Woran erkenne ich eine Entwicklungsstörung?

Dr. med. Nadine Hess

Bei einigen Kindern zeigt sich erst im Laufe der Zeit, dass sie sich in einigen Bereichen langsamer entwickeln als andere Gleichaltrige. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wann eine Entwicklungsstörung behandelt werden muss und was Eltern noch wissen sollten.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Für Eltern ist es nicht leicht, eine Entwicklungsstörung zu erkennen. Sprechen Sie daher immer den Kinderarzt an, wenn sie verunsichert sind.“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Zunächst einmal sollte immer klar sein, dass jedes Kind einzigartig ist und sich in seinem eigenen Tempo entwickelt. Trotzdem kommen oft besorgte Eltern in meine Praxis, weil ihr Kind beispielsweise im achten Lebensmonat noch nicht krabbeln kann, obwohl andere Babys im Bekanntenkreis schon im sechsten Monat damit angefangen haben. Dabei gibt es auch Fälle, in denen ein Baby erst mit zehn Monaten krabbelt – und trotzdem kerngesund ist.

Natürlich gibt es gerade für das erste Lebensjahr diverse Richtwerte, an denen sich Eltern orientieren können. Aber genau diese machen es oft schwer, zu entscheiden, ob sich das Kind einfach in seinem eigenen Tempo entwickelt oder ob wirklich eine Entwicklungsstörung vorliegt. Sprechen Sie Ihren Kinderarzt gern bei Unsicherheiten an – er kann Ihnen erklären, ab wann die verzögerte Entwicklung einer Behandlung bedarf.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Der Kinderarzt kann beurteilen, ob eine Entwicklungsstörung vorliegt und wie diese am besten behandelt wird© iStock
 

Entwicklungsstörung: Worauf sollten Eltern achten?

Eine Entwicklungsstörung kann verschiedene Ursachen haben: Beispielsweise kann sich eine Hör- oder Sehschwäche auch auf die geistige Entwicklung des Kindes auswirken. Auch genetische Ursachen oder organische Schäden können das Lerntempo beeinflussen. Hat der Nachwuchs also bereits eine Beeinträchtigung wie eine Hörschwäche, ist es sinnvoll, das Kind genauer zu beobachten und eventuelle weitere Probleme frühzeitig beim Kinderarzt anzusprechen. Denn: Je früher eine Entwicklungsstörung erkannt und behandelt wird, desto größter ist die Chance, dass mögliche spätere Folgen verhindert oder gemindert werden können.

 

Gezielte Förderung durch Fachkräfte

Auch wenn die letztendliche Diagnose einer Entwicklungsstörung für Eltern oft zunächst einmal ein Schock ist, empfinden viele nach kurzer Zeit auch eine gewisse Erleichterung. Denn wenn feststeht, in welchem Bereich ein Kind Unterstützung benötigt, kann diese durch Fachkräfte auch gezielt erfolgen und oft kann die Entwicklungsverzögerung dadurch wieder aufgeholt werden.  Der Austausch mit Ärzten und Therapeuten hilft auch den Eltern beispielsweise dabei, vergangene Beobachtungen, die sie als beunruhigend empfanden, einzuordnen und besser zu verstehen.

Im Artikel „Sprachentwicklung fördern“ erfahren Sie außerdem, wie die Sprachentwicklung bei Kindern abläuft.

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