Wie viel Solarium darf ich, Herr Doktor?

Dr. Justus Meyer
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Verlauf
  5. 5. Diagnose
  6. 6. Behandlung
  7. 7. Vorbeugung
  8. 8. Das sagt der Experte

Vorsicht Hautkrebs: Viele Menschen wollen ihre schöne Sommerbräune auch im Frühling, Herbst und Winter behalten. Der Hautexperte Prof. Dr. Hans Michael Ockenfels aus Hanau erklärt, wer auf die Sonnenbank darf, und wann wir sie lieber meiden sollten.

 

Herr Prof. Ockenfels, ist es in Ordnung, ab und zu ins Solarium zu gehen, z. B. um die Sommerbräune länger zu behalten?

Professor Dr. Hans-Michael Ockenfels Hanau Interview Hautrkrebs durch Solarium
Dermatologe Professor Dr. Hans-Michael Ockenfels betont: "Mehr als 30 bis 40 Sonnenbäder im Jahr sollten der Haut nicht zugemutet werden." © privat

Nein. Gerade, wenn Sie im Sommer braun geworden sind, sollten Sie auf keinen Fall ins Solarium gehen. Die Haut muss sich im Winter von der Sonne erholen. Sonst steigt die Gefahr für Krebs rapide an. Mehr als 30 bis 40 Sonnenbäder im Jahr sollten der Haut nicht zugemutet werden. Und: Jeder, der schon mal an Hautkrebs oder seinen Vorstufen litt, darf nicht mehr unter die Sonnenbank.

 

Wodurch wird die Haut stärker beansprucht – Sonne oder Solarium?

Grundsätzlich beeinträchtigen beide Faktoren die Haut. Denn sie fördern die Pigmentbildung – daher die braune Farbe – und können bei zu langer Bestrahlung unsere Hautzellen zerstören. Eine mögliche Folge ist Hautkrebs – und zwar sowohl durch die künstliche Sonne als auch durch die echte.

 

Woran lässt sich der Hautkrebs erkennen?

Dafür müssen Sie zu einem Hautarzt, der ein Hautkrebsscreening durchführen kann. Wir haben in unserer Klinik ein spezielles Programm zur dermatologischen Präventionstherapie entwickelt und nutzen dazu ein Konfodiekal-Laser-Mikroskop. Darunter kann man jede einzelne Zelle der Haut sehen. Dann können wir Patienten sagen, ob Sie im Winter noch mal unter die Sonnenbank dürfen oder im nächsten Sommer vorsichtiger sein sollten.

 

Sind Bräunungscremes eine Alternative zur Sonnenbank?

Klar. Je nach Produkt bekommen Sie auch eine recht natürliche Bräune. Aber im Frühjahr müssen Sie dann sehr vorsichtig sein. Denn diese Bräune bietet überhaupt keinen Sonnenschutz.

 

Und wenn ich im Sommer nur wenige Sonnenbäder hatte, darf ich dann bedenkenlos unter die Sonnenbank?

Bedenkenlos nicht. Es gibt schon Dinge, die man beachten sollte. Aber grundsätzlich kommt es eben auf die gesamte Sonnendosis über das Jahr an. 30 bis 40 Sonnenbäder sind nur ein Richtwert. Je nach Sonnenintensität genügt manchmal schon eine halbe Stunde, um als Sonnenbad zu zählen. Ein zweiwöchiger Strandurlaub auf Mallorca im Sommer ist beispielsweise schon fast genug für die Jahresdosis.

 

Welche Regeln gelten denn für einen gesunden Solariumsbesuch?

Wenn Sie sonst keine Sonne abbekommen, sollten Sie trotzdem darauf achten, nicht öfter als dreimal im Monat für etwa 10 bis 15 Minuten die Sonnenbank zu benutzen. Und dann sollten Sie Halogen- und Quarzstrahler vermeiden. Diese werden besonders häufig als Gesichtsbräuner verwendet. Leuchtstoffröhren sind allerdings eher unbedenklich. Die Haut altert zwar dadurch, aber die Krebsgefahr steigt nicht an.

 

Wie lange müsste ich im Winter in Deutschland in die Sonne, um braun zu werden?

Das ist eigentlich nicht möglich. Im Winter reicht die Sonnenintensität nicht aus. Da können Sie sich einen ganzen Tag lang in die Sonne legen und nichts passiert, außer dass Sie sich möglicherweise Erfrierungen zuziehen.

Im Interview: Prof. Dr. med. Hans Michael Ockenfels

Ärztlicher Leiter der Haut- und Allergiepraxis am Klinikum Hanau, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Forschungsschwerpunkte: Fotodermatologie und Schuppenflechte. Website: www.klinikum-hanau.de

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