Wieso wir nicht alle 100 Jahre alt werden können

Redaktion PraxisVITA
Oma ist nachdenklich
Aktuelle Studien beweisen, dass die Lebenserwartung des Menschen nicht beliebig erweiterbar ist und wir nicht alle 100 Jahre alt werden können © Fotolia

Auch gesunde Körper besitzen ein natürliches Verfallsdatum. Nach dem Tod der ältesten Deutschen berichteten Medien über die Chance, dass wir alle bald mindestens 100 Jahre alt werden könnten. Warum die menschliche Lebenserwartung nicht unendlich verlängert werden kann, können Sie hier herausfinden.

Im April 2014 starb Gertrud Henze im Alter von 112 Jahren. Insgesamt leben etwa 17.000 Deutsche mit einem dreistelligen Lebensalter. Im Vergleich zu den fast 81 Millionen Deutschen ein verschwindend kleiner Anteil der Bevölkerung, vor allem wenn man bedenkt, dass weit mehr als 40 Prozent der Deutschen jenseits der 50 sind. Die Chancen, dass wir 100 Jahre alt werden, sind mit ungefähr 0,02 Prozent also sehr schlecht. Dennoch nahmen einige Medien den Tod von Gertrud Henze zum Anlass, über die Chancen des Alterns jenseits der 100 Jahre zu spekulieren.


Senioren Paar aktiv in der Natur
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Können Menschen immer älter werden?

Der Wissenschaftler Steven Austad von der University of Texas erklärte beispielsweise, dass sich die maximale Lebenserwartung des Menschen in jedem Jahr um drei Monate erhöht. Würden diese Berechnungen stimmen, müsste bereits die Generation, die im Jahre 2000 geboren worden ist, Nachkommen hervorbringen, die auch das Jahr 2150 noch erleben werden – Tendenz steigend.

Altersforscher des Jenaer Leibniz-Instituts verweisen jedoch darauf, dass die maximale menschliche Lebensspanne auch bei gesunden Menschen genetisch begrenzt sei. Diese Obergrenze liege nach Aussagen der Experten bei über hundert Jahren. Dies wäre soweit einfach zu bestätigen über die Existenz der sehr wenigen Menschen, die über 100 Jahre alt sind und der Nicht-Existenz von Menschen, die 150 Jahre alt geworden sind.

 

Gibt es das Alters-Gen?

Dass unsere potentielle Lebenserwartung auch genetisch bedingt ist, gilt als unbestritten. Ein Alters-Gen wurde aber noch nicht gefunden. Es ist sogar unbekannt, ob es das eine Alters-Gen gibt oder ob verschiedene Gene für die Verknüpfung von Alter und Sterblichkeit verantwortlich sind. Dennoch gehen nicht wenige Wissenschaftler davon aus, dass es bereits in einigen Jahren Medikamente geben könnte, die uns älter, vielleicht irgendwann 150 Jahre alt werden lassen.

In einer Studie der University Medical Amsterdam werden Ergebnisse vorgestellt, die bei der Untersuchung der Leiche einer 115-jährigen Frau gewonnen wurden. Der Körper der 115-Jährigen ist der älteste jemals der Wissenschaft gespendete Körper. Eine Autopsie ergab schließlich, dass die Frau – trotz ihres hohen Alters – kerngesund war, als sie starb. Trotzdem fanden die Forscher mutierte Gene in ihren gesunden Zellen.

Gen und Alter
Die heute ältesten Menschen markieren wahrscheinlich auch in Zukunft das Limit menschlicher Lebenserwartung© Fotolia

Mutationen entstehen bei der Zellteilung im Körper. Jedes Mal, wenn sich eine Stammzelle teilt, führt das in sehr wenigen Fällen zu kleinen Reproduktions-Fehlern, die wiederum Zell-Mutationen mit sich bringen. Aus dieser fehlerhaften Reproduktion der Gen-Informationen entstehen ferner funktionale Fehler des Körpers, die sich als Krankheiten äußern – Krebs ist eine prominente Erscheinungsform dieser Zellteilungsfehler. Je älter ein Mensch ist, desto häufiger haben sich die Zellen im Körper geteilt und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit genetischer Fehler und in dieser Hinsicht auch auf genetisch bedingte Krankheiten.

 

Wieso wir nicht alle 100 Jahre alt werden

Bisher war in der Forschung sehr strittig, in wie weit völlig gesunde Zellen überhaupt Mutationen hervorbringen können. Bei der Untersuchung ganzer Genom-Sequenzen, die der 115-Jährigen entnommen worden waren, wurden mehr als 400 mutierte Gene in völlig gesunden Zellen gefunden.

Daraus leitet sich ab: Mutationen müssen nicht zwangsläufig mit Krankheiten in Verbindung stehen. Tatsächlich bestätigten weiter gehende Untersuchungen, dass keine der 400 gefundenen Mutationen mit irgendeiner bekannten Krankheit in Zusammenhang steht. Mutationen – so der Umkehrschluss ­– können also auch völlig harmlos für die Gesundheit des Körpers sein.

Mutationen von Zellen haben nicht zwangsläufig Auswirkung auf die Gesundheit
Mutationen von Zellen haben nicht zwangsläufig Auswirkung auf die Gesundheit. Zellen können sich nicht unendlich oft teilen, darum können wir nicht gesund immer älter werden© Fotolia

Die Forscher werten diese Entdeckung in zweierlei Hinsicht: Erstens weisen die Ergebnisse darauf hin, dass die große Anzahl mutierter Gene in gesunden Zellen ein Alterssymptom sein muss. Auch hier gilt scheinbar: Je älter der Körper, desto größer das Potential genetischer Fehlerhaftigkeit in den Körperzellen. Zweitens beschreibt das grundsätzliche Mutationsvermögen gesunder Zellen eine Art natürliches Ablaufdatum, da alle Stammzellen – ob gesund oder krank – irgendwann an einen genetischen Verschleißpunkt gelangen, an dem sie die lebensnotwendige Zellteilung nicht mehr leisten können.

Ein Forscher nannte die Entdeckung eine „Markierung des Limits menschlicher Langlebigkeit“ – denn wenn die Zellen sich nicht mehr fehlerfrei erneuern oder absterben, stirbt der Zell-Organismus. Einfach gesagt, bedeutet das: Selbst ein kerngesunder Körper muss sterben, da seine Zellen irgendwann am Limit ihrer Reproduktionsfähigkeit angelangen. Vieles spricht im Moment dafür, dass dieses Limit bei den meisten Menschen, die gesund sterben, bereits vor dem 100. Geburtstag erreicht ist. Nur sehr wenige Menschen hätten diesbezüglich einen genetisch längeren Atem. 

 

Was uns die Schwänze von Chromosomen über das Alter sagen

Neben dem Mutationsvermögen von gesunden Zellen bewiesen die Forscher außerdem, dass die im Körper der 115-Jährigen entnommenen Telomere – das sind die schwanzähnlichen Enden von Chromosomen, die je nach Länge der Zelle sagen, wie alt sie ist – 17 mal kürzer waren, als Telomere von Gehirnzellen, die sich nicht teilen und folglich auch nicht verändern. Dies widerspricht wissenschaftlichen Annahmen, die selbst bei sehr alten Menschen noch Telomere vermutet haben, die auch über viele Jahrzehnte nicht sonderlich kürzer geworden waren. Diese Beobachtung – der rapiden Verkürzung der Schwanzenden der einzelnen Chromosomen – deutet nach Meinung der Forscher ebenso darauf hin, dass die Haltbarkeit des Körpers ablaufe.

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir 100 Jahre alt werden oder älter, ist also unterm Strich auch in Zukunft sehr gering. Die Lebensdauer lässt sich auch für einen gesunden Körper schlicht und ergreifend nicht beliebig weit dehnen.

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