Wie wir verhindern können, dass Medikamente unsere Zähne schädigen

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Wie sich unsere Zähne selbst heilen
  2. 2. Tipps für gesunde Zähne
  3. 3. So verhindern Sie Zahnschäden durch Medikamente

Da können wir sie noch so penibel putzen: Unsere Zähne reagieren hochempfindlich auf Arzneimittelkonsum. So sind Antibiotika oder Blutdrucksenker häufig Auslöser für Zahnfleischentzündungen oder Karies. Der Zahnmediziner Prof. Dr. Werner Becker über die Spuren, die viele Arzneien im Mund hinterlassen.

Medikamente schädigen Zähne
Experten wissen: Medikamente können unsere Zähne schädigen© iStock

Wenn Patienten in der Praxis von Professor Dr. Werner Becker sitzen, schaut der Arzt ihnen nicht nur in den Mund. Er fragt auch danach, ob Herz, Niere und Leber intakt sind und vor allem: welche Medikamente eingenommen werden. Denn aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und Forschungstätigkeit an der Universität Köln weiß der Zahnmediziner: Die Inhaltsstoffe vieler Arzneien ruinieren unsere Mundgesundheit. Osteoporosemedikamente beispielsweise, weil sie zur Rückbildung des Kieferknochens führen können. Bestimmte Antibiotika rufen unwiderrufliche Veränderungen am Zahnschmelz bei Kindern und Erwachsenen hervor. Und Allergiemedikamente führen zur Austrocknung der Mundschleimhaut. Auf der Basis neuer Studien und eines Interviews mit Professor Dr. Becker nennen die häufigsten Gefahren und verrät die besten Tipps zur Vorbeugung.

 

So schützen Sie Ihre Zähne bei...

Nasensprays, die den Mund austrocknen lassen, Antibiotika, die den Zahnschmelz verfärben – wir stellen überraschende Medikamentennebenwirkungen vor, die unsere Zähne direkt oder indirekt belasten!

 

... der Einnahme von Antibiotika

Tetracycline schädigen das Gebiss, denn sie bilden mit Calcium chemische Verbindungen, die sich im Zahnschmelz einlagern und die Zähne meist gelblich verfärben. Hochgefährlich ist die Einnahme von Antibiotika für Schwangere, stillende Mütter und Kinder. Denn bei einem noch nicht fertig ausgereiften Gebiss wird der Zahnschmelz zu weich und kann lebenslang Probleme bereiten. Ein weiterer Aspekt: Antibiotika zerstören unsere Mundflora, da zahlreiche gute Bakterien im Darm und auf der Zunge abgetötet werden. Bei Infektionen sollte ein Arzt entscheiden, ob Penicillin & Co. überhaupt nötig sind (bei viralen Erkrankungen nützen sie ohnehin nichts). Alternativen sind bakterientötende natürliche Pflanzenstoffe (Honig, Kapuzinerkresse, Thymian oder Cranberrys). Ist die Einnahme unumgänglich, helfen Probiotika im Joghurt oder als Kapsel aus der Apotheke, um die Mundflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Zahnseide
Zahnseide sollte für gesunde schöne Zähne täglich verwendet werden© iStock
 

... der Einnahme von Blutdruckmitteln

Ein bis drei Monate nach der Einnahme von Calciumantagonisten gegen Bluthochdruck klagen Patienten häufig über Zahnfleischwucherungen und -entzündungen. Nicht selten zieht das eine Parodontosebehandlung nach sich, damit die Zähne nicht ausfallen. Je nach Medikament ist diese unerwünschte Nebenwirkung unterschiedlich stark. Tipp der Bluthochdruckliga: Bei den Wirkstoffen Felodipin, Amlodipin oder Isradipin tauchte diese Nebenwirkung nur sehr selten bis überhaupt nicht auf – also im Zweifel den Arzt fragen, ob Sie auf diese Mittel umsteigen können.

 

... der Einnahme von Nasenspray und Augentropfen

Werden beide Arzneien langfristig eingenommen, leidet darunter das Zahnfleisch. Denn Nasensprays und Augentropfen für Allergiker enthalten Wirkstoffe, die die Schleimhaut abschwellen lassen und die Speichelproduktion hemmen. Das macht den Mund trocken, und so bilden sich leichter Entzündungen oder der Gaumen schwillt an. Je mehr Keime sich dann ansiedeln, desto höher ist die Kariesgefahr. Nasensprays oder Augentropfen sollten nicht länger als ein bis zwei Wochen benutzt werden. Eine gute Zahnhygiene ist in dieser Zeit besonders wichtig. Fettreicher Frischkäse, wie zum Beispiel Mascarpone, beruhigt gereizte Schleimhäute. Zuckerfreie Kaugummis und Gele aus der Apotheke erhöhen den Speichelfluss und beugen der Austrocknung des Mundes vor.

 

... der Benutzung von Asthma-Inhalation

Kleine Partikel aus den Asthma-Inhalatoren sind ziemlich sauer und greifen den Zahnschmelz an. Zudem enthalten sie entzündungshemmende Steroidhormone, die den Speichelfluss hemmen, was Mundtrockenheit begünstigt. Wer ein Abstandstück benutzt, verhindert, dass die Partikel an den Zähnen kleben bleiben. Nach jeder Benutzung den Mund mit Wasser ausspülen, um dem Austrocknen entgegenzuwirken.

 

... der Einnahme von Osteoporosemitteln

Diese Medikamente enthalten Bisphosphonate, die zwar die Knochen stärken, aber im Kiefer dafür sorgen können, dass sich das Gewebe zurückbildet. In der Folge wird der Kiefer porös, Keime können sich ausbreiten und Entzündungen auslösen. Während der Behandlung gilt: strikter Rauchstopp, wenig Alkohol und eine ideale Zahnpflege. Patienten sollten während der Einnahme von Bisphosphonaten ganz besonders auf Schmerzen oder Mundgeruch achten und regelmäßig Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt wahrnehmen.

 

... der Einnahme von Antidepressiva

Zahngesundheit
Manche Antidepressiva können für einen blutenden Gaumen sorgen© iStock

Manche dieser Medikamente beeinträchtigen die Funktion der Blutplättchen, was oft zu einem blutenden Gaumen führt. Auch der Stoffwechsel verlangsamt sich, was den Speichelfluss erlahmen lässt. Patienten, die diese Medikamente einnehmen, klagen häufig über eine starke Mundtrockenheit. Exzellente Mundhygiene ist während der Einnahme von Antidepressiva besonders wichtig. Zweimal täglich putzen, Zahnseide und Zungenbürste verwenden, Mundwasser beugt Keimen zusätzlich vor. Gels, spezielle Kaugummis oder Lutschtabletten aus der Apotheke helfen, den Speichelfluss anzuregen.

 

... der Einnahme von Fluoriden

Viele Zahnärzte raten zur Einnahme von Fluortabletten bei Kindern, weil die Salze angeblich den Zahnschmelz härten. Wenn Eltern es dann gut meinen und zusätzlich fluoridhaltige Zahnpasta verwenden, kommt es schnell zur Überdosierung, was weiße Flecken (Fluorosen) auf dem Schmelz hinterlässt. Ein starker Zahnschmelz bildet sich eher durch eine ausgewogene Ernährung und den Verzicht auf zuckerhaltige Limonaden und Gummibärchen aus. Sind Fluorosen entstanden, können die weißen Flecken zwar nicht entfernt, aber durch Bleeching abgemildert werden.

 

... der Einnahme von Aspirin

Vor Zahnbehandlungen ist die Einnahme von Acetylsalicylsäure nicht ratsam. Denn das Schmerzmittel wirkt gerinnungshemmend und kann während und nach einer Operation am Kiefer starke Spontan- und Sickerblutungen auslösen, die die Wundheilung blockieren und im schlimmsten Fall zu Zahnverlust führen. Wer auf Schmerzmittel angewiesen ist, sollte Aspirin durch Paracetamol oder Ibuprofen ersetzen.

 

... der Einnahme von Krebsmedikamenten

Eine Krebstherapie beinhaltet oft Bisphosphonate, und zwar in so hohen Dosen, dass bei Betroffenen nicht selten der Kieferknochen frei in der Mundhöhle liegt und sämtliche Zähne wegbrechen. Bevor die Bisphosphonat-Therapie beginnt, sollte das Gebiss saniert, sollten also Entzündungen oder Parodontose behandelt worden sein. Das Einsetzen von Implantaten sollte auf die Zeit nach der Krebstherapie verschoben werden. Kommt es zu einer Kiefernekrose, muss das abgestorbene Gewebe durch eine Operation entfernt werden.

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