Zähneputzen per Gesetz?

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Zähneputzen per Gesetz
In Mecklenburg-Vorpommern soll Zähneputzen in Kindertagesstätten bald gesetzlich vorgeschrieben sein © acilo/iStock

In vielen Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern putzen die Kinder ihre Zähne nicht mehr täglich. Experten plädieren dafür, die Zahnpflege per Gesetz anzuordnen – doch warum funktioniert das Zähneputzen überhaupt so schlecht?

Laut einer Datenerhebung des Wirtschaftsministeriums aus dem Herbst 2017 wird in 97 Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern auf das Zähneputzen bei Kindern verzichtet. Und das hat Folgen: Im Januar dieses Jahres veröffentlichte die Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege eine Untersuchung, die belegt, dass Kleinkinder in dem Bundesland im Schnitt häufiger Karies haben als Kinder im restlichen Deutschland. „Trotz aller Bemühungen und ungeachtet aller Argumente setzt sich der Trend fort“, so Ute Siering, Fachdienstleiterin Gesundheit im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Siering und andere Experten fordern nun, die Zahnpflege in Kitas und Tagespflegeeinrichtungen per Gesetz zur Pflicht zu machen.

 

Zähneputzen als Pflichtübung?

Zähneputzen sollte im Kindertagesstättenfördergesetz verbindlich für alle festgeschrieben sein, erklärt auch Rona Zyriax, Leiterin der Landesstelle der Zahnärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst. Laut Zyriax gibt es nicht nur in der Kita Probleme mit der Zahnpflege: Auch in vielen Familien sei das tägliche Zähneputzen nach wie vor nicht selbstverständlich. Mit dem Gesetz soll also auch dafür gesorgt werden, dass Kinder überhaupt den richtigen Umgang mit der Zahnbürste lernen. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) will dem Landtag bereits zur nächsten Sitzung einen Gesetzentwurf zum Thema vorlegen.

 

Warum funktioniert die Zahnpflege so schlecht?

Es gibt verschiedene Gründe dafür, warum die Zahnpflege in den Kitas nicht ausreichend umgesetzt wird. Laut Ute Sieling fürchten die Erzieher in den Einrichtungen zum einen, dass Krankheiten so leichter von Kind zu Kind übertragen werden. Zum anderen würden viele Eltern ihren Kindern gar kein Zahnputzzeug in die Kita mitgeben. Wieder andere Einrichtungen haben nicht die erforderliche Anzahl an Waschbecken, um allen Kindern das Zähneputzen in einem angemessen zeitlichen Rahmen zu ermöglichen. Und dann gibt es noch einen letzten bedeutsamen Faktor: Viele Erzieher beklagen, dass sie schlicht nicht die Zeit haben, um mit den Kindern Zähne zu putzen. Sollte der Gesetzesentwurf also angenommen werden, muss für diese Probleme zeitnah eine Lösung gefunden werden.

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