Was dieses Bild über mein Gehirn verrät

Verena Elson

Turi et al./eLife

Die Autismus-Diagnose kann schwierig sein - besonders in Grenzfällen. Ein kleiner Trick kann dabei helfen, wie italienische Forscher jetzt in einer Studie herausgefunden haben.

Was sehen Sie in diesem Video? Weiße Punkte, die sich über schwarze Punkte bewegen oder eine Säule, die sich dreht?

Die Art, wie eine Person dieses Video betrachtet, kann Hinweise darauf geben, ob bei ihr eine Störung im Autismus-Spektrum vorliegt - diese Entdeckung stammt von Wissenschaftlern der Universität Pisa.

Die von ihnen entwickelte Animation besteht aus zwei Schichten verschiedenfarbiger Punkte (schwarz und weiß), die sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Menschen können darin zwei verschiedene Dinge sehen: eine sich drehende Säule aus weißen und schwarzen Punkten oder zwei separate Schichten von Punkten, die sich übereinander bewegen. Im ersten Fall macht sich das Gehirn ein ganzheitliches Bild von der Animation - im zweiten Fall konzentriert es sich eher auf die Details und nimmt das ganzheitliche Bild nicht wahr.

 

Autisten sehen ein anderes Video

Die italienischen Forscher zeigten das Video 50 Erwachsenen ohne Autismus-Diagnose. Anstatt die Probanden zu fragen, was sie sahen, beobachteten sie ihre Augen, während das Video abgespielt wurde. Anhand der Bewegungen der Pupillen konnten sie ausmachen, was die Teilnehmer sahen: Waren es zwei separate Schichten, wechselte der Fokus von der weißen auf die schwarze - diesen Moment konnten die Forscher aus den Pupillenbewegungen ablesen. 

Zusätzlich ließen die Forscher die Probanden Fragebögen ausfüllen, um einzuschätzen, ob sie für Autismus typische Verhaltensweisen zeigen - also, ob sie laut Diagnosekriterien als autistisch eingestuft werden würden.

Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die mehr Punkte auf der Autismus-Skala erreichten, eher zu "springenden" Pupillenbewegungen tendierten, die darauf hinwiesen, dass sie in dem Video zwei separate Schichten anstatt einer sich drehenden Säule wahrnahmen.

Da es sich um eine sehr kleine Probandengruppe handelte, müssen noch weitere Studien mit mehr Teilnehmern folgen, bevor der Test in der Autismus-Diagnose Anwendung finden kann. Und selbst dann kann er nur einen Teil der Diagnose darstellen, betonen die Forscher - er wird bisherige Diagnoseverfahren nicht ersetzen können.

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