Wo jetzt Schulschließungen wegen der Bundes-Notbremse drohen

Gaby Scheib

Schon morgen tritt die Bundesnotbremse in Kraft. Das hat auch Folgen für die Schülerinnen und Schüler: In diesen Ländern könnte es nun zu Schulschließungen kommen.

Laut der neuen Regeln sollen sich die Lernenden ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 in den Wechselunterricht begeben. Wird die 165er-Marke an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten, muss es gemäß der Bundesnotbremse auch zu Schulschließungen kommen. Es gibt dann nur noch Distanzunterricht, Präsenzunterricht ist nicht mehr erlaubt. Liegt der Inzidenzwert fünf Tage nacheinander unter 165, dürfen die Bildungsstätten wieder öffnen.

Da dieser Schwellenwert neu ist und viele Länder bisher selbst festgelegt haben, wann die Schulen schließen, müssen sie sich nun darauf einstellen. Besonders betroffen sind Bayern, Sachsen und Thüringen.

Wo Schulschließungen wegen der Bundesnotbremse drohen – der Überblick (Stand 23.April):

Mädchen in Schule macht Schnelltest
Service Giftige Inhaltsstoffe in Schnelltests an Schulen?

 

In Baden-Württemberg müssen 29 Kreise schließen

Hier galt bisher eine Inzidenz von 200. Das Land wird seine Maßnahmen an die Bundesnotbremse anpassen und Schulen ab einer Inzidenz von 165 schließen. Dies gilt derzeit für 29 der 44 Kreise. Vier davon liegen außerdem unter 100.

 

69 Kreise betroffen: In Bayern gilt ein Wert von 100

57 der 71 bayerischen Kreise liegen zurzeit über der 165er-Marke, in vier Kreisen sogar über 300 (Kronach, Haßberge, Mühldorf am Inn und Landshut). Lediglich zwei Kreise (Garmisch-Partenkirchen und Tirschenreuth) haben eine Inzidenz von unter 100. Da Bayern aber bisher sowieso schon strengere Regeln hatte und ab einem Grenzwert von 100 die Schulen schließt, ändert sich hier nichts.

 

In Berlin drohen derzeit keine Schließungen

Die gemeldete Inzidenz für den Stadtstaat beträgt 135 – damit gelten die Regelungen für den Wechselunterricht.

Wald in Rheinland-Pfalz
Service Inzidenz 0,0: Hier gab es noch nie Corona!

 

Vier Kreise in Brandenburg liegen über der 165

In den Kreisen Spree-Neiße, Cottbus, Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster müssen die Schulen dicht machen, in 12 Kreisen wäre Wechselunterricht angesagt und zwei Kreise dürfen die Schulen öffnen.

 

In Bremen wird es knapp

Mit 165,3 liegt der Stadtstaat knapp über dem Schwellenwert – bleibt es so, müssen die Schulen hier erst mal schließen.

 

Hamburg dürfte in den Wechselunterricht

Auch in der Hansestadt galt für Schulen bisher die Marke von 200 für Schließungen, das wird nun angepasst. Bei einem derzeitigen Inzidenzwert von 124,9 – Tendenz sinkend – würden hier aber erst mal der Wechselunterricht beibehalten.

 

Hessen muss in 13 Kreisen schließen

Von den 26 Kreisen überschreiten 13 die 165: Hier müssten die Schulen schließen. Nur der Werra-Meißner-Kreis liegt mit 99,4 knapp unter der 100.

 

In Mecklenburg-Vorpommern sind in sieben Kreisen die Schulen zu

Wie in Bayern gelten auch hier bereits strengere Regeln als nun in der Bundesnotbremse festgelegt: Schon ab einer Inzidenz von 100 werden die Lernenden in den Distanzunterricht geschickt, dies soll auch so bleiben. Dies betrifft derzeit sieben der acht Kreise.

 

Fünf Kreise sind in Niedersachsen betroffen

Bisher galt auch hier ab einer Marke von 100 der Distanzunterricht – im Gegensatz zu Bayern und Mecklenburg-Vorpommern will sich Niedersachsen allerdings an die Bundesnotbremse halten. Derzeit wären fünf der 45 Kreise betroffen. Die Lage sieht aber auch gut aus: Insgesamt 24 Kreise liegen unter dem Wert von 100.

 

28 Kreise in Nordrhein-Westfalen müssen Schulen schließen

Das Land hatte zuvor auch erst ab einer Inzidenz von 200 die Schulen geschlossen. Nun müssen insgesamt 28 der 53 Kreise die Lernenden in den Distanzunterricht schicken. Unter der 100er-Marke liegen nur die beiden Landkreise Coesfeld und Höxter.

 

In Rheinland-Pfalz liegen neun Kreise über 165

Das Bundesland behält das bisherige Verfahren bei und berät schon ab einer Inzidenz von 100 über Schulschließungen – dies betrifft derzeit 29 der 36 Kreise.

 

Im Saarland muss nur ein Kreis schließen

Lediglich der Landkreis Stadtverband Saarbrücken liegt – mit knapp 229 allerdings deutlich – über dem Schwellenwert. Für vier Kreise würde nach derzeitigem Stand Wechselunterricht gelten, ein Kreis (Saar-Pfalz-Kreis) unterschreitet die 100.

Mann trainiert nach Lockdown wieder im Fitnessstudio
Service Fitnessstudios geöffnet: Hier wird wieder geschwitzt

 

Neun Kreise in Sachsen betroffen

Für die Schulen in Sachsen hat die Bundesnotbremse große Auswirkungen: Hier waren die Bildungsstätten bisher offen, unabhängig vom Inzidenzwert. Nun müssen die Schulen in neun Kreisen in den Distanzunterricht gehen, für vier Kreise gilt Wechselunterricht. Kein einziger Kreis liegt unter dem Wert von 100.

 

Sachsen-Anhalt überschreitet die 165 in sechs Kreisen

Da bisher die Marke von 200 für die Schließung der Schulen galt, müssen viele weitere Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben: In sechs Kreisen liegt die Inzidenz über 165, in sieben weiteren über 100 und nur der Landkreis Börde schafft es, die 100 zu unterschreiten. 

 

Keine Schulschließungen in Schleswig-Holstein

Das nördlichste Bundesland ist wegen der guten Zahlen nicht begeistert von der Bundesnotbremse, macht aus Solidarität aber mit. Kein einziger Kreis überschreitet hier die 165, lediglich im Herzogtum Lauenburg und im Kreis Stormarn müssten die Lernenden zum Wechselunterricht übergehen. Alle anderen der 15 Kreise liegen unter der Inzidenz von 100, drei sogar unter 50.

Geteiltes Bild: Straßenzug in der Abenddämmerung / Spaziergänger im Park im Sonnenschein
Service Corona-Chaos: Ein Ort, zwei Inzidenzwerte!

 

16 Kreise in Thüringen müssen schließen

Ähnlich wie Sachsen ist auch Thüringen stark betroffen: Hier wurden bisher ab einer Inzidenz von 150 Schulschließungen geprüft – nun gilt der Distanzunterricht in 16 von 23 Kreisen. In sieben Kreisen müssen die Schülerinnen und Schüler in den Wechselunterricht. Kein Kreis liegt unter 100.

Wenn die neuen bundeseinheitlichen Maßnahmen wie erhofft wirken, können die Schulen nach diesen drastischen Einschnitten nach und nach wieder in den Wechsel- oder Präsenzunterricht zurückkehren. Doch bis dahin drohen erst mal noch weitere Schulschließungen wegen der Bundesnotbremse.

Quellen: ​
Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard in: experience.argcis.com
Wo die Bundesnotbremse greift – und wo sie ignoriert wird in: spiegel.de
„Verschärfter bundesweiter Lockdown“: Hier drohen die nächsten Schulschließungen in: focus.de

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2021 praxisvita.de. All rights reserved.