative zu Brücken und Kronen stellen Zahnimplantate dar. Auch Zahnarzt Dr. Clement empfiehlt: “Als Alternative sollte immer eine Implantatversorgung in Betracht gezogen werden, weil hierbei nur die fehlenden Zähne ersetzt werden und die Nachbarzähne zumeist unverletzt bleiben können.”

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Für ein Zahnimplantat verankert der Zahnarzt anstelle der natürlichen Wurzel ein künstliches Halteelement im Kieferknochen. In der Regel geschieht dies unter örtlicher Betäubung. Die Implantate bestehen heutzutage aus Titan oder Keramik.

Später kann auf das Implantat ein Zahnersatz aufgesetzt werden, beispielsweise eine Krone oder Brücke. Der implantatgestützte Zahnersatz ist somit eine Verbindung aus festen und herausnehmbaren Elementen.

 

Teil- und Vollprothesen

Herausnehmbare Prothesen kommen dann zum Einsatz, wenn viele Zähne fehlen und eine Versorgung durch Implantate nicht möglich ist. Es gibt verschiedene Arten von Prothesen:

  • Klammer- oder Modellgussprothese
  • Teleskopprothese
  • Totalprothese (oder auch Vollprothese)

Die Klammerprothese wird am häufigsten gewählt. Die Zähne stehen dabei in einer fleischfarbenen Basis aus Kunststoff, die über metallene Klammern an den restlichen Zähnen des Patienten befestigt wird.

Diese Art der Prothese gefällt vielen Patienten zwar nicht, da sie sehr auffällig ist, wird aufgrund der niedrigen Kosten im Vergleich zu anderen Modellen wie zum Beispiel der deutlich ästhetischen Teleskopprothese trotzdem am häufigsten getragen.

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Die Totalprothese wird bei zahnlosen Patienten eingesetzt. Sie besteht aus Kunststoff und hält über Saugwirkung am Kiefer. Ist keine Behandlung durch Implantate möglich, ist die Vollprothese die einzige Lösung für einen zahnlosen Kiefer.

Mit Brücken, Kronen oder Implantaten können herausnehmbare Zahnprothesen allerdings in den meisten Fällen nicht mithalten. Das liegt vor allem daran, dass die verschiedenen Zahnersatz-Methoden unterschiedlichen Einsatzgebieten unterliegen.

Brücken, Kronen und Implantate decken den Bereich für einzelne oder kleinere Zahnlücken ab. Teil- und Vollprothesen dagegen sind für mehrere fehlende Zähne oder einen komplett zahnlosen Kiefer geeignet, wo eine Behandlung mit Brücken, Kronen oder Implantate nicht mehr möglich ist.

 

Welcher Zahnersatz ist der Richtige?

Jeder Patient muss individuell betrachtet werden. Aus diesem Grund gibt es auch nicht den einen optimalen Zahnersatz. Häufig ist es auch sinnvoll, eine Zweitmeinung einzuholen. Die Entscheidung für eine Zahnersatzbehandlung sollte auf keinen Fall unter Druck, sondern nur überlegt und informiert geschehen.

Allgemein lassen sich lediglich folgende Aussagen treffen: Brücken stellen generell einen geringeren Aufwand dar als Implantate. Die Dauer der Behandlung ist außerdem um ein vielfaches kürzer als beim Einsetzten eines Zahnimplantates. Allerdings müssen bei einem implantatgestützten Zahnersatz keine gesunden Zähne bearbeitet werden.

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Gerade für jüngere Menschen stellt ein Zahnimplantat daher eine attraktive Alternative dar. Jedoch können Implantate nicht bei jedem Patienten eingesetzt werden. An diesem Punkt ist nochmals die individuelle Beratung bei einem Zahnarzt hervorzuheben. Zudem kann auch ein Kieferchirurg zurate gezogen werden.

 

Von der Diagnose bis zur Abrechnung

Welche Schritte hat eine Zahnersatzbehandlung? Zunächst wird die Diagnose durch den Zahnarzt gestellt, der den Patienten dann über verschiedene Möglichkeiten des Zahnersatzes aufklärt. Vor der Entscheidung können Zweitmeinungen eingeholt werden.

Ist die Entscheidung gefallen, setzt der Zahnarzt einen Heil- und Kostenplan auf. Dieser wird an die Krankenkasse geschickt. Bewilligt die Krankenkasse den Plan, kann die Behandlung starten. Stellt der Zahnarzt während der Behandlung fest, dass Nachbesserungen im Plan nötig sind, muss dieser erneut durch die Kasse bewilligt werden.

 

Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Die Regelversorgung der Krankenkassen bietet einen Festzuschuss für die Kosten einer Zahnbrücke. Implantate sind in der Regel nicht in den Kassenleistungen enthalten, sondern fallen unter die sogenannte Andersartige Versorgung. Diese Kosten können aber zum Teil durch eine entsprechende Zahnzusatzversicherung abgedeckt werde.

Beispielhaft führt Dr. Clement die Kosten für eine Brücke auf: “Die Kosten hängen von vielen Faktoren ab, unter anderem von dem Material aus dem die Brücke gefertigt wird. Wird beispielsweise eine Edelmetalllegierung verwendet, entstehen selbstverständlich höhere Kosten als bei der Verwendung einer Nichtedelmetalllegierung (NEM).

Ihm zufolge gilt: Je höher sich der Aufwand bei der Brückenversorgung darstellt, desto höher sind die zu erwartenden Kosten. "Die geschätzten Kosten einer Brücke für den Ersatz eines Zahnes können demnach zwischen 1.000 und 3.000 Euro liegen", so Dr. Clement. Der jeweilige Eigenanteil für den Patienten variiere dabei je nachdem wie der Patient krankenversichert ist.

Quellen:

  • Interview: Zahnarzt Dr. Thomas Clement, Hamburg
  • Zahnersatz (am 16.12.19), in: informationen-zum-zahnersatz.de
  • Zahnersatz: Zahnkronen, Brücken und Implantate (am 16.12.19), in: aok.de
  • Reitemeier B, Schwenzer N, Ehrenfeld M. Einführung in die Zahnmedizin. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2006
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