Wo Johanniskraut Medikamente schlägt

Johanniskraut lindert Depressionen
Johanniskraut wird empfohlen bei leichten bis mittelschweren Depressionen © istock

Der Herbst drückt auf die Stimmung. Vermutlich jeder zehnte Erwachsene leidet unter einer saisonal abhängigen Depression. Lesen Sie hier, warum Johanniskraut eine gesunde Alternative zu synthetischen Antidepressiva ist.

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland nehmen Medikamente gegen Depressionen ein. Am häufigsten wird dabei die Wirkstoffklasse der sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) wie z.B. Citalopram oder Fluoxetin verschrieben. Serotonin ist als Glückshormon bekannt. Bei Menschen mit depressiven Verstimmungen liegt ein Mangel vor. Patienten müssen dann häufig Arzneimittel einnehmen, um den Serotoninspiegel zu erhöhen. Die SSRI verhindern, dass Serotonin wieder in die Nervenzelle aufgenommen wird. Das heißt, es liegt mehr freies Serotonin im Gehirn zur Übertragung von Nervensignalen vor. Dies hebt die Stimmung.

Das Problem: Diese Antidepressiva blockieren die Wiederaufnahme von Serotonin auch in anderen Teilen des Körpers, wo dieses Hormon nötig ist – und zwar in den Blutplättchen. Dadurch verschlechtert sich die Blutgerinnung, und die Blutungsgefahr steigt. Weil auch viele Schmerztabletten die Blutungsneigung erhöhen, vervielfacht sich der Effekt. Wissenschaftler wollten jetzt herausfinden, ob Johanniskraut genauso gut wirkt wie die Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer – ohne den blutverdünnenden Effekt.

 

Wie gut hilft Johanniskraut bei Depressionen wirklich?

Das Ergebnis: Hochwertiger Johanniskraut-Extrakt in zugelassenen Arzneimitteln einzunehmen, ist in seiner antidepressiven Wirkung den gängigen SSRI ebenbürtig und schneidet in der Verträglichkeit deutlich besser ab. Das zeigt eine aktuelle Analyse, die Studien aus den Jahren 1966 bis April 2015 auswertete. 27 klinische Studien, die die Wirksamkeit und/oder Verträglichkeit von Johanniskraut-Extrakten mit SSRI untersuchten, entsprachen den Kriterien. In diese waren insgesamt 3.126 Patienten, mit überwiegend leichter bis mittelschwerer Depression eingeschlossen.

 

Johanniskraut besser verträglich als SSRI

Johanniskrautextrakt und SSRI zeigten eine vergleichbare Wirksamkeit hinsichtlich der schwindenden Symptome. Darüber hinaus wurde eine deutlich bessere Verträglichkeit von Johanniskraut-Extrakt festgestellt. Im Vergleich zu den SSRI wurden unter Johanniskraut-Extrakt selten Nebenwirkungen und deutlich weniger Therapieabbrüche beobachtet.

Dosierung: Nötig sind dafür Johanniskraut-Konzentrationen mit 600 Milligramm pro Tag (z.B. Neuroplant® Aktiv, rezeptfrei in der Apotheke). Oder einen Esslöffel getrocknete Blüten (Apotheke) mit 200 ml Wasser überbrühen, zehn Minuten ziehen lassen. Morgens und abends eine Tasse trinken.

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