Wurm-Proteine heilen Asthma

Phyllis Kuhn
Der Hakenwurm Necator Americanus
Der Hakenwurm Necator Americanus liefert Asthmatikern überraschenden Nutzen © Alamy

Bestimmte Eiweißstoffe des Hakenwurms Necator americanus haben in Versuchen eine erstaunliche Wirkung bei der Behandlung von Asthma gezeigt.

Das Mikrobiom unserer Haut und in unserem Darm umfasst tausende verschiedene Bakterienarten, viele davon mit für uns nützlichen Funktionen. Kein Wunder, dass in den letzten Jahren prä- und probiotische Lebensmittel zur Erhaltung der Darmflora im Trend liegen. Weniger Sympathie bringt man im allgemeinen Parasiten entgegen. Sie können in vielen Fällen gefährlich für den Menschen werden, darunter Toxoplasmen, Trichine und Bandwürmer. Ein unter Menschen stark verbreiteter Parasit, der Hakenwurm (etwa 900 Millionen Betroffene) könnte seinen schlechten Ruf jedoch teilweise zu Unrecht haben. Infektionen mit seiner Unterart Necator americanus können beim Menschen zwar durchaus unangenehm werden und ohne Behandlung sogar zum Tod führen.

Ein Gutes hat der Unruhestifter jedoch: Er besitzt bestimmte Proteine, die Immunreaktionen und damit auch Entzündungen hemmen. Necator americanus benutzt diese Proteine, um sich ungehindert im menschlichen Darm ansiedeln zu können, ohne vom Immunsystem attackiert zu werden. Was für den Wirt eigentlich von Nachteil ist, könnte für Betroffene von entzündlichen Darmerkrankungen wie den Auto-Immunkrankheiten Morbus Crohn und Zöliakie jedoch von Vorteil sein.

Und noch eine Krankheit, bei der das Immunsystem überreagiert, könnte Dr. Hakenwurm kurieren: Asthma. Tatsächlich erkranken Menschen, die vom Hakenwurm befallen sind, deutlich seltener an Allergien und chronischen entzündlichen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma. 

 

Wurmbehandelte Mäuse husten nicht mehr

Forscher der James Cook University in Cairns (Australien) haben das Hakenwurm-Protein nun näher untersucht. Ihre Idee: Da sich nach Ansicht der Forscher kaum jemand freiwillig von einem Wurm befallen lassen möchte, müsste es theoretisch auch möglich sein, die allergieabwehrenden Proteine zu isolieren und gezielt zu verabreichen.

Dazu entnahmen die Immunologin Severine Navarro und ihre Kollegen den Hakenwürmern ein bestimmtes Protein (AIP-2) und verabreichten es an Mäuse. Bei einem anschließend durch die Forscher hervorgerufenen Asthmaanfall bei den Nagern bestätigte sich die Vermutung der Forscher: Mäuse einer Kontrollgruppe, die zuvor keine Wurmproteine erhalten hatte, entwickelten typische Asthma-Symptome wie Atemnot und Husten. Die mit AIP-2 behandelten Mäusen blieben symptomfrei.

Im nächsten Schritt testeten Navarro und ihre Kollegen das Protein an menschlichen Zellen, die sie zuvor Asthma-Patienten, die allergisch auf Hausstaubmilben reagieren, entnommen hatten. Hier zeigte sich ein ähnlich vielversprechendes Ergebnis: Die Zellkulturen, die zuvor mit dem Wurmprotein behandelt worden waren, reagierten deutlich schwächer auf die allergieauslösenden Stoffe, als unbehandelte Zellen. Auch die für Asthma typische Vermehrung von T-Zellen (Helferzellen im Blut) fiel aus.

„Unsere bisherigen Untersuchungen mit entzündlichen Darmerkrankungen haben bereits gezeigt, dass T-Zellen von pro-entzündlich zu anti-entzündlich umgepolt werden können“, erklärt Navarro. „Die gute Nachricht ist jetzt, dass Hakenwurm-Proteine nicht nur den Darm schützen, sondern auch andere Organe wie die Atemwege, wo sich Asthma entwickelt“

 

Hilft das Wurmprotein gegen noch mehr Erkrankungen?

Ihr Kollege Alex Loukas stimmt zu: „Das ist eine herausragende Entdeckung für uns, weil es bedeutet, dass wir dem nächsten Schritt, unsere pillenbasierte Behandlung in einem klinischen Versuch zu testen, nun einen Schritt näher gekommen sind. Dabei können wir die Behandlung nicht nur gegen Asthma, sondern auch gegen andere Entzündungs- und Autoimmun-Erkrankungen testen.

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