Wundliegen verhindern

Redaktion PraxisVITA
Wundliegen verhindern
Wundliegen verhindern: Ratsam ist es, die Liege- und Sitzposition regelmäßig zu wechseln © istock/dolgachov
Inhalt
  1. Erste Anzeichen erkennen, Wundliegen verhindern
  2. Wundliegen: Diese Körperstellen sind besonders häufig betroffen
  3. Wie entsteht ein Dekubitus?
  4. Wundliegen verhindern mit der richtigen Matratze
  5. Wundliegen – Wer ist besonders gefährdet?
  6. Wundliegen verhindern mit Lagerungshilfsmitteln
  7. Wundliegen verhindern: Das Bettklima im Blick
  8. Wundliegen verhindern: Die Umlagerung ist eine wichtige Vorbeugemaßnahme
  9. Wundliegen verhindern: Die Hautpflege sanft halten
  10. Wundliegen verhindern: Die richtige Ernährung liefert einen guten Beitrag
  11. Ungeeignete Hilfsmittel

Ist man in seinen Bewegungen eingeschränkt, drohen Druckgeschwüre. Ein Problem, dem sich viele pflegende Angehörige stellen müssen.  Doch es gibt Möglichkeiten, um mit denen sich Wundliegen verhindern lässt.

Ein gesunder Mensch wechselt ständig seine Position – selbst im Schlaf dreht er sich bis zu 50 Mal. Das ist von der Natur gut eingerichtet. Denn wer lange in derselben Haltung verharrt, fördert die Entstehung von einem Druckgeschwür, dem Dekubitus.

Nach Schätzungen von Experten entwickeln in Deutschland jährlich mehr als 400 000 Menschen einen behandlungsbedürftigen Dekubitus. „Das Problem ist für pflegende Angehörige eine große Herausforderung“, weiß Marlene Sedlmayr. Die Fachkrankenschwester für Intensiv und Innere Medizin am Städtischen Klinikum München Schwabing ist Dekubitusexpertin. „Wichtig ist, schon erste Anzeichen früh zu erkennen, um einem Wundliegen rechtzeitig entgegenzusteuern.“

 

Erste Anzeichen erkennen, Wundliegen verhindern

„Damit Sie bei einem Pflegenden Wundliegen verhindern können, schauen Sie sich die Haut des zu Pflegenden regelmäßig gut an“, rät Expertin Marlene Sedlmayr. Das kann man beispielsweise bei der täglichen Körperhygiene machen.

Dekubitus Stage1+2
Eine Rötung kann einen Dekubitus im Stadium 1 anzeigen. Schon ab Dekubitus Stadium 2 sollte man einen Arzt oder Pflegedienst hinzuziehen © istock/solar22

„Ein Dekubitus kann zwar überall entstehen, aber bestimmte Regionen sind stärker gefährdet.“ Welche das je nach Lagerung sein können, wird im weiteren Textverlauf deutlich.

„Rötungen sind ein erstes Warnsignal.“ Ob es sich bei einer Rötung bei intakter Haut um einen Dekubitus im Stadium 1 handelt, zeigt ein einfacher Test: „Drücken Sie mit dem Finger leicht auf die Rötung. Sie sollte die normale Hautfarbe annehmen. Bleibt sie gerötet, sollte man für Entlastung sorgen, das Bewegungsprofil überdenken.“

„Schon ab Dekubitus Stadium 2 sollte man einen Arzt oder Pflegedienst hinzuziehen“, betont die Expertin. Anzeichen für ein Fortschreiten des Druckgeschwürs sind schmerzhafte Blasen, nässende Wunden. Im weiteren Verlauf kann es zum Verlust ganzer Hautschichten, zum Absterben des Gewebes, zu offenen Geschwüren kommen.

 

Wundliegen: Diese Körperstellen sind besonders häufig betroffen

Druckgeschwüre können vom Hinterkopf bis zu den Fußspitzen auftreten – aber manche Bereiche sind je nach Lagerung besonders gefährdet

Rückenlage

  • Der Hinterkopf, die Schulterblätter, die Ellenbogen, das Steißbein und die Fersen sind erhöhtem Druck ausgesetzt
Wundliegen Körperstellen
Druckgeschwüre können überall am Körper auftreten. Manche Stellen sind jedoch besonders gefährdet © istock/solar22

Seitenlage

  • Der Auflagendruck belastet Ohr, Schulter, Ellenbogen, Hüfte, Knie und Knöchel. Im Intimbereich kann es zu Reibungen kommen

Bauchlage

  • Hier sollten die Stirn, die Hüften, die Knie und Fußspitzen besonders gut entlastet werden

Im Rollstuhl

  • Vorsicht ist vor allem im Bereich der Gesäßknochen, Kniekehlen und Fersen geboten, da hier der Druck beim stundenlangen Verharren am höchsten ist

Sitzen im Bett

  • Hier gilt das Augenmerk vor allen dem unteren Rücken, dem Bereich der Gesäßknochen, den Fersen und Fußspitzen
 

Wie entsteht ein Dekubitus?

  1. Beim Liegen, aber auch Sitzen lastet das Körpergewicht auf bestimmten Körperstellen. Der Druck des eigenen Körpers, aber auch der Gegendruck von Matratze oder Stuhl drücken die Haut und das Gewebe zusammen.
  2. Der Druck verursacht eine verringerte Durchblutung. In der Folge werden die Haut und Muskulatur in dem betroffenen Bereich schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
  3. Durch Einwirkung von Nässe – z. B. durch Schweiß, Urin, Stuhl –, aber auch durch sogenannte Scherkräfte kann die Haut zusätzlich geschädigt werden. Unter Scherung versteht man in der Pflege die Verschiebung der verschiedenen Hautschichten gegeneinander. Scherkräfte wirken vor allem beim Umdrehen, Ziehen und Lagern der zu Pflegenden. Vor allem Ältere mit wenig elastischer, trockener Haut sind betroffen.
  4. Ist die Haut infolge der mangelnden Durchblutung und Verletzungen geschädigt, bildet sie leichter Druckgeschwüre. Ein Dekubitus kann unterschiedlich groß und tief sein. Die Wunden können sich leicht infizieren. Die Heilung kann sich mit zunehmendem Alter über Monate hinziehen.
 

Wundliegen verhindern mit der richtigen Matratze

In der Pflege spielt das Bett eine große Rolle: „Die Matratze in einem Pflegebett sollte sich den Körperkonturen anpassen, ohne die Beweglichkeit einzuschränken“, erläutert Marlene Sedlmayr.

Viscoelastischer Schaumstoff ist hier oft eine gute Wahl, um Wundliegen zu verhindern.

Schaumstoffkisseb
Viscoelastischer Schaumstoff kann dabei helfen, den Pflegenden vor einem Wundliegen zu schützen © istock/gilaxia

Ein Wellenprofil auf der Matratzenoberfläche kann empfindliche Stellen wie Ellenbogen, Fersen und Schulterblätter schützen.

Spezialmatratzen – auch solche mit Microstimulationssystemen – sind aber kein Ersatz für regelmäßige Mobilisation und Umlagerung.

 

Wundliegen – Wer ist besonders gefährdet?

Pflegebedürftige Menschen nach einem Schlaganfall.

  • Oft kommt es zu einer Lähmung, die die Beweglichkeit einschränkt.

Untergewichtige, mangelernährte Menschen.

  • Ihr Stoffwechsel und ihre Zellerneuerungsmechanismen sind oft reduziert und ihnen fehlt das Fettgewebe als natürliche „Polsterung“.

Pflegebedürftige, die durch Medikamente ruhig gestellt sind.

  • Denn sie bewegen sich dadurch auch entsprechend weniger oder gar nicht mehr.

Hochbetagte Menschen.

  • Sie haben oft schon eine sehr dünne, trockene Haut, die durch kleinste Einflüsse zu Schädigungen neigt.
Mann mti Diabetes
Diabetiker mit neurologischen Störungen sind besonders gefährdet, einen Dekubitus zu erleiden © istock/skynesher

Diabetiker mit neurologischen Störungen.

  • Ihr Risiko für Wundheilungsstörungen ist erhöht.

Pflegebedürftige, die unter einer Inkontinenz leiden.

  • Nässe erhöht die Gefahr für Hautprobleme und ein Wundliegen.

Depressive Menschen.

  • Auch sie neigen dazu, stundenlang zu sitzen oder zu liegen.

An einen Rollstuhl gefesselte Menschen.

  • Ihre Behinderung zwingt sie zum langen Sitzen.

 

Wundliegen verhindern mit Lagerungshilfsmitteln

Mit einfachen Hilfsmitteln kann man eine sogenannte Mikrolagerung anwenden. Sie eignet sich für Pflegebedürftige, die sich nicht mehr ausreichend selbst bewegen können, Unterstützung bei der Bewegung und Mobilität benötigen. Bereits mit kleinsten Schwerpunktverlagerungen wird eine vorbeugende Wirkung erzielt. Wichtig dabei: Die Lagerungshilfen sollten nicht zu dick sein. Am besten eignen sich dünne Decken, z. B. aus weichem Fließ oder weiche Handtücher. Sie werden nach bestimmtem Muster gefaltet und positioniert. Die Mikrolagerung dient einer kurzzeitigen Druckentlastung, ersetzt aber nicht die regelmäßige Umlagerung.

Wundliegen verhindern mit Handtuchrolle
Wundliegen verhindern: Eine Handtuchrolle kann unkompliziert unter das Gesäß geschoben werden © istock/Quarta_

Dreifachfaltung

Hier wird der Stoff zu einem kleinen Päckchen gefaltet. Man kann es unter das Schulterblatt legen oder auch mit mehreren solcher „Päckchen“ den Pflegebedürftigen gleichzeitig unter den Schulterblättern, im Beckenbereich und in Höhe der Unterschenkel entlasten.

Brezelfaltung

Hier wird das Tuch von beiden Enden nach innen aufgerollt. Mit solch einer „Brezel“ kann man besonders gut Extremitäten, wie eine Ferse oder einen Unterarm, hochlagern und kurzfristig entlasten.

Rolle

Das Tuch wird ganz einfach locker gerollt. So eine weiche Rolle kann man unkompliziert unter das Gesäß schieben, aber auch unter Kniekehlen und unteren Rücken. Mit ihr kann man ebenfalls einen Pflegebedürftigen in der Seitenlage abstützen und die Knie entlasten.

Senior bekommt Mahlzeit
Ein regelmäßiger Wechsel zwischen einzelnen Lagerungen ist sinnvoll und lässt sich gut mit festen Zeiten, wie den Mahlzeiten, verbinden © istock/KatarzynaBialasiewicz
 

Wundliegen verhindern: Das Bettklima im Blick

Feuchtigkeit fördert ein Wundliegen, daher sollte man diese verhindern. „Auf alles, was die Luftdurchlässigkeit einer Matratze behindert, das Schwitzen des Pflegebedürftigen fördert, sollte man verzichten“, erläutert Marlene Sedlmayr. Bei Bett- und Nachtwäsche deshalb auf Naturmaterialien wie Baumwolle, Seide oder Schurwolle setzen. Bei einer Inkontinenzversorgung darauf achten, dass trotz der Hilfsmittel Luft an die Haut kommt. „Sonst kann sich ein Inkontinenz-Dekubitus in der Analfalte bilden.“ Daher lieber häufiger die Vorlagen wechseln, als „Gummihöschen“ zu verwenden. Auch notwendige Schutzbezüge im Bett sollten waschbar sein – und atmungsaktiv.

 

Wundliegen verhindern: Die Umlagerung ist eine wichtige Vorbeugemaßnahme

Hilfe leisten.

Jeder Pflegebedürftige, der sich nicht mehr aus eigener Kraft oder der eigenen Motivation heraus aufrichten, aufstehen, seine Lage im Bett wechseln kann, braucht dann dabei eine freundliche Unterstützung. Beim Umlagern sanft vorgehen. Jeder Positionswechsel sollte im Einklang mit dem zu Pflegenden geschehen, ihn nicht erschrecken und ihm keine Schmerzen bereiten.

Wundliegen verhindern
Ein sanfter Positionswechsel des Pflegebedürftigen durch das Personal kann das Wundliegen verhindernn © istock/kupicoo

Sinnvolle Abwechslung.

Ein regelmäßiger Wechsel zwischen einzelnen Lagerungen ist sinnvoll und lässt sich gut mit festen Zeiten, wie den Mahlzeiten, aber auch pflegerischen Tätigkeiten, wie der Körperhygiene, verbinden.

Individuellen Zustand beachten.

Der Zeitplan für den Lagerungswechsel ist nur ein Beispiel, wie man es machen kann. Wichtig ist in jedem Fall, die gesundheitliche Situation des Pflegebedürftigen zu berücksichtigen. Jemand mit starken Atemproblemen kann vielleicht nicht flach auf dem Rücken liegen. Hat jemand bereits einen Dekubitus am rechten Hüftknochen, sollte man die Seitenlage vermeiden, bei einem Dekubitus am Rücken ist die Rückenlage ungeeignet. Am Besten bespricht man den Lagerungsplan mit dem Arzt oder Pflegedienst.

Zeitplan Lagerungswechsel

Zeitplan Lagerungswechsel
Wundliegen verhindern: Je nach Zustand des Patienten wird ein Zeitplan-Lagerungswechsel für 24 Stunden erstellt © Pflege und Familie
 

Wundliegen verhindern: Die Hautpflege sanft halten

Weniger ist mehr.

„Keine Creme kann Wundliegen verhindern“, betont die Expertin. „Sie dient dazu, die Haut geschmeidig zu halten. Bevorzugen Sie Lotionen, die duftfrei und natürlich sind.“

Nicht fest einmassieren.

„Es mag ja gut gemeint sein, aber eine schon dünne, trockene Haut braucht sanfte Berührungen. Cremes kräftig einzumassieren kann unerwünschte Scherkräfte freisetzen.“

Wunden auslassen.

„Finger weg von Wunden, die gehören in die Hände von Spezialisten.“

Wundliegen verhindern – schonende Mobilisation

Raus aus dem Bett, sofern es geht!

„Viele Pflegebedürftiger sind noch mobiler, als man es ihnen zutraut!“, weiß Marlene Sedlmayr. Man sollte sie dazu motivieren, wieder mehr Selbstständigkeit zu erhalten, indem man ihnen beispielsweise Gehhilfen wie einen Stock oder Rollator anbietet.

Pflegebedürftiger im Rollstuhl
Wundliegen verhindern ist möglich, wenn der Pflegebedürftiger wieder mehr Selbstständigkeit erhält, indem man ihm z.B. einen Rollator zur Verfügung stellt © istock/shapecharge

In kleinen Schritten beginnen.

Wer längere Zeit bettlägerig gewesen ist, kann nicht sofort lange Spaziergänge unternehmen. Langsam beginnen, mit ersten Schritten z. B. vom Bett zum Tisch, und sich langsam steigern.

Motivationen anbieten.

Was hat der Pflegebedürftige früher besonders gerne unternommen? Vielleicht kann man bestimmte Ausflüge, einen Spielekreis, das Kaffeekränzchen mit alten Freundinnen organisieren, was als Anreiz gelten kann, wieder mehr auf die Beine zu kommen.

An die Mithilfe appellieren.

Ob die Hilfe beim Kochen, beim Beaufsichtigen der Kinder, kleine Gartenarbeiten, die Pflege der Topfblumen – wenn man dem Pflegebedürftigen das Gefühl gibt, dass er noch gebraucht wird, holt ihn das oft aus der Teilnahmslosigkeit und bringt ihn dazu, sich mehr zu bewegen, statt stundenlang still zu sitzen oder zu liegen.

 

Wundliegen verhindern: Die richtige Ernährung liefert einen guten Beitrag

Einen guten Nährstoffmix wählen.

Damit die natürliche Wundheilung unterstützt wird, ist eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen notwendig. Daher sollte man auf frische, abwechslungsreiche Gerichte setzen, die vollwertig und vitaminreich sind. Auch auf hochwertige Fette achten, die alpha-Linolsäuren, Linolsäuren, Vitamin A und E enthalten. Obst und Gemüse sind wichtige Vitaminlieferanten.

Wundliegen verhindern durch Vitaminzufuhr
Um die natürliche Wundheilung zu unterstützen, ist eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen notwendig © istock/Wavebreakmedia

Die Haut intakt halten.

Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost, aber auch ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit unterstützt auch eine gesunde Haut. Ist die Haut gesund, entsteht nicht so schnell ein Dekubitus, kleine Wunden heilen besser ab.

Den Allgemeinzustand verbessern.

Mangel- und Unterernährung ist vor allem im Alter ein zunehmendes Problem. Sie schwächt den gesamten Organismus. Je weniger Fettmasse vorhanden ist, desto stärker treten die Knochen hervor und bieten dadurch „Angriffspunkte“ für die Entstehung eines Dekubitus.

Die Portionen anpassen.

„Reichen Sie lieber häufiger kleine Portionen, wenn der Pflegebedürftige nicht mehr so recht essen mag!“, rät Marlene Sedlmayr. Essen Sie gemeinsam, unterhalten Sie sich dabei, um für eine gute Stimmung zu sorgen.“

Appetit machen.

„Das Auge isst mit!“, betont die Expertin. „Daher sollte man die Speisen hübsch anrichten. Sie müssen natürlich auch besonders schmackhaft sein, da im Alter die Geschmacksknospen nachlassen. Ich habe für meine 83-jährige Mutter, die auch nicht mehr richtig kauen konnte, z. B. hochkalorische, eiweißreiche Kost püriert, mit Alginaten angedickt und in Pralinenförmchen fest werden lassen. Das sah nett aus, und sie griff gerne zwischendurch zu.“

 

Ungeeignete Hilfsmittel

  • Sitzringe, ob aus Gummi oder Schaumstoff, entlasten zwar die Haut in der offenen Mitte, belasten aber dafür dort, wo der zu Pflegende dann aufsitzt, stärker.
  • Felle, Fellschuhe oder Watteverbände scheinen auf den ersten Blick wunderbar weich zu sein, doch auch von ihnen raten Experten dringend ab.
  • Schmerzsalbe auf wunde Druckstellen zu geben, ist keine gute Idee. Jede Schmerztherapie sollte man mit einem Arzt absprechen.
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