Yoga: Heilung durch Asanas – wie funktioniert das?

Redaktion PraxisVITA

Dehnungen, bewusste Atmung und Meditation: Yoga ist eine Wohltat für Geist und Körper. Bei verschiedenen Beschwerden kann Yoga sogar zur Heilung beitragen. Wie Yoga-Asanas unsere Gesundheit boosten und welche Wirkung sie auf unseren Körper haben.

 

Yoga: Heilung durch Asanas?

Forscher sehen in der Stress-Reduktion den Hauptgrund für die Wirksamkeit von Yoga. Die Überforderung von Geist und Psyche wird heute als maßgebliche Ursache für das Entstehen von Krankheiten und Alltagsbeschwerden wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen verantwortlich gemacht. Aber wie kann Yoga die Heilung fördern und wie genau profitieren Körper und Geist?

Wie Yoga Körper und Geist formt

Yoga wirkt sich wie keine andere Sportart zugleich auf Körper und Geist aus. Nach ein paar Wochen wirkt die Silhouette straffer, die Haltung aufrechter. Nach drei bis sechs Monaten können wir die Veränderungen messen (falls uns der Sinn danach steht): Der Umfang von Taille, Hüfte und Oberschenkeln hat sich verringert. Viele Menschen können sogar um einige Zentimeter wachsen. wenn unsere Wirbelsäule stark zusammengesackt war und wir uns durch die Übungen aufrichten.

Durch die bewusste Atmung und die Konzentration auf die Asanas wird zudem das Körperbewusstsein und die Achtsamkeit gestärkt. Yoga lehrt, unbewusste Regungen wie Angst und Aggressionen besser wahrzunehmen – so können sie besser kontrolliert werden. Sogar Schmerzen werden als weniger bedrohlich erlebt. Nach längerer Yoga-Praxis verändert sich das eigene Verhalten oft nachhaltig. Fast unbemerkt beginnen wir, mehr auf unseren Körper zu achten.

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Heilung durch Yoga: So stärken Asanas die Gesundheit

Yoga kann nicht wie Aspirin oder Antibiotikum eingesetzt werden, um Gesundheit von jetzt auf gleich wiederherzustellen. Trotzdem ist die regelmäßige Praxis sehr wirksam bei einer Vielzahl von Beschwerden. Allerdings ist dafür Durchhaltevermögen gefragt. Lehrer raten, Yoga nicht nur einmal, sondern zehnmal auszuprobieren. So lange braucht es, bis die ersten körperlichen und geistigen Veränderungen spürbar werden.

 

Sonnengruß für ein gesundes Herz und gegen Schlaganfälle

Yoga vermindert Vorhofflimmern deutlich, zeigt eine Studie aus Kansas City, USA. Die Herzrhythmusstörung, ist ein wesentlicher Risikofaktor für Schlaganfälle. Im Durchschnitt hatten die Teilnehmer durch tägliches Üben um 45 Prozent weniger Episoden – und das schon nach drei Monaten! Außerdem verbesserte sich die Lebensqualität der Studienteilnehmer: Angst und Depressionen nahmen deutlich ab. Auch auf andere Schlaganfall-Risikofaktoren wirkt Yoga positiv: Es senkt Bluthochdruck, verringert Übergewicht und dämpft die Lust auf Alkohol und Zigaretten.

 

Yoga lindert Rücken- und Nackenschmerzen

Sechs Monate regelmäßiger Praxis (einmal pro Woche 90 Minuten) lindern chronische Rückenschmerzen deutlich, bewiesen Forscher der University of Washington in Seattle. 80 Prozent der Yogis konnten auf Schmerzmittel verzichten. Damit kann die indische Lehre mit der klassischen Kombi aus Physiotherapie und Spritzen mithalten.

Besonders schnell bekommt man mit Yoga Nackenschmerzen in den Griff: Schon nach zehn Wochen mit je einer 90-minütigen Yoga-Einheit gaben die Übenden an, dass die Schmerzen um zwei Drittel zurückgegangen seien.

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Yoga gegen Migräne und chronische Schmerzen

Durch Yoga verringern sich die Schmerzintensität und -häufigkeit sowie die damit einhergehende Einschränkung der Mobilität deutlich. So das Ergebnis einer Meta-Analyse der medizinischen Universität Witten-Herdecke, der Veronica Carstens-Stiftung und der Berliner Charité, in der die Daten aus 23 kleinen Studien zusammengeführt wurden.

Alle 23 Untersuchungen waren zu dem gleichen Ergebnis gekommen: Yoga lindert Schmerzen – und zwar unabhängig von ihrer Art: Migräne, Kopfschmerzen, Arthritis, Muskelverspannung, Gelenkschmerzen und viele mehr. Auch das Üben zu Hause erwies sich als äußerst hilfreich.

 

Angst, Stress und Depressionen mit Yoga bekämpfen

Forscher der Boston University School of Medicine haben herausgefunden, dass bei Menschen, die seit längerer Zeit Yoga praktizieren, der GABA-Spiegel im Gehirn nach einer Yogasitzung um 27 Prozent ansteigt. GABA (Gamma-Aminobuttersäure) ist einer der wichtigsten Neurotransmitter im Gehirn. Seine Funktion besteht darin, Stress und Angst zu reduzieren. Die Wissenschaftler empfahlen daraufhin dringend weitere Studien. Denn diese „Yoga-Pille“ ist allemal verträglicher als Psychopharmaka.

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Yoga könnte ein Schutzfaktor vor Krebs sein

Forscher der University of California zeigen, dass Yoga positiv auf unsere Gene einwirkt. Dreißig an Krebs Erkrankte bekamen tägliche Spaziergänge, eine Stunde Yoga und vegetarisches Essen verordnet. Nach drei Monaten wurde ihnen Gewebe entnommen und mit älteren Proben verglichen.

Das Ergebnis: Vor der Kur aktive Krebsgene wurden stumm geschaltet. Dass Yoga zur Heilung von Krebs beiträgt, kann daraus natürlich nicht geschlossen werden. Aus der Untersuchung kann jedoch eine andere These gezogen werden. Selbst wenn wir Krebsgene in uns tragen – Yoga könnte verhindern, dass sie aktiviert werden.

 

Yoga: Asanas haben eine Wirkung auf die Zellen

Yoga kann den Alterungsprozess tatsächlich umkehren! Das beweist eine Studie der University of California. Die Hälfte der Teilnehmer hatte fünf Jahre lang Yoga praktiziert und ihre Ernährung um Vollkorn und viel Obst und Gemüse bereichert. Dann wurden die Telomere (eine Art Schutzkappe für unser Erbgut) aller Versuchsteilnehmer untersucht. An diesen kann man nämlich die Lebensdauer einer Zelle erkennen.

Dabei gilt: Je kürzer die Telomere desto älter und schwächer sind die Zellen – und desto höher ist das Krankheitsrisiko. Vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs können durch verkürzte Telomere entstehen.

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Als Ergebnis zeigte sich, dass die Länge der Telomere bei den Yogis stabil blieben, in der Vergleichsgruppe hatten sie sich dagegen um rund drei Prozent verkürzt. Wie stark jeweils der Einfluss der gesunden Ernährung einerseits und der Yoga-Praxis andererseits auf die Zell-Gesundheit ist, lässt sich nicht sagen. Klar ist aber, dass regelmäßige Bewegung einen Anteil daran hat.

Somit kann Yoga die Heilung bei verschiedenen Beschwerden unterstützen und zusätzlich die Risiko für verschiedene Erkrankungen reduzieren.

Quellen:

Lakkireddy, Dhanunjaya [u.a] (2013): Effect of yoga on arrhythmia burden, anxiety, depression, and quality of life in paroxysmal atrial fibrillation: the YOGA My Heart Study, in: National Library of Medicine

Streeter, Chris C. [u.a] (2017): Treatment of Major Depressive Disorder with Iyengar Yoga and Coherent Breathing: A Randomized Controlled Dosing Study, in: Mary Ann Liebert, Inc.

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