Wie Viagra Kinderleben rettet

Schon seit 17 Jahren wird Viagra gegen Erektionsstörungen eingenommen, dabei kann das Medikament auch Kinderleben retten © Fotolia

Tatsächlich kann der Wirkstoff der blauen Pille, die Männer eigentlich gegen Potenzstörungen schlucken, auch Kleinkindern oder Frühchen mit Herz- oder Lungenkrankheiten helfen.

 

Viagra entspannt Herz- und Lungengefäße

Victoria Dooley nimmt Viagra ein. Die Pille gegen Potenzstörungen bekommt die Drei-Jährige aus New York verabreicht, weil sie an einem seltenen Herzleiden erkrankt ist, das schon bei ihrer Geburt festgestellt wurde. Sie schluckt es in einer sehr kleinen Dosis. Aber ohne diese Dosis wäre sie heute sicher nicht mehr am Leben.

Ihr Herz kann, dank des Wirkstoffs Sildenafil im Viagra, mit einer höheren Kapazität arbeiten, ihre Lebenserwartung ist damit erheblich gestiegen. Ihre Ärztin Dr. Anne Chun erklärt das so: „Viagra hilft die Blutgefäße zu entspannen, so dass das Blut besser aus dem Körper in die Lungen fließen und das Sauerstofflevel normal gehalten werden kann.“

Auch Chance Collins wurde mit Viagra behandelt. Er kam drei Monate zu früh auf die Welt und leidet seitdem an sogenannter pulmonaler Hypertonie: eine ebenfalls als selten eingestufte Krankheit, die auf seine frühe Geburt zurückzuführen ist. Der Blutdruck im Lungenkreislauf steigt so an, dass das Herz das Blut immer schwerer durch die Lungen pumpen kann.

Dr. Jerill Green, der Arzt, der Chance behandelt, beschreibt die Wirkung folgendermaßen: „Viagra öffnet die Arterien in der Lunge, das Blut kann so wieder leichter fließen. Außerdem hilft es, hohen Blutdruck zu senken, der auftritt, weil das Herz zu stark arbeiten muss. Und es steigert den Sauerstoffzufluss zur Lunge“.

 

Viagra kann noch mehr

Deutsche Krebsforscher haben außerdem herausgefunden, dass Viagra bei der Behandlung von schwarzem Hautkrebs helfen kann.

Das haben Laborversuche mit Mäusen ergeben: Von denen mit Sildenafil behandelten Mäusen, lebten nach sieben Wochen noch doppelt so viele wie bei den unbehandelten.

Experten gehen davon aus, dass Viagra die Immunabwehr stärkt. Krebs führt zu chronischen Entzündungen, die verhindern, dass das Immunsystem die Tumoren angreifen kann. Genau diese Entzündungen treten bei Mäusen, die an einem Melanom erkrankt sind, nicht auf, wenn sie mit Sildenafil behandelt wurden.

Auch gegen Sklerodermie – eine Gruppe verschiedener Erkrankungen, die zu einer Bindegewebsverhärtung der Haut allein oder der Haut und der inneren Organe führt – ist Sildenafil ein effektiver Wirkstoff. Bei diesen Krankheiten kommt es ebenfalls zu einer Verengung der Arterien und damit zu einem erhöhten Lungendruck, gegen den Viagra Abhilfe schaffen kann.

Vergleichbar ist die Situation bei der Höhenkrankheit: Die Atemnot, die Bergsteiger in hohen Höhen erleiden, liegt der Verengung der Arterien in den Lungen zugrunde. Deswegen kann Sildenafil hier ebenfalls eingesetzt werden.

Hamburg, 23. November 2015

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