Wirkt sich die Periode auf die kognitiven Fähigkeiten aus?

Stephanie Pingel
Hat der Zyklus Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit? Neue Studienergebnisse dazu überraschen
Hat der Zyklus Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit? Neue Studienergebnisse dazu überraschen © iStock

Viele Frauen haben das Gefühl, dass ihre kognitiven Fähigkeiten während der Periode nachlassen und sie sich schlechter konzentrieren können. Aber ist das wirklich so? Deutsche und Schweizer Forscher haben diese Annahme nun zum ersten Mal wissenschaftlich untersucht – mit überraschenden Ergebnissen.

Während der Periode fühlen Frauen sich häufig unwohl und leiden beispielsweise unter Magenkrämpfen und Stimmungsschwankungen. Zusätzlich glauben viele, dass ihre kognitiven Fähigkeiten während der Menstruation eingeschränkt sind, wodurch sie sich unter anderem nicht mehr richtig konzentrieren können. Deutsche und Schweizer Forscher um Studienleiterin Professor Brigitte Leeners an der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universitätsklinik Zürich sind dieser Annahme nun nachgegangen. Das Fazit in der Studie, die im Magazin Frontiers in Behavioral Neuroscience erschien: Die Periode scheint keinen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten zu haben.

 

Alles nur Einbildung?

Insgesamt nahmen 68 Probandinnen über zwei Menstruationszyklen hinweg an der Studie teil. Der Untersuchungsschwerpunkt lag dabei auf der detaillierten Erfassung von Fähigkeiten wie Erinnerungsvermögen und Konzentration während verschiedener Stadien der Periode. Dafür sollten die Frauen diverse Tests absolvieren. Überraschend: Beim ersten Zyklus schien er tatsächlich einen Einfluss zu haben. Im zweiten Versuch konnten diese Ergebnisse jedoch nicht bestätigt werden – das Stadium des Zyklus wirkte sich nicht darauf aus, wie die Frauen bei den Tests abschnitten. „Hormonelle Schwankungen, die durch den Zyklus entstehen, zeigten im Vergleich keinen Einfluss auf kognitive Fähigkeiten“, so Professor Leeners.

 

Kein reproduzierbares Ergebnis

Das Untersuchungsfazit ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen ist die sogenannte Reproduzierbarkeit, also die Bestätigung des ersten Ergebnisses in einem zweiten Test, ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Sorgfalt. Da in der vorliegenden Untersuchung die Ergebnisse nicht übereinstimmen, ist ihre Aussagekraft eher gering einzustufen. Zum anderen lässt sich das Resultat nur schwer auf den Alltag übertragen: Bei der Untersuchung mussten sich die Probandinnen nur für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum für den Test konzentrieren, im Job beispielsweise ist Konzentration aber den gesamten Arbeitstag über wichtig. Aus diesem Grund wollen Professor Leeners und ihr Team die Untersuchung mit mehr Teilnehmern, mehr Tests und über einen längeren Zeitraum wiederholen. So soll ein klareres Bild davon entstehen, welchen Einfluss der Menstruationszirkel wirklich auf das Gehirn hat.

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