Woran erkenne ich eine Nierenbeckenentzündung beim Kleinkind?

Dr. med. Nadine Hess

Wie äußert sich eine Nierenbeckentzündung und was unterscheidet sie von der Blasenentzündung? Wer ist besonders gefährdet, eine Nierenbeckenentzündung zu erleiden? Wie wird behandelt und was muss anschließend beachtet werden?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess: Mit Nierenbeckenentzündung ins Krankenhaus
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Akute Nierenbeckenentzündungen (auch Pyelonephritis genannt) sind in den ersten beiden Lebensjahren gar nicht mal so selten.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Eine Nierenbeckenentzündung ist eine ernsthaftere Erkrankung des Urogenitaltraktes als eine Blasenentzündung. Glücklicherweise sind Blasentzündungen aber deutlich häufiger als Nierenbeckenentzündungen.

 

Symptome der Nierenbeckenentzündung bei Kindern

Akute Nierenbeckenentzündungen (auch Pyelonephritis genannt) sind in den ersten beiden Lebensjahren gar nicht mal so selten. Es kommt zu einer bakteriellen Infektion des Nierenbeckens (in den Nierenkörperchen wird der Urin gebildet und fließt von da in das Nierenbecken und anschließend über den Harnleiter in die Blase). Die Kinder leiden, anders als bei einer Blasenentzündung, an stärkeren Allgemeinsymptomen wie Fieber, welches sogar recht hoch sein kann, deutlicher Abgeschlagenheit, Trinkschwäche, Bauch- oder Rückenschmerzen (Rückenschmerzen können die Kleinen aber meistens noch nicht angeben) oft auch an Erbrechen.

 

Nierenbeckenentzündung bei Mädchen und Jungen

Nierenbeckenentzündung bei Kindern: Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit
Symptome einer Nierenbeckenentzündung bei Kindern sind Abgeschlagenheit und Fieber, Bauch- und Rückenschmerzen, anders riechender Urin und häufig auch Erbrechen© Fotolia

Jungen leiden insbesondere in den ersten beiden Lebensjahren häufiger an einer Nierenbeckenentzündung, Mädchen in den ersten fünf Jahren. Besonders gefährdet sind Kinder, die eine Besonderheit des Nierenabflußtraktes haben, wie etwa einen Harnrückstau durch Engstellen im Harnleiter, Harnröhrenklappen oder einen vesikouretralen Reflux (dabei fließt immer wieder Urin von der Blase zurück in den Harnleiter Richtung Niere). Mädchen sind insg

esamt etwas anfälliger für Infekte der Harnwege, da die Harnröhre viel kürzer als bei Jungen ist und somit auch der Weg für Bakterien in die Blase nicht so weit ist.

Diagnostiziert wird eine Pyelonephritis anhand der Anamnese (also nach den geschilderten Beschwerden) und einer Untersuchung des Urins mittels Streifentest. Dabei kann man dann weiße Blutkörperchen und meist auch Blut nachweisen. Häufig riecht der Urin auch auffällig anders als sonst. Am besten wird ein bisschen des Urins auch zur kulturellen Untersuchung eingeschickt, damit man weiß, welcher Keim die Entzündung ausgelöst hat.

Eine Nierenbeckenentzündung muss antibiotisch behandelt werden, bei Kindern unter sechs Monaten sogar im Krankenhaus mit intravenösen Antibiotika. Es ein Ultraschall ist dringend notwendig, gegebenenfalls auch weitere Abklärungen, um herauszufinden ob anantomische Besonderheiten vorliegen, die eine Pyelonephritis begünstigen. In einigen Fällen ist nämlich dann eine längerfristige antibiotische Prophylaxe sinnvoll, um wiederkehrende Pyelonephritiden zu vermeiden. Sie können nämlich , wenn häufiger vorkommend, dauerhafte Schäden an der Niere hinterlassen.

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