Wissen Elefanten, wie man Krebs besiegt?

Verena Elson
Elefanten bekommen selten Krebs
Elefanten bekommen sehr selten Krebs. Forscher haben jetzt den Grund dafür gefunden © Fotolia

Warum erkranken Elefanten so selten an Krebs? Diese Frage beschäftigte Wissenschaftler lange Zeit. Jetzt haben US-Forscher die Antwort gefunden – und glauben, dass sie dabei helfen kann, Krebs bei Menschen zu heilen.

Weniger als fünf Prozent der Elefanten erkranken an Krebs. Bei Menschen ist die Krebsrate mit elf bis 25 Prozent deutlich höher. Dabei müssten die Dickhäuter eigentlich viel häufiger an Krebs leiden als wir. Denn sie haben rund 100 mal so viele Zellen wie Menschen – bei einer Lebenserwartung von etwa 70 Jahren ergeben sich so viele Möglichkeiten für Zellmutationen. Die Frage, warum Elefanten und andere große Säugetiere nicht häufiger an Krebs erkranken als kleinere Säugetiere, ist Medizinern seit Jahrzehnten ein Rätsel, für das es sogar einen Namen gibt: Petos Paradoxon. Denn es war ein Wissenschaftler namens Peto, der die Frage 1975 aufwarf.

 

Elefanten scheinen gegen Krebs immun zu sein

Wissenschaftler des Huntsman Cancer Institutes in Salt Lake City haben das Anti-Krebs-Geheimnis der Elefanten jetzt entschlüsselt. Dazu werteten sie zunächst die Todesursachen von 644 Elefanten aus, die weltweit in Gefangenschaft gestorben waren. 3,11 Prozent dieser Tiere hatte zum Zeitpunkt des Todes Krebs. Selbst die Annahme, dass alle Todesfälle mit ungeklärter Ursache auf Krebs zurückzuführen seien, erhöhte die Krebsrate bei den Elefanten nur auf 4,81 Prozent.

Als nächstes analysierten die Forscher das Erbgut der Elefanten und stellten fest: Die Dickhäuter haben 20 Exemplare des Gens TP53, das beim Menschen nur einmal vorhanden ist. Eins ist das „Original“, die restlichen sind Reproduktionen des Gens. Die Studienleiter vermuten, dass diese Reproduktionen im Laufe der Evolution entstanden sind, weil sie den Elefanten dabei halfen, länger zu überleben.

 

TP53 – das Anti-Krebs-Gen

Doch was ist an TP53 so besonders? Das Gen ist bekannt dafür, vor Krebs zu schützen, indem es ein Protein (p53) produziert, das wiederum das Tumorwachstum unterdrückt. Ist TP53 bei einem Menschen beschädigt, erkrankt er mit hoher Wahrscheinlichkeit an Krebs.

Um herauszufinden, wie TP53 die Elefanten genau vor Krebs schützt, setzten die Forscher Blutzellen von Menschen und Elefanten Strahlung aus, die die DNA der Zellen schädigte. Sie erwarteten, dass bei den Elefantenzellen sofort Reparationsprozesse in Gang gesetzt würden. Doch sie beobachteten etwas ganz anderes: Die Blutzellen der Elefanten starben ab, und zwar deutlich schneller als die menschlichen Zellen. Die Anti-Krebs-Strategie von TP53 lautet also, entartete Zellen in den Suizid zu treiben, bevor die Mutation sich im Organismus verbreiten kann.

„Es ist, als ob der Elefant sagt, ‚Es ist so wichtig, dass wir keinen Krebs kriegen, dass wir es nicht riskieren werden, unsere beschädigte DNA zu reparieren und dabei aus Versehen eine Mutation durchgehen zu lassen’“, erklärt Studienautor Dr. Joshua Schiffman. „Es macht wirklich Sinn – die beste Art, Krebs in einer Zelle zu verhindern, ist sie komplett zu zerstören.“

Die Ergebnisse der Studie deuten laut Schiffman darauf hin, dass die vielen Exemplare von TP53 im Erbgut der Elefanten im Laufe der Zeit entstanden sind, um die Dickhäuter vor Krebs zu schützen.

Doch wie bringen diese Erkenntnisse die Krebsforschung weiter? Laut Schiffman legen sie die Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente, die die Wirkung von TP53 nachahmen und so in der Krebstherapie eingesetzt werden könnten.

Hamburg, 9. Oktober 2015

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