Wie viel Glück hält ein Herz aus?

Carolin Banser
Hochzeitspaar
Eine neue Studie zeigt, dass offenbar auch schöne Erlebnisse dazu führen können, dass das Herz „bricht“

Trauer kann krank machen – das sogenannte „Broken-Heart-Syndrom“ äußert sich wie ein Herzinfarkt: mit Schmerzen in der Brust und Atemnot. Forscher fanden jetzt heraus: Auch großes Glück kann das Herz brechen.

Liebeskummer, Stress oder Job-Verlust – kein anderes Organ leidet so sehr mit uns wie das Herz. Extreme psychische Belastungen wie der Tod eines geliebten Menschen oder eine Trennung lösen das „Broken-Heart-Syndrom“ aus. Forscher haben jetzt allerdings herausgefunden, dass auch positive Emotionen starke körperliche Auswirkungen auf unser Herz haben können. Dieses „Happy-Heart-Syndrom“ schildern Experten aktuell im „European Heart Journal“.

 

 

Broken-Heart-Syndrom ähnlich wie ein Herzinfarkt

Das „Broken-Heart-Syndrom“ ist bereits seit den 1990-er Jahren bekannt. Die Japaner haben es zuerst beschrieben. Daher sprechen Experten in diesem Zusammenhang auch von dem Takotsubo-Syndrom (TTS). „Das Broken-Heart-Syndrom ist ein Herzinfarkt. Der Unterschied liegt darin, wie das Krankheitsbild zustande kommt. Auslöser können psychische Belastungen wie Trennungskonflikte sein. Durch die Stressreaktion und die massive Ausschüttung entsprechender Stresshormone kommt es am Herzen zu einer Gefäßreaktion, sodass die Durchblutung unterbrochen wird. Anders als bei einem üblichen Herzinfarkt, wo ein ganz bestimmtes identifizierbares Areal betroffen ist, ist beim Broken-Heart-Syndrom“ aber der gesamte Herzmuskel betroffen, erklärt der Herzspezialist Dr. Boris Leithäuser aus Hamburg.

 

 

„Happy-Heart-Syndrom“: Auch große Freude kann das Herz brechen

Dass Trauer, Kummer und Stress dem Herzen schaden können, liegt nahe. Doch wie kamen Wissenschaftler dahinter, dass auch Glück dem Herzen schaden kann? Es existiert eine Online-Datenbank, die Patienten mit TTS auflistet. Die Kardiologin Dr. Jelena Ghadri bemerkte, dass bei einigen Einträgen positive Geschehnisse als Ursache notiert waren – und leitete eine Studie in die Wege, um herauszufinden, wie häufig dieser Fall war. Dafür untersuchte sie mit ihrem Team die ersten 1.750 Patienten, die in der Datenbank registriert waren. Die Patienten stammten aus insgesamt neun Ländern, waren zu 95 Prozent weiblich und das Durchschnittsalter betrug 65 Jahre. Bei 485 der Patienten war TTS durch ein emotionales Ereignis ausgelöst worden. Und bei 20 von diesen Fällen handelte es sich um ein positives Ereignis wie beispielsweise die Geburt eines Enkels oder einer Hochzeit. Die Zahl entspricht rund vier Prozent. Die Forscher gaben dem Phänomen daher den Namen „Happy-Heart-Syndrom“.

 

„Wir konnten zeigen, dass die Auslöser für TTS variabler sind als bisher angenommen“, so Dr. Ghadri. „Das ist auch für Kliniken interessant. Wird ein Patient mit Symptomen eines Herzinfarktes eingeliefert, nachdem er ein positives Ereignis erlebt hat, kann er ein TTS-Patient sein. Ebenso wie jemand, der nach einem schlechten Ereignis mit denselben Symptomen eingeliefert wird.“ Dadurch könne die Behandlung künftig besser angepasst werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass beim „Broken-Heart-Syndrom“ und dem „Happy-Heart-Syndrom“ dieselben Neuronen aktiviert werden. Diese wiederum steuern unsere Emotionen.

Liebeskummer
Bei dem Broken-Heart-Syndrom geht es häufig um Beziehungsfragestellungen, wie das Verlassen- oder Abgelehntwerden – daher der Begriff, „gebrochenes Herz“
 

Das Herz kann nicht zwischen positivem und negativem Stress unterscheiden

Warum ist das so? „Der Körper unterscheidet in dem Sinne nicht zwischen positivem und negativem Stress. Die Unterscheidung legen wir mit unserem eigenen Bewertungssystem fest“, erklärt die Hamburger Verhaltenstherapeutin Sabine Wery von Limont. „Vielmehr spricht man von positiven und negativen Affekten. Affekte sind all das, was Angst, Depressionen etc. ausmacht. Dabei muss ich mir die Frage stellen: Wie fühle ich mich dabei? Wenn ich zu der Erkenntnis komme: ‚Ich fühle mich hilflos’, ist damit ein negativer Affekt gemeint. Freude hingegen ist ein positiver Affekt,“ so Dr. Boris Leithäuser.

 

Hamburg, 5. März 2016

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