Woran erkenne ich eine Atemwegserkrankung?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Wie werden Atemwegserkrankungen wie Bronchitis oder Asthma richtig erkannt und behandelt, und worauf muss bei der Wahl von Inhalationssystemen geachtet werden? Unser Experte Prof. Dr. Wolfgang Kamin, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Krankenhaus Hamm und einer der führenden Kinderärzte Deutschlands, beantwortet diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Atemwegserkrankungen.

Viele Menschen leiden an Atemwegserkrankungen. Welche Atemwegserkrankungen kommen gerade bei Kindern besonders häufig vor?

Bei Kindern treten besonders oft Infektionskrankheiten auf, die durch Viren verursacht werden, wie beispielsweise Bronchitis, Bronchiolitis (Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien), Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Kehlkopfentzündung (Laryngitis), Mandelentzündung (Tonsillitis) oder Schnupfen. Außerdem kommt bei nicht geimpften Kindern unverändert der Keuchhusten häufig vor. Des Weiteren leiden Kinder häufig an obstruktiven Atemwegserkrankungen, wie Asthma oder an einer Kehlkopfentzündung mit Schleimhautschwellung (Krupp).

Asthma oder starke Erkältung? Woran erkenne ich den Unterschied?

Asthma zeichnet sich häufig im Gegensatz zu einer Erkältung durch hörbare Geräusche beim Ausatmen (meist ein lautes Pfeifen), Reizhusten ohne Schleimabsonderung und – bei einem Anfall – akute Atemnot aus. Allerdings können auch virale Infekte einen Asthmaanfall auslösen.

Prof. Dr Wolfgang Kamin
Experte Prof. Dr. Kamin: "Auch Naturheilmittel können bei Atemwegserkrankungen eingesetzt werden. Umckaloabo wirkt zum Beispiel gut bei einer Erkältung oder Bronchitis und kürzt zudem die Krankheitsdauer ab."© privat

Gibt es verschiedene Asthma-Formen?

Ja, neben allergischem Asthma, das vor allem durch Allergien gegen Tierhaare und Hausstaubmilben ausgelöst wird, gibt es gerade bei Erwachsenen ein Asthma, das durch schmerzstillende Medikamente (wie zum Beispiel NSAR, ASS), Staub, Stress, Autoabgase, Kältereize oder Infekte bedingt sein kann. Allergien sind bei diesen Patienten dann nicht nachweisbar (nicht-allergisches Asthma).

Kann man auch „nicht-allergisches“ Asthma haben und zusätzlich eine Allergie?

Ja, das ist gerade bei Erwachsenen möglich. Allergisches Asthma tritt dagegen häufig zusammen mit anderen Krankheiten auf bzw. wird dadurch erstmalig ausgelöst, wie zum Beispiel Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien oder Heuschnupfen.

Muss bei Asthma immer ein Asthma-Spray verwendet werden?

Es empfiehlt sich, bei Asthma bronchiale eine sogenannte inhalative Therapie mithilfe von Asthmaspray durchzuführen. Sie kann durch begleitende Maßnahmen, wie zum Beispiel durch eine sogenannte Asthmaschulung unterstützt werden. Besonderer Wert bei Kindern ist auf die Art des Inhalationdevices  zu legen, da häufig der Erfolg der Therapie auch vom Gerät abhängig ist (siehe unten).

Gibt es Nebenwirkung beim Asthma-Spray? Ist eine Überdosierung möglich?

Jedes Medikament mit Wirkung hat auch Nebenwirkungen. So treten bei den sogenannten Relievern – Medikamente, die die Bronchien erweitern – als Nebenwirkung oder Überdosierungssymptome Unruhe und Schlaflosigkeit auf.

Bei den cortisonhaltigen Mitteln kann es zu Mundsoor (Pilzinfektion im Mund- und Rachenraum) kommen. Eine Überdosierung ist hier recht selten, es kann aber in extremen Ausnahmefällen auch zu den typischen Cortison-Nebenwirkungen (wie hohe Infektanfälligkeit, Hautveränderung und Gewichtszunahme, etc.) kommen.

Welche Inhalationssysteme gibt es?

Zur Inhalation stehen im Wesentlichen drei verschiedene Systeme zur Verfügung: Dosieraerosole (pMDI), Trockenpulverinhalatoren (DPI) und Feuchtvernebler.

Worauf sollte bei der Auswahl der Inhalationssysteme geachtet werden?

Die Auswahl des Inhalationssystems sollte zuerst nach dem Alter erfolgen. Vor allem die Bedienung und die Teilchengröße der Wirkstoffe, die von den Inhalatoren freigesetzt werden, müssen altersgerecht sein. Der behandelnde Arzt wird Sie entsprechend darüber informieren. Darüber hinaus sind aber auch der Gesundheitszustand und die Vorlieben des Patienten sowie die Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen zu berücksichtigen.

Junge inhaliert
Die Auswahl des Inhalationssystems sollte nach dem Alter erfolgen, denn die Atemwege von Kindern und Jugendlichen haben einen deutlich geringeren Durchmesser als die von Erwachsenen© imago

Wo liegen die Unterschiede in der Anwendung der verschiedenen Inhalationssysteme?

Sehr junge Patienten sollten vorzugsweise mit Feuchtverneblern (Düsen- oder Ultraschallverneblern) therapiert werden, die auch einfach zu bedienen sind. Bis zum 2. Lebensjahr ist dabei die sogenannte Maskeninhalation vorteilhaft, denn Säuglinge können einen Vernebler über den Mund nicht richtig benutzen. Ab dem 3. Lebensjahr sollte die Inhalation am besten nur noch über den Mund erfolgen, da so die Wirkstoffe direkt, ohne den Umweg über die Nase, in die Bronchien gelangen können. Die Maskeninhalation mit Dosieraerosolen kann bis zum 2. Lebensjahr genau wie mit Verneblern erfolgen, indem eine Maske auf die Vorsatzkammer gesetzt wird. Dosieraerosole mit Vorsatzkammer können bei Kindern ab drei Jahren erfolgreich eingesetzt werden, wenn der Patient einen langsamen, gleichbleibenden Einatmungsfluss erzeugen kann. Trockenpulverinhalatoren eignen sich nur für ältere Kinder, da sie den Einatmungsfluss besser kontrollieren können als kleinere Kinder.

Worauf sollte bei Kindern und Jugendlichen bei der Anwendung von Inhalationssystemen besonders geachtet werden?

Bei Kindern und Jugendlichen sollte unter anderem berücksichtigt werden, dass ihre Atemwege einen deutlich geringeren Durchmesser haben als die von Erwachsenen. Durch Entzündungen, Schleimbildung und ein Zusammenziehen der glatten Bronchialmuskulatur können sie sich noch weiter verengen, sodass die Größe der Wirkstoffteilchen, die vom Inhalator abgegeben werden, eine wichtige Rolle spielt. Bei zu großen Wirkstoffteilchen bleibt ein beträchtlicher Teil der Dosis bereits im Mund- und Rachenraum hängen und kann dort dann auch ungewollte Nebenwirkungen hervorrufen.

Können auch Naturheilmittel bei einer Atemwegserkrankung eingesetzt werden? Wenn ja, welche Naturheilmittel sind am besten geeignet?

Ja, auch Naturheilmittel können bei Atemwegserkrankungen eingesetzt werden. Umckaloabo wirkt zum Beispiel gut bei einer Erkältung oder Bronchitis und kürzt zudem die Krankheitsdauer ab. Das haben verschiedene Placebo-kontrollierte Studien gezeigt. Auch Echinacea-Präparate können bei Erkältung erfolgreich eingesetzt werden.

Es gibt auch Asthma-Formen mit Übergang zur COPD. Was ist der Unterschied zwischen Asthma und COPD?

Eine echte COPD ist vor allem eine Folge langjährigen Rauchens und beginnt meist erst ab dem 45. Lebensjahr. Asthma tritt schon im Kindesalter auf. Asthmatiker verspüren die Atemnot nur bei einem akuten Anfall, COPD-Patienten leiden ständig unter Atemnot und husten vor allem morgens viel Schleim ab. Asthmatiker haben meist Reizhusten – auch nachts – bei dem aber kein Schleim abgehustet wird.

Können auch Kinder COPD bekommen?

Nein, COPD betrifft bis auf seltene Ausnahmen keine Kinder.

Wie wird COPD behandelt?

Die wichtigste Maßnahme ist ein Rauchstopp, absolute Nikotin-Abstinenz. Die medikamentöse Therapie ist in Stufen gegliedert, je nach Schweregrad der Erkrankung. Grundpfeiler ist die Inhalationstherapie mit sogenannten Bronchodilatatoren, die die Bronchien erweitern und die Bronchialmuskulatur entspannen. Gegebenenfalls kommen dann noch lang wirksame bronchienerweiternde Mittel dazu. Verschlechtert sich der Zustand, kann im Akutfall zusätzlich noch inhalatives Cortison gegeben werden.

Kann COPD aus einer normalen Bronchitis oder einem grippalen Infekt entstehen?

Nein, COPD kann nicht aus einer einmaligen akuten Bronchitis entstehen. COPD ist die Folge einer chronischen Bronchitis, meist aufgrund von langjährigem Nikotinmissbrauch, verschleppter Infekte oder angeborener Erkrankungen.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.