Wie wirkt sich Joggen auf mein Gehirn aus?

Verena Elson
Joggerin
Chronischer Stress macht vergesslich – durch regelmäßiges Joggen kann man das verhindern, zeigt eine Studie © iStock/bluecinema

Joggen stärkt das Herz, schützt vor Krebs und verlängert das Leben – doch es wirkt sich auch auf das Gehirn aus, wie US-Forscher in einer aktuellen Studie herausfanden.

Wenn wir etwas Neues Lernen, erhöhen bestimmte Synapsen (Verbindungswege zwischen den Neuronen) ihre sogenannte Übertragungsstärke – sie arbeiten gewissermaßen unter Hochdruck, um die neuen Informationen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Diesen Prozess nennt man Langzeitpotenzierung.

 

Stress schadet dem Gedächtnis

Leiden wir an chronischem Stress, wirkt sich das negativ auf die Leistung der Synapsen aus, wie Studien zeigen konnten. Wer ständig gestresst ist, wird darum häufig vergesslich und hat sogar ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken.

Forscher unterscheiden dabei zwischen positivem und negativem Stress: Unter positivem Stress versteht man einen moderaten Druck, der uns dazu bringt, uns ganz auf die zu lösende Aufgabe zu konzentrieren, unsere Leistungsfähigkeit steigert und sogar Glücksgefühle auslösen kann. Negativer Stress entsteht hingegen, wenn wir das Gefühl haben, die Situation nicht mehr unter Kontrolle zu haben – wenn wir etwa sicher sind, einen Abgabetermin nicht mehr einhalten zu können oder seit Jahren arbeitslos sind und die Hoffnung auf einen neuen Job verloren haben. Die in Studien beobachteten Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung entstehen nur durch negativen Stress.

 

Laufen schützt das Gedächtnis von Mäusen

Wissenschaftler der Brigham Young University im US-Bundesstaat Utah wollten herausfinden, ob Joggen dem negativen Effekt von Stress auf das Gehirn entgegenwirken kann. Die Forscher um Jeff Edwards arbeiteten mit Mäusen, die sie in zwei Gruppen einteilten: Mäuse in Gruppe eins bekamen für vier Wochen ein Laufrad, in dem sie pro Tag im Schnitt fünf Kilometer zurücklegten. Mäuse in Gruppe zwei blieben „unsportlich“, sie hatten also keine Gelegenheit zum Rennen im Laufrad.

Nach Ablauf der vier Wochen wurden alle Mäuse von den Forschern unter Stress gesetzt – so mussten sie etwa durch kaltes Wasser schwimmen. Rund eine Stunde nach den stressigen Situationen testeten die Wissenschaftler, wie gut ihre Langzeitpotenzierung funktionierte – also, wie gut ihr Gehirn Informationen abspeichern konnte.

Die Testergebnisse fielen bei den sportlichen Mäusen deutlich besser aus als bei den unsportlichen. In weiteren Experimenten verglichen die Wissenschaftler die Leistung von gestressten Mäusen, die Sport getrieben hatten, mit denen von anderen sportlichen Mäusen, die nicht gestresst worden waren, in einem Labyrinth – und konnten keinen Unterschied feststellen. Die Forscher führten dieses Ergebnis darauf zurück, dass das Laufen das Gedächtnis der Mäuse vor den Stress-Auswirkungen geschützt hatte.

 

Joggen für ein fittes Gehirn

Da die Studie nur mit Mäusen durchgeführt wurde, lassen sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Doch die Ergebnisse einer 2016 veröffentlichten Studie sprechen dafür, dass Joggen auch dem menschlichen Gehirn nützt: Der Vergleich von Hirnscans von Ausdauerläufern mit denen von Couch-Potatos zeigte, dass bei den Sportlern verschiedene Hirnbereiche besser miteinander vernetzt sind.

Studienleiter Edwards ist überzeugt, dass Joggen auch uns vor stressbedingten Gedächtnisstörungen schützen kann: „Die ideale Situation, um Lernen und Erinnerung zu verbessern, wäre keinen Stress zu haben und Sport zu treiben. Natürlich können wir nicht immer kontrollieren, wie viel Stress wir in unserem Leben haben – aber wie viel Sport wir treiben, haben wir selbst in der Hand.“
 

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