Wieso Eltern ihren Kindern Depressionen vererben

Kinder erben Krankheiten
Eine aktuelle Studie aus der Schweiz zeigt, dass psychosomatische Erkrankungen wie Depressionen von einer Generation zur nächsten vererbt werden können © Fotolia

Traumatische Erlebnisse und Depressionen werden doch über unser Erbgut an die nächste Generation weitergegeben. Das zeigen die Ergebnisse eines Forschungsteams aus der Schweiz. Demnach soll die soziale Denkweise eines jeden Menschen nicht nur durch individuelle Erfahrungen konfiguriert werden, sondern von den Eltern in die Gene ihrer Kinder vererbt werden. Praxisvita erklärt Ihnen, wieso der Mensch nicht nur das Produkt der Summe seiner Erfahrungen ist.

 

Depressionen können vererbt werden

Die Eindrücke traumatischer Erlebnisse oder individuelles Depressionsrisiko basieren nicht nur auf gemachten Erfahrungen und Lebensweisen der Betroffenen, sondern werden auch von einer Generation auf die nächste vererbt. Das zeigen Forschungsergebnisse der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlicht worden sind.

Die Forscher haben festgestellt, dass psychosomatischen Indikationen, wie zum Beispiel Depressionen, nicht nur vom Menschen individuell erworben werden können, sondern auch – und ohne dass die Betroffenen einen Einfluss darauf hätten – über das Erbgut der Eltern aufgenommen und somit vererbt werden. Diese Einflüsse sind im Elternteil noch nicht genetisch, sondern das Produkt sozialer und psychischer Prägungsmuster. Erfahrungsübertragungen dieser Art werden durch den Begriff Epigenetik beschrieben.

 

Erfahrungen verändern Menschen – und deren Genetik

Frühere Studien haben schon länger darauf hingewiesen, dass zum Beispiel gewisse psychische Störungen in bestimmten Familien gehäuft auftreten. Bisher konnte aber eine Verbindung zwischen dem psychischen Leiden und der genetischen Konfiguration innerhalb einer Familie nur vermutet werden.

Die Ergebnisse der Schweizer Forscher zeigen nun, dass zum Beispiel großer Stress, existentielle Bedrohung oder traumatische Erlebnisse in die chemische Regulation von Keimzellen eingreifen und diese verändern. Dabei bringt eine große Menge an sogenannten RNA-Molekülen – die ein wichtiger Faktor für die Umsetzung genetischer Informationen im Erbgut sind – zum einen das zelluläre Gleichgewicht durcheinander und zum anderen transformieren diese Moleküle die Nervenfunktionen des Gehirns. Diese chemischen Einflüsse hinterlassen schließlich Spuren im Körper, die wiederum über die elterlichen Keimzellen an den Nachwuchs weiter vererbt werden.

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