Wie viel Süßes darf mein Kind essen?

Redaktion PraxisVITA
Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Verbieten Sie Süßes nicht komplett, damit wird es für Kinder nur verlockender, heimlich zu naschen. Stellen Sie lieber gemeinsame Regeln auf.“ © Privat

Wenn Kinder einmal mit dem Geschmack von Süßigkeiten in Berührung gekommen sind, wollen sie Gummibären, Bonbons und Co. am liebsten den ganzen Tag über essen. Wie Eltern dafür sorgen, dass es eine Ausnahme bleibt, Süßes zu naschen, erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Süßigkeiten bringen Kinderaugen immer zum Strahlen. Und das ist kein Wunder – immerhin haben sowohl das Fruchtwasser als auch die Muttermilch bereits einen süßlichen Geschmack und prägen uns entsprechend. Egal ob Schokolade oder Fruchtgummi: Um etwas Süßes zu bekommen, quengeln Kinder gern. Doch wie können Eltern das verhindern?

Gerade Kleinkindern lässt sich schwer vermitteln, dass zu viele Süßigkeiten nun einmal ungesund sind. Trotzdem sollten Eltern sich die Zeit dafür nehmen, zu erklären, welche Auswirkungen der übermäßige Verzehr von Süßem beispielsweise auf die Zähne hat. Inzwischen gibt es viele Kinderbücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen und bei einer anschaulichen Erklärung helfen können. Eine frühe Herangehensweise an das Thema ist auch deshalb wichtig, weil Kinder ständig mit Süßigkeiten konfrontiert werden: Beispielsweise im Supermarkt oder durch Gleichaltrige auf dem Spielplatz.

Wie viel Süßes am Tag ist okay?

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfiehlt: Eine Portion Süßes am Tag ist für Kinder genug. Die Menge sollte dabei 50 Gramm und 150 Kilokalorien nicht überschreiten. Das entspricht zum Beispiel einer Kugel Eis oder 30 Gramm Gummibärchen. Für Eltern ist es deshalb schon beim Einkaufen wichtig, auf die Nährwertangaben zu achten, da viele Süßigkeiten wie Schokoriegel die empfohlene Tagesmenge bereits übersteigen. Aufpassen sollten Sie auch bei vermeintlich gesunden Lebensmitteln wie Fruchtjoghurt oder Müsliriegeln: Anders als oft angenommen stecken darin meist viel Zucker und Kalorien. Gut als Knabberei für zwischendurch eignen sich stattdessen zum Beispiel Reiswaffeln und Dinkelstangen.

Berliner
Kinder müssen lernen, dass Süßes zu essen etwas Besonderes ist. Leckereien wie zum Beispiel Berliner sollten daher nur zu besonderen Anlässen wie Feiertagen erlaubt sein© Fotolia

Damit das Kind nicht heimlich Süßes nascht, lohnt es sich, gemeinsame Regeln aufzustellen, an die sich dann auch alle Familienmitglieder halten müssen. Beispielsweise können Sie festlegen, dass immer nach dem Mittagessen etwas Süßes genascht werden darf – gemeinsam am Essenstisch. Damit das Kind lernt, dass der Konsum von Süßigkeiten ein Genuss ist und nicht nur nebenbei passieren sollte, können Sie auch ein Spiel daraus machen. Lassen Sie die Kleinen zum Beispiel mit geschlossenen Augen je ein Gummibärchen in den Mund nehmen. Dann muss geraten werden, welche Farbe das jeweilige Gummibärchen hat. So nimmt das Kind die Leckerei bewusster wahr.

 

Machen Sie Großeltern zu Ihren Verbündeten

Oft bringen Großeltern ihren Enkeln zum Besuch Süßes mit – besonders zu Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern stapeln sich dann Schokoladenfiguren und Nougateier. Bitten Sie die Großeltern, sich auf eine Leckerei zu beschränken.

 

Wie lässt sich Zucker einsparen?

Neben der klassischen Schokolade lieben Kinder auch süße Mahlzeiten wie Pfannkuchen. Sorgen Sie dafür, dass derlei Gerichte maximal einmal in der Woche auf den Speiseplan kommen. Besser ist es außerdem, sie selbst zuzubereiten – in vielen Fertigprodukten ist sehr viel Zucker enthalten. Achten Sie beim Einkauf auch auf mögliche Süßmittelalternativen wie Fructose und greifen Sie im Zweifel lieber zu einem anderen Produkt. Variieren Sie beim Kochen auch selbst bei der Zugabe von Süßungsmitteln: Viele Gerichte schmecken auch dann noch, wenn weniger Zucker zugegeben wird als angegeben.

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