Wie viel und welche Milch ist gut für mein Kind?

Dr. med. Nadine Heß

Laut einer neuen Studie könnte Vollmilch für Kinder gesünder sein als die meist empfohlene fettarme Milch. Wie viel Milch Kinder brauchen und worauf Eltern achten sollten, weiß Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Kleinkinder sollten pro Tag nicht mehr als eine Tasse Milch trinken. Damit ist bereits ein Großteil ihres Eiweißbedarfes gedeckt.“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Kanadische Forscher haben in einer aktuellen Studie festgestellt, dass Kinder, die Vollmilch trinken, schlanker sind und höhere Vitamin-D-Werte haben als Kinder, die fettarme oder Magermilch trinken. Dieses Ergebnis ist überraschend – in vielen Ernährungsrichtlinien wird empfohlen, dass Kinder eher Magermilch trinken sollten, um Fettleibigkeit vorzubeugen.

Für die Studie wurden 2.745 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren untersucht. Anhand der Größe und des Gewichts wurde der jeweilige BMI berechnet. Außerdem entnahmen die Forscher den Kindern Blutproben, um den Vitamin-D-Wert zu bestimmen. Zusätzlich wurden die Eltern befragt, welche Milch der Nachwuchs wie häufig trank. Das Ergebnis: Kinder, die Vollmilch (3,25% Fettgehalt) tranken, hatten einen um 0,72 Punkte geringeren BMI als Kinder, die Milch mit niedrigerem Fettanteil tranken. Wie der Effekt zustande kommt, ist noch nicht ganz klar. Studienleiter Dr. Jonathon Maguire geht aber davon aus, dass die Vollmilch eher sättigt: Demnach essen Kinder, die nur fettarme Milch zu sich nehmen, aus Hunger vermutlich mehr und oft auch noch kalorienreicher al diejenigen, die Vollmilch trinken.

Milch für Kinder
Der Eiweißbedarf kann auch durch Milchprodukte gedeckt werden© Fotolia
 

Wie sich Milch auf den Vitamin-D-Wert auswirkt

Auch der Vitamin-D-Wert war bei den Kindern unterschiedlich: Kinder, die eine Tasse Vollmilch am Tag tranken, hatten einen vergleichbaren Vitamin-D-Wert wie Kinder, die drei Tassen mit Magermilch (1% Fett) täglich tranken. Die Forscher vermuten den Grund für diesen Effekt darin, dass Vollmilch generell mehr Vitamin D enthält. „Fettarme Milch bringt also gleich zwei Nachteile mit sich. Kinder, die Magermilch trinken, werden zum einen nicht schlanker. Zum anderen profitieren sie auch nicht vom höheren Vitamin-D-Gehalt der Vollmilch“, fasst Dr. Maguire die Studienergebnisse zusammen. Daher sollten die Ernährungsrichtlinien zum Thema Milch überprüft werden.

 

Wie viel Milch braucht mein Kind?

Zwischen einem und drei Jahren sind 350 bis 400 Milliliter Milch am Tag für ein Kind genug. In Milch steckt jede Menge Eiweiß – und davon sollte ein Kind pro Kilogramm Körpergewicht nicht mehr als etwa 2,2 Gramm täglich zu sich nehmen. Denn zu viel Eiweiß belastet den Stoffwechsel und die Nieren. In 100 Milliliter Vollmilch stecken bereits 3,3 bis 3,4 Milligramm Eiweiß – eine Tasse versorgt das Kind also mit 12 Gramm Eiweiß am Tag. Zum Vergleich: Wiegt das Kind etwa zehn Kilogramm, benötigt es 22 Gramm Eiweiß am Tag. Entsprechend viel macht eine Tasse Milch aus.

Mit zunehmendem Alter nimmt auch der Eiweißbedarf zu. Er muss aber natürlich nicht nur mit Milch gedeckt werden – auch andere Milchprodukte wie Käse oder Joghurt können und sollten auf dem Speiseplan stehen. Milchersatzprodukte wie beispielsweise Soja- oder Mandelmilch enthalten nicht alle wichtigen Nährstoffe und sind daher als Ersatz nicht zu empfehlen. Erst vor kurzem gab es beispielsweise einen Fall, bei dem ein elf Monate altes Baby Skorbut bekam, weil das Kind ausschließlich mit Mandelmilch ernährt wurde. Alles dazu können Sie im Artikel „Skorbut durch Mandelmilch“ nachlesen.

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