Wundbehandlung – Das sollten Sie wissen

Redaktion PraxisVITA

Bei Verletzungen im Alltag ist Vorsicht geboten: Harmloser Kratzer oder der Beginn einer Blutvergiftung? Oft entscheidet darüber allein die richtige Wundbehandlung.

Um den Arm eines Patienten wird ein Verband gelegt
Die richtige Wundbehandlung ist entscheidend für den erfolgreichen Heilungsverlauf einer Verletzung© vadimguzhva/iStock

"Das heilt bestimmt von selbst", denken viele und kleben ein Pflaster auf Kratzer, Schürfwunden und Co. Im schlimmsten Fall kann das schiefgehen. Wenn Krankheitserreger in die Wunde eindringen, sich dort vermehren und die Immunabwehr überwinden, droht eine Entzündungsreaktion des ganzen Körpers. Diese sogenannte Sepsis ist laut Medizinern die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Gerade deshalb ist eine schnelle, sorgsame Wundbehandlung auch kleiner Verletzungen so wichtig. Dr. Ulf Hannemann erklärt, worauf Sie achten sollten.



 

Was ist die richtige Wundbehandlung bei Schnittwunden?



„Lassen Sie kleinere Verletzungen zunächst bluten – das trägt zur Reinigung bei“, rät der Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Darmstadt. Bei leichten Verletzungen genügt ein Pflaster. Wenn das Blut aber pulsiert oder herausspritzt, wurde eine Arterie getroffen. Dr. Hannemann: „Bedecken Sie die Schnittwunde mit einer sterilen Kompresse oder einem sauberen Tuch. Falls das die Blutung nicht stoppt, legen Sie einen Druckverband an (s. u.). Danach lassen Sie sich umgehend von einem Arzt behandeln.“ Auch der Tetanus-Impfschutz gehört zur Wundbehandlung, da schon bei kleinen Schnitten Erreger in den Körper gelangen und zu Wundstarrkrampf führen können.

 Denken Sie immer daran, sich die Hände zu waschen, damit Sie keine Keime in die Wunde einschleusen.

Der Druckverband
 – so legen Sie ihn an

  • Waschen Sie sich die Hände
  • Drücken Sie eine Kompresse auf die Wunde.

  • 
Umwickeln Sie diese mehrfach mit einer Mullbinde.


  • Legen Sie nun ein Druckpolster – beispielsweise eine zweite Binde – auf den Wundbereich und verbinden Sie ihn fest mit dem Verband.


  • Schließlich die beiden Enden der Bandage verknoten. Verbundene Körperteile sollten möglichst hochgelegt werden.


 

Was passiert während einer Wundbehandlung?



Nur wenige Sekunden nach der Verletzung bilden kleine Blutplättchen, die Thrombozyten, an den Wundrändern einen Pfropf – er verschließt die Wunde und schützt vor Keimen. 24 bis 48 Stunden später dringen weiße Blutkörperchen in das verletzte Gewebe ein und befreien es von toten Zellen und Bakterien. Anschließend bildet der Körper neues Gewebe, das den Einschnitt mit frischen Hautzellen abdeckt. In der folgenden, „reparativen Phase“ bildet sich eine neue Hautoberfläche, die Wunde schließt sich allmählich – eine Narbe entsteht.



Eine Frau wäscht sich die Hände
Wer sich in den Finger geschnitten hat, sollte zur Wundbehandlung die Verletzung unter fließendes Wasser halten© GlobalStock/iStock
 

Soll ich Wunden auswaschen?



Stark verschmutzte Wunden sollten Sie mit fließend kaltem Wasser oder mit der Handbrause ausspülen. Das löst Schmutzpartikel und wäscht auch gröbere Verunreinigungen an der Wundoberfläche aus. Zur Wundbehandlung gehört, dass Sie die Verletzung mit einem Antiseptikum desinfizieren. „Falls Steinchen oder Splitter tiefer in die Haut eingedrungen sind, decken Sie die Wunde am besten nur mit einem Verband ab und lassen Sie die Fremdkörper von einem Arzt entfernen“, sagt Dr. Hannemann.



 

Wie sieht die Wundbehandlung bei Brandwunden aus?



Halten Sie kleinere Brandwunden fünf bis zehn Minuten unter zehn bis 20 Grad kaltes Wasser. Aber Achtung: „Kühlen Sie die Verbrennung auf keinen Fall zu lange oder mit eiskaltem Wasser! Die Gefäße der Haut ziehen sich dadurch zusammen, die Wunde wird größer und die körpereigene Immunreaktion geschwächt. Tragen Sie anschließend ein desinfizierendes Wundgel auf. Bilden sich Blasen oder sind große Hautstellen betroffen, gehen Sie schnellstmöglich zu einem Arzt,“ empfiehlt der Experte.



Eine Frau klebt sich ein Pflaster auf ihr Knie
Spezielle Hydrogele oder Feuchtigkeitspflaster helfen bei der Wundbehandlung und werden daher von vielen Ärzten empfohlen© robertprzybysz/iStock
 

Wundbehandlung: Genügt ein Pflaster bei kleinen Wunden?



Ein Pflaster schützt die Wunde zwar vor Schmutz und Keimen, die eine Entzündung verursachen können, aber die Wunde kann leicht austrocknen. Dadurch heilt sie langsamer ab und es bilden sich in der Regel größere Narben. Daher sollte die Wunde möglichst immer feucht gehalten werden – am besten mit einem medizinischen Wundgel. Aber auch spezielle Pflaster sind geeignet. Dr. Hannemann: „Feuchtpflaster besitzen eine gelhaltige Auflage und schließen dadurch die Verletzung hermetisch ab. Dies ermöglicht einen Heilungsprozess ohne Schorfbildung.“ Damit können neu entwickelnde Zellen leichter im Wundgewebe wachsen und die Verletzung versiegeln. Gleichzeitig beugen Sie damit der Narbenbildung vor. Die Pflaster sollten entfernt werden können, ohne dabei die Läsion tiefergehend zu beschädigen. Darüber hinaus sollten die Verbandsmittel keine Allergien auslösen. Fragen Sie im Zweifel Ihren Apotheker.

 

Wann sollte ich zum Arzt gehen?



Auch bei kleinen Schrammen oder leichten Schnittverletzungen ist die richtige Wundbehandlung wichtig. „Wunden von ein, zwei Zentimetern Länge, die nur wenig bluten, kann man selbst behandeln. Bildet sich aber Eiter, färbt sich die Umgebung der Wunde rot, oder entsteht ein roter Strich, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen – möglicherweise handelt es sich um eine Blutvergiftung“, so der Experte. Dann ist schnelle Hilfe notwendig: Denn unbehandelt kann eine solche Sepsis zu Nieren- oder Herzversagen führen.

 
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