Woher kommt der Bierbauch?

Macht uns Bier dick?
Entsteht der Bierbauch durch den Genuss von alkoholischen Getränken? Aber wenn das tatsächlich stimmen sollte, wieso bekommen ihn dann nur Männer? © Corbis

Wenn Männer dick werden, heißt es schnell: Da ist er, der Bierbauch. Doch entsteht der angebliche Bierbauch tatsächlich durch den Genuss von alkoholischen Getränken? Und wieso bekommen ihn dann nur Männer? Praxisvita.de hat die neusten Fakten aus der Forschung.

 

Macht Bier dick? Keine einfache Rechnung!

Bier enthält viele Kalorien. Je nach Sorte – ein Weizen macht beispielsweise tendenziell weniger dick als ein Pils – kommt ein halber Liter Bier auf 230 bis 250 Kalorien. Im Vergleich sind das mehr Kalorien als bei einem 200 Gramm Schweineschnitzel. Der Haken an der Sache: Im Gegensatz zum Schnitzel machen die Bier-Kalorien nicht satt. Und: Alkohol wirkt appetitanregend. So gesellt sich zum Bier dann gern eine deftige, sättigende Mahlzeit. Doch was passiert mit den Bier-Kalorien im Körper? Wandern sie tatsächlich sofort in Richtung Gürtellinie? Oder gibt es den sogenannten Bierbauch eigentlich gar nicht?

 

Bier enthält zwar kein Fett, aber bekanntlich Alkohol und der wird im Körper verbrannt. Da der Körper aber keinen Alkoholspeicher besitzt, sondern nur einen Fettspeicher, wird überflüssiges Brennmaterial – also die Bier-Kalorien – in Fett angelegt. Doch die Biergenuss-Bierbauch-Rechnung ist nicht so einfach: Studien des University College of London haben gezeigt, dass bei Männern Bierkonsum und Body Mass Index (BMI) in keinem direkten Zusammenhang stehen. Bier macht also nicht automatisch dick! Beim weiblichen Körper scheint sogar das Gegenteil der Fall zu sein: Frauen, die moderat Bier trinken, sind im Durchschnitt etwas schlanker als Frauen, die überhaupt keinen Alkohol konsumieren.

 

Wieso sieht man den Bierbauch vor allem bei Männern und nicht bei Frauen?

Das Bierbauch-Phänomen hängt vor allem mit zwei Faktoren zusammen: Geschlecht und Alter. Im Alter von etwa 35 Jahren verlangsamt sich bei den meisten Männern der Stoffwechsel. Das bedeutet: Sie nehmen eher zu. Und Männer sind genetisch darauf programmiert, zusätzliches Gewicht am Bauch zu speichern, während Frauen Fett eher am Gesäß und den Oberschenkeln ansetzen.

 

Wie gefährlich ist das Fett wo?
Bauchfett: Sehr gefährlich

Der Bauch ist eine besonders gefährliche Fettzone am menschlichen Körper. Das Fett sammelt sich dabei rund um die inneren Organe, gelangt so leicht in den Blutkreislauf und belastet ihn mit ungesunden Fettsäuren und Zytokinen (Wachstumsproteine). Außerdem steigert der erhöhte Fettanteil im Blut den Cholesterinspiegel. Die Liste der Gesundheitsrisiken und Erkrankungen, die in direktem Bezug zu Bauchfett stehen, ist lang: Neben Herzinfarkt, Bluthochdruck und Schlaganfall steigt mit dem Bauchumfang auch die Gefahr, an Diabetes und Thrombosen zu erkranken.

Männerbrust
Mit dem Brustfett und erhöhten Östrogenwerten steigt bei Männern das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken © istock
 

Brustfett: Nur für Männer gefährlich

Der Ansatz von Bauchfett geht häufig einher mit erhöhtem Fettansatz im Brustbereich. Während die weibliche Brust von Natur aus als Fettspeicher fungiert, fühlen sich Männer durch deutlich sichtbares Brustwachstum schnell entstellt. Brustfett bei Männern ist tatsächlich ein Zeichen dafür, dass sie durch die Aufnahme pflanzlicher Hormone – wie sie sich in größeren Mengen im Bier befinden – den Östrogen-Wert im Körper erhöht und so eine eher weibliche Fettverteilung begünstigt haben. Dieser Umstand erklärt auch, wieso Weintrinker in der Regel keinen Bierbauch haben. Zu viel Östrogen im Körper ist für Männer grundsätzlich eher ungesund. Ein gesteigerter Wert an weiblichen Geschlechtshormonen führt beim ‚starken Geschlecht’ zu erhöhter Herzinfarkt- und Schlaganfallgefahr. Zudem steigt mit dem Brustfett und erhöhten Östrogenwerten das Risiko, als Mann an Brustkrebs zu erkranken.

 

Hüft-, Oberschenkel- und Gesäßfett: In Maßen sogar gesund

Der weibliche Körper speichert Fett vorzugsweise rund um die Hüften, an den Oberschenkeln oder am Gesäß. Das mag viele Frauen aus ästhetischen Gründen stören, aber aus rein gesundheitlicher Sicht ist es dort deutlich besser aufgehoben, als am Bauch. Einer Studie der Universität Oxford zufolge ist die bauchferne Fettanlagerung nicht nur weniger belastend für den Körper, sondern kann sogar gesundheitsfördernd wirken. Die Erklärung: Während  Bauchfett schädliche Fettsäuren und Proteine in die Blutbahn freisetzt, die beispielsweise Entzündungen begünstigen, bindet Hüft- Oberschenkel- und Gesäßfett solche Blutverunreinigungen und lagert sie ein. Auf diese Weise verhindern die bauchfernen Fettpolster, dass schädliche Fettsäuren und Zytokine die Leber oder Muskeln erreichen und von dort aus gesundheitlichen Schaden anrichten. Auch das Risiko einer Blutgefäßverkalkung verringert sich.

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