Wissenschafts-Sensation: Zweite Haut zum Aufcremen entwickelt

Redaktion PraxisVITA
Vorher-Nachher-Bild einer Frau mit Falten
Falten könnten dank einer neu entwickelten künstlichen Haut bald der Vergangenheit angehören © Youtube

Falten, schlaffe Haut, Flecken – das alles soll mit nur einmal eincremen so gut wie verschwinden. Das Geheimnis dahinter: US-Forscher haben eine künstliche zweite Haut zum Selbstauftragen entwickelt, die nicht nur schön macht, sondern sich auch medizinisch nutzen lässt.

Es klingt wie ein schönes Märchen: Neue, elastische Haut, die man einfach wie eine normale Hautcreme aufträgt und die unsere eigene Haut wieder in jugendlichem Glanz erstrahlen lässt. Genau das verspricht die neueste Entwicklung der Firma Living Proof Inc. in Cambridge, USA. Wissenschaftler des MIT und andere Labore haben für die Firma ein Polymer entwickelt, das die mechanischen und elastischen Funktionen der menschlichen Haut imitiert und teilweise sogar übertrifft.

Viele Versuche wurden in der Vergangenheit unternommen, menschliche Haut nachzubauen. „Es ist sehr schwer, ein Material herzustellen, das sich genau wie die menschliche Haut verhält. Alle bisher verfügbaren Materialien waren nicht flexibel genug, weder angenehm zu tragen noch irritationsfrei und auch nicht in der Lage, sich den Bewegungen der Haut anzupassen“, sagt Barbara Gilchrest, die als Dermatologin an der Entwicklung der künstlichen Haut beteiligt war.  

 

Neue Haut in zwei Schichten

Auf der Suche nach dem hautähnlichsten Material testeten die Forscher über 100 verschiedene Polymer-Komponenten, bis sich sogenannte Polysiloxane als ideale Kandidaten herausstellten. Das neu entwickelte Polymer enthält Ketten aus Silizium und Sauerstoffatomen und bildet besonders flexible Netzwerkstrukturen aus.

„Es wird in zwei Schichten aufgetragen“, erklärt Robert Langer, Senior-Autor der Studie. „Erst verreibt man eine erste Schicht auf der Haut, dann eine zweite. Die Schichten verbinden sich und erzeugen eine feste Oberfläche“. Nach einem Selbstversuch war der Wissenschaftler selbst überrascht von der phänomenalen Wirkung der Polymer-Haut: „Man konnte sie fast nicht mehr sehen. Nach einer Minute wusste ich nicht mehr, dass sie da war“. Die erste Schicht besteht aus den Polysiloxanen, die zweite aus einem Platin- Katalysator, der das Polymer veranlasst einen festen Film zu bilden. Die Inhaltstoffe klingen auf den ersten Blick sehr chemisch und unnatürlich, der Verdacht liegt nahe, dass so eine Prozedur der eigenen Haut schaden kann. Bisher wurden allerdings in keinem der durchgeführten Experimente Hautirritationen beobachtet.

Zwei verschiedene Creme-Komponenten
Die künstliche Haut wird in zwei Schichten aus verschiedenen Komponenten auf die Haut aufgetragen© Youtube
 

Polymer-Haut ist sogar elastischer als natürliche Haut

Die neuentwickelte Haut hat besonders im kosmetischen Bereich große Vorteile: Versuche mit Probanden zeigten, dass die Polymer-Creme mit sofortiger Wirkung Falten glättet, Tränensäcke strafft und sogar die Hautfeuchtigkeit verbessert. In puncto Elastizität übertrifft das Material menschliche Haut sogar: Während sich unsere Haut nur um 180 Prozent dehnen lässt, kann die künstliche Haut bis auf 250 Prozent gedehnt werden und geht danach wieder in den Ausgangszustand zurück. Die zweite Haut hält etwa 24 Stunden und kann einfach abgezogen oder mit normalem Make-Up-Entferner abgewaschen werden.

Doch die Polymer-Haut hat nicht nur ästhetische Vorteile. Damit die Haut auch vor Umwelteinflüssen wie Schadstoffen, UV-Strahlen und extremen Temperaturen geschützt ist, kann die zweite Haut auch als Barriere dienen. Die Wissenschaftler arbeiten daran, die zweite Haut in Zukunft zu nutzen, um auch Medikamente an die Haut abzugeben. 

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 10. Mai 2016

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