Inkontinenz im Alter Windeln für Erwachsene

Redaktion PraxisVITA
Windeln für Erwachsene - Rezept
Apotheken geben Auskunft darüber, ob die Windeln für Erwachsene von der Kasse erstattet werden und wie hoch der Zuschuss ist © istock/alvarez
Inhalt
  1. Harninkontinenz – Welche Hilfsmittel gibt es?
  2. Windeln für Erwachsene als Hilfsmittel
  3. Windeln für Erwachsene – Kostenerstattung
  4. Windeln für Erwachsene – Qualität
  5. Windeln für Erwachsene – keine Erklärung unterschreiben!
  6. Was auf dem „Windel-Rezept“ für Erwachsene stehen sollte
  7. Gratis: Die Curablu-Pflegebox

Etwa die Hälfte aller Patienten, die zu Hause gepflegt werden, sind von einer Harninkontinenz betroffen. Spezielle Windeln für Erwachsene passen sich den Besonderheiten der Anatomie von Mann und Frau an. Wer für die Versorgung mit Windeln zuständig ist und welchen Anspruch Pflegebedürftige in Bezug auf Qualität und Menge der Windeln haben, lesen Sie hier.

Die psychologischen Barrieren sind hoch – und das auf beiden Seiten. „Meine Mutter sitzt lieber im Nassen, als sich zu melden“, berichtet eine Angehörige, „dabei macht es mir doch gar nichts aus, ihr schnell die Windeln zu wechseln.“ Verwunderlich ist dies trotzdem nicht.

Schließlich lernt man schon als Kind: Ein entscheidender Schritt zur Selbstständigkeit ist es, die Kontrolle über das Wasserlassen zu erlangen, keine Windeln mehr zu benötigen. Dabei sind Inkontinenzartikel von heute unauffällig und komfortabel anzuwenden.

 

Harninkontinenz – Welche Hilfsmittel gibt es?

Am häufigsten werden aufsaugende Hilfsmittel (Windeln, Einlagen, Pants) eingesetzt. Die zweite Kategorie bilden ableitende Hilfsmittel wie Kondom-Urinale und Katheter. Daneben gibt es noch Hilfsmittel, die die Pflege eines Angehörigen mit Inkontinenz erleichtern, wie etwa Bettschutzeinlagen und Einmalhandschuhe.

 

Windeln für Erwachsene als Hilfsmittel

Die Kostenübernahme für Katheter und Urinsammelbeutel ist in der Regel unproblematisch. Bei Windeln für Erwachsene ist es etwas komplizierter. Zunächst einmal gelten diese nämlich als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens – und die sind nicht erstattungsfähig. Sie werden aber als Hilfsmittel anerkannt, wenn sie zur Vorbeugung oder Behandlung von Hauterkrankungen wie Wundliegen oder Entzündungen dienen. Auch wenn ein Patient nur mit Windeln am sozialen Leben teilnehmen kann, werden sie von der Kasse bezahlt.

 

Windeln für Erwachsene – Kostenerstattung

Hilfsmittel auf Kassenrezept bekommt man, wenn mindestens eine mittelgradige Inkontinenz vorliegt (im Hilfsmittellexikon wird als Richtwert eine Urinabgabe von 100 bis 200 Milliliter in 4 Stunden angegeben) oder wenn die Blasenschwäche Folge eines Schlaganfalls, einer Grunderkrankung wie Diabetes oder Multipler Sklerose oder einer Operation ist.

 

Windeln für Erwachsene – Qualität

Viele Kassen haben Festverträge mit Hilfsmittel-Lieferanten, denen sie eine monatliche Pauschale für Windeln für Erwachsene bezahlen. Das sind meist zwischen 16 und 38 Euro. Für den Patienten heißt das: Für die Windeln der Vertragspartner muss er nur eine Zuzahlung von 10 Prozent (also 1,60 bis 3,80 Euro) leisten.

Allerdings sind diese oft mangelhaft oder die Stückzahl reicht nicht aus. Zahlreiche Versicherte beklagen, dass die Windeln nach kurzer Zeit ihre Saugfähigkeit verlieren und es immer wieder zu Entzündungen kommt. Dann empfiehlt es sich, bei den Krankenkassen Anträge auf Versorgung mit Inkontinenzhilfen von ausreichender Qualität zu stellen. Einen Musterantrag finden Sie im Internet unter www.bvkm.de.

Grundsätzlich haben Patienten Anspruch auf eine Versorgung mit Hilfsmitteln in medizinisch erforderlicher Menge und Qualität. Trotzdem verlangen einige Lieferanten, mit denen die Krankenkassen Verträge geschlossen haben, unzulässige Mehrkosten von den Patienten.

Hintergrund: Die Lieferanten bekommen von der Kasse für jeden Patienten die gleiche Summe – egal, ob sie für einen leicht inkontinenten Patienten mit 10 Euro auskommen oder für einen Schwerstbehinderten 50 Euro im Monat benötigen. Es kommt daher immer wieder vor, dass Lieferanten nicht bereit sind, Menschen mit einem sehr hohen Bedarf an Windeln zu den vereinbarten Konditionen zu versorgen. Obwohl sie dazu vertraglich verpflichtet sind.

Oft erhalten Versicherte von ihrer Krankenkasse oder dem Hilfsmittel-Lieferanten die Auskunft, dass ihnen nur maximal 150 Windeln pro Monat zustehen. Doch das stimmt nicht. Zwar empfiehlt der Medizinische Dienst der Krankenkassen eine Menge von vier bis fünf Windeln für Erwachsene pro Tag (120 bis 150 im Monat). Wer aber aus medizinischen Gründen mehr benötigt, bekommt auch mehr.

 

Windeln für Erwachsene – keine Erklärung unterschreiben!

Mehrkosten müssen Versicherte nur dann tragen, wenn sie ein höherwertiges Produkt haben wollen, als auf dem Rezept steht. Alles, was medizinisch notwendig ist, muss die Kasse erstatten. Lassen Sie sich nicht darauf ein, wenn Sie eine Patientenerklärung mit der Überschrift „Wunsch auf höherwertige Versorgung“ unterschreiben sollen. Denn sonst bleiben Sie auf den Mehrkosten sitzen. Bestehen Sie gegenüber der Kasse auf Ihren Anspruch.

Harnblase
Mit dem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit für Inkontinenz zu. So kämpft die Hälfte der Pflegebedürftigen mit Harninkontinenz © istock/Nerthuz
 

Was auf dem „Windel-Rezept“ für Erwachsene stehen sollte

Achten Sie darauf, dass Ihr Arzt das Rezept richtig ausstellt. Nur so können Sie sichergehen, dass keine ungeplanten Zusatzkosten auf Sie zukommen. Hilfsmittel müssen grundsätzlich auf einem separaten Rezept ausgestellt werden. Das Feld mit der Ziffer 7 für Hilfsmittel muss angekreuzt sein.

Das Rezept muss folgende Angaben enthalten:

- Bezeichnung des Hilfsmittels oder die 7-stellige Hilfsmittelnummer

- Größe, Saugstärke und Stückzahl

- den Verordnungszeitraum

- den genauen Verordnungsgrund und/oder eine Begründung für die Notwendigkeit des Hilfsmittels (z.B.: „zur Prävention bei schweren Funktionsstörungen oder einer Hautkrankheit“ oder „zur Ermöglichung der Teilnahme am sozialen Leben“)

 

Gratis: Die Curablu-Pflegebox

Die Pflegekasse übernimmt monatlich die Kosten für Pflegehilfsmittel. (Infos: www.curablu.de).

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