Würden Sie Ebola überleben? – Forscher knacken den entscheidenden Immuncode

Genetik bestimmt Ebolasymptome
Forscher behaupten: Jeder Dritte unter uns könnte trotz Ebola-Infektion keine Symptome zeigen © Fotolia

Ebola gilt als eine der tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt. Tatsächlich sind aber die Reaktionen des menschlichen Körpers auf eine Ansteckung mit Ebola unterschiedlicher, als bisher angenommen: Während viele Menschen schwere Symptome entwickeln, zeigen andere nur leichte oder sogar überhaupt keine. Eine aktuelle Studie belegt nun, dass vor allem genetische Faktoren bestimmen, ob das Ebola-Virus eine Chance gegen das Immunsystem hat oder nicht – und nicht wie bisher gedacht der Zustand der körpereigenen Abwehrkräfte.

Forscher der University of Washington fanden heraus, dass in Wirklichkeit nicht jede Infektion zu den typischen Ebola-Symptomen führt. Vielmehr sind die auftretenden Krankheitsmerkmale sehr variabel und damit auch schwer zu bestimmen.

 

Jeder Mensch wird anders krank

Ob es überhaupt zu einem Ausbruch des Ebola-Virus kommt, eine Immunität vorliegt oder ob die Symptome im Falle eines Ausbruchs einen schweren – und damit oft tödlichen – oder leichten Verlauf nehmen, hänge nach Aussagen der Forscher von der genetischen Veranlagung der Infizierten ab. So stehen beispielsweise bestimmte Gene – die für die Heilung von Blutgefäßen und die Ausbildung von weißen Blutkörperchen verantwortlich sind – im Verdacht, den menschlichen Körper immun gegen das tödliche Virus zu machen.

Auch genetisch spezialisierte Zelltypen in der Leber, die über die Fähigkeit verfügen, eine Virusausbreitung im Körper zu unterdrücken, Blutgerinnungsstörungen zu vermeiden und Entzündungswerte zu vermindern, sind entscheidende vererbte Faktoren, die über den individuellen Krankheitsverlauf nach einer Ebola-Infektion bestimmen.

 

Sterblichkeitsrate niedriger als gedacht

In dem jetzt veröffentlichten Versuch mit Mäusen bestätigte sich diese Symptom- und Sterblichkeitsvarianz. Demnach erholten sich 19 Prozent der Tiere ohne Therapiemaßnahmen, elf Prozent zeigten eine Immunität und knapp 70 Prozent der infizierten Mäuse entwickelten schwere Symptome, an denen wiederum mehr als die Hälfte der Mäuse verstarben.

Für die medizinische Forschung bedeutet dies, dass die Sterblichkeitsrate nach einer Ebola-Ansteckung niedriger ist, als bisher angenommen (rund 30 bis 40 Prozent, anstatt 70 bis 80 Prozent) – da jede dritte Infektion mangels typischer Ebola-Symptome überhaupt nicht als solche wahrgenommen wird.

 

Von den Ergebnissen nicht täuschen lassen

Auch wenn die Studienautoren vor dem Hintergrund der gewonnenen Ergebnisse von völlig neuen Möglichkeiten zur Eindämmung der Krankheit – z.B. durch den Einsatz ausschließlich immuner Ebola-Pfleger –, dürfen sie in der aktuellen Lage nicht überbewertet werden. Ein Gentest, der exakt bestimmen kann, ob bei einem bestimmten Menschen eine Immunität gegen Ebola vorliegt oder nicht, ist zurzeit noch nicht möglich. Der Grund: die genauen genetischen Faktoren, die zu einer Immunität führen, sind nicht umfassend bekannt oder erforscht. Zudem wäre ein solcher Test – mit mehreren tausend Euro – extrem teuer.

Auch Menschen, die trotz einer Ebola-Infektion keine oder nur sehr leichte Symptome entwickeln, können ansteckend sein. Erst kürzlich zeigte eine Harvard-Studie, dass Menschen, die einen Virus in sich tragen, ohne Krankheitssymptome zu entwickeln als sogenannte „Superverteiler“ eingestuft werden müssen und statistisch viermal mehr Menschen anstecken, als Menschen mit Symptomen. Deswegen sollten Personen in Risikogebieten , die nur vermeintlich harmlose Symptome – wie z.B. die einer Erkältung – einen Ebola-Blut-Test machen, um eine Infektion mit Ebola auszuschließen.

Hamburg, 31. Oktober 2014

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