Wieder auf Empfang

Lärm schadet unserem Gehör
Lärm belastet unsere rund 15 000 Hörzellen und schwächt sie. Die Folge: Schwerhörigkeit © Fotolia

Haben Sie auch etwas an den Ohren? Das liegt leider meist am Alter und wird womöglich noch schlimmer. Ein guter Akustiker kann helfen, die Schwerhörigkeit aufzuhalten. Wir sagen Ihnen, worauf Sie beim Kauf eines Hörgeräts achten sollten.

Fast immer passiert es schleichend. Erst werden helle Töne wie ein Tür- oder Telefonklingeln überhört, dann ist der Fernseher neuerdings zu leise, und immer mehr Mitmenschen nuscheln irgendwie. Kurzum: Unser Hörvermögen lässt nach. Der häufigste Grund dafür ist der Verschleiß der Haarsinneszellen im Innenohr. Das geschieht altersbedingt, aber auch durch eine zu hohe Lärmbelastung. Eine Studie der Fördergemeinschaft Gutes Hören ergab, dass sogar bei den 21- bis 40-Jährigen bereits 36 Prozent an leichten und zehn Prozent an mittelgradigen Hörminderungen leiden. Mit über 60 Jahren hören gut 90 Prozent nicht mehr einwandfrei.

 

Bei Schwerhörigkeit sinkt die Lebensqualität

Bis zu einem gewissen Maß ist unser Gehirn in der Lage, Nichtgehörtes geschickt zu ergänzen, sodass am Ende doch die richtige Botschaft empfangen wird. Und wir gewöhnen uns schlicht daran, vieles nicht mehr so gut zu verstehen. Doch je früher der Hörverlust ausgeglichen wird, desto besser kommen Gehör und Gehirn mit der technischen Unterstützung klar. Durch das Tragen eines Hörgeräts wird das Ohr auch keinesfalls "träge", wie manche vermuten. Der Berufsverband der HNO-Ärzte empfiehlt, ab 50 Jahren jährlich das Gehör überprüfen zu lassen. Einen etwa fünfminütigen Test kann man beim HNO-Arzt oder Hörgeräteakustiker machen.

 

Das Hörgerät sorgfältig auswählen

Stellt der HNO-Arzt fest, dass ein Hörgerät nötig ist, stellt er eine Verordnung aus. Jetzt gilt es, einen guten Hörgeräteakustiker zu finden. Wenn Sie beim Hörgeräteakustiker zunächst nur eine Kopie der ohrenärztlichen Verordnung vorlegen, haben Sie unkompliziert die Möglichkeit, weitere Spezialisten in Ihrer Nähe aufzusuchen und sich beraten zu lassen. Wichtig ist, dass Sie dem Experten vermitteln, in welchen Situationen Ihnen besonders daran liegt, wieder besser zu hören. Überlegen Sie auch, ob Sie die Lautstärke selbst regulieren möchten, lieber aus verschiedenen Hörprogrammen wählen oder ob Sie ein Automatikgerät bevorzugen.

Derzeit gibt es auf dem Markt über 1000 Modelle. Einen kompletten Überblick kann man sich also kaum verschaffen. Die beiden häufigsten Typen sind die Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO) und die Im-Ohr-Hörgeräte (IdO). Erstere sind gut zu bedienen und haben eine hohe Verstärkerleistung. Deshalb sind sie auch bei hochgradiger Schwerhörigkeit einsetzbar. Die Im-Ohr-Geräte sind kaum sichtbar, aber nicht geeignet für enge Gehörgänge, und die Bedienung erfordert einige Fingerfertigkeit. Sie sind nur bei leichterer und mittlerer Schwerhörigkeit sinnvoll.

 

Vorsicht, Kostenfalle!

Bei der Beratung sollten Sie darauf bestehen, dass der Hörgeräteakustiker mindestens zwei eigenanteilsfreie Hörgeräte vorschlägt. Bei diesen Geräten wird nur die gesetzliche Zuzahlung, in der Regel zehn Euro, fällig. Bei anderen Modellen muss man unter Umständen mehrere Tausend Euro zuzahlen. Gehen Sie nicht von vornherein davon aus, dass die preisgünstigeren Modelle nichts taugen, auch wenn ein Hörgeräteakustiker sie kürzlich in einem Beitrag der ARD-Sendung "Kontraste" als "Kassengurken" bezeichnete. Obwohl einige teure Geräte ihren Preis wert sind, reichen Kassengeräte häufig völlig aus. Testen Sie die verschiedenen Geräte jeweils mindestens eine Woche im Alltag, und haben Sie Geduld: Eine gute Anpassung erfordert bis zu sechs Termine – und Ihre Mithilfe. Je genauer Sie dem Akustiker rückmelden, wie Sie das Gerät erlebt haben und zurechtgekommen sind, desto besser kann er Sie beraten und die Hörhilfe einstellen. Die Mühe lohnt: Wenn das Hörgerät zu Ihnen und Ihrem Leben wirklich passt, werden Sie es später gern und oft benutzen.

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