Wie verläuft beim Hallux valgus die Therapie?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Je nach Ausmaß der Beschwerden kommen bei Menschen, die am Hallux valgus leiden, zwei unterschiedliche Therapien in Frage:

 

Konservative Hallux valgus Therapie

  • eine sog. konservative Hallux valgus-Therapie ohne Operation, um die Beschwerden zu lindern und einer Verschlechterung der Fehlstellung vorzubeugen
  • eine operative Korrektur der Fehlstellung

Wenn der Ballenzeh keine schwerwiegenden Probleme verursacht, ist die konservative Hallux valgus-Therapie ausreichend, auch wenn sich die Fehlstellung mit diesen Maßnahmen nicht dauerhaft beheben lässt. Eine Operation sollten Menschen, die am Hallux valgus leiden, nur dann  in Betracht ziehen, wenn stärkere Beschwerden auftreten. Es ist nicht ratsam, einen Hallux valgus nur aus kosmetischen Gründen zu operieren. Das gilt ganz besonders bei Kindern und Jugendlichen, die noch im Wachstum sind. Entscheidet sich der Betroffene für eine konservative Hallux valgus-Therapie, hat der Arzt vielfältige Möglichkeiten, die Fehlstellung des Zehs zu korrigieren und eine Verschlechterung zu verhindern:

  • Schienen und Schlaufensandalen halten beim Hallux valgus den großen Zeh in der richtigen Position.
  • Krankengymnastik dehnt die verkürzten Sehnen, trainiert die Fußmuskulatur und verbessert die Beweglichkeit des Zehengelenks.
  • Weiche, dehnbare oder im Bereich des Zehenballens besonders ausgepolsterte Schuhe mindern die Druckbelastung am Zehenballen.
  • Entzündungshemmende Salben oder kühlende Umschläge helfen, wenn der vorstehende Zehenballen gereizt und entzündet ist. Bei schweren Entzündungen kann der Arzt eine Kortisonspritze verabreichen.
  • Wenn aufgrund von Abnutzungserscheinungen am Gelenk Schmerzen auftreten, kann der Arzt spezielle Einlagen für die Schuhe verschreiben.
  • Wenn die anderen Zehen durch den großen Zeh beiseite gedrängt werden, können Polster und Zehenrichter die Beschwerden lindern.
 

Operative Hallux valgus Therapie

Bei manchen Menschen ist die Fehlstellung allerdings so stark ausgeprägt, dass sie die Beschwerden mit einer konservativen Hallux valgus-Therapie nicht in den Griff bekommen. Besonders Menschen mit Gelenkverschleiß haben oft starke Schmerzen und sind in ihrer Beweglichkeit so eingeschränkt, dass eine Operation empfehlenswert ist. Auch, wenn Beschwerden an den anderen Zehen auftreten, wie zum Beispiel Hammer- oder Krallenzehen, ist eine operative Hallux valgus-Therapie sinnvoll. Dem Chirurgen stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Für welches Verfahren er sich entscheidet, hängt insbesondere davon ab, wie schwer die Symptome sind:

  • Gelenkerhaltende Hallux valgus-Operationen sollen die normalen anatomischen Verhältnisse und die Beweglichkeit des Fußes wiederherstellen. Sie kommen vor allem bei jüngeren Menschen ohne Gelenkverschleiß in Frage.
  • Bei gelenkopfernden Hallux valgus-Operationen  wird das Zehengelenk entfernt oder versteift. Das ist vor allem bei einer extremen Fehlstellung und bei starkem Gelenkverschleiß erforderlich.
 

Weichteileingriffe und Osteotomien bei jüngeren Menschen mit Zehenfehlstellung

Bei jüngeren Menschen ohne Gelenkverschleiß eignen sich für die Hallux valgus-Therapie insbesondere Weichteileingriffe und Osteotomien. Bei einer Osteotomie durchtrennt der Chirurg gezielt einen Knochen, um die beiden Knochenenden gegeneinander verschieben und in der richtigen Stellung wieder miteinander verbinden zu können. Für die Hallux valgus-Therapie kommen verschiedene Osteotomie-Verfahren in Frage, zum Beispiel die Chevron-Osteotomie, bei der der Arzt das Köpfchen des Mittelfußknochens mit einem Knochenschnitt abtrennt, es nach außen in die korrekte Position zurückschiebt und es danach wieder stabil mit dem Mittelfußknochen verschraubt. Überstehende Knochenteile, die noch in den Zehenballen hineinragen, kann der Chirurg während der Hallux valgus-Operation zusätzlich abtragen, damit diese nicht mehr von innen gegen die Haut drücken.

Ein typischer Weichteileingriff ist die Hallux valgus-Operation nach McBride. Dabei trägt der Arzt im Bereich des Zehenballens überschüssiges Knochengewebe ab, nimmt darüber hinaus jedoch keine Korrektur an den Knochen vor. Stattdessen verlagert und strafft der Chirurg Muskeln und Sehnen so, dass diese den Zeh wieder von selbst in die richtige Position ziehen.

 

Keller-Brandes-Operationsmethode für ältere Menschen mit Hallux valgus

Besonders alte Menschen leiden häufig an einer hochgradigen Fehlstellung mit ausgeprägtem Gelenkverschleiß. Bei ihnen sind gelenkerhaltende Operationen im Rahmen der Hallux valgus-Therapie meistens nicht erfolgsversprechend, da sie die Beweglichkeit oft nicht wiederherstellen können und Schmerzen zurückbleiben. In diesem Fall greift der Arzt häufig auf die sogenannte Keller-Brandes-Operationsmethode zurück. Bei dieser Hallux valgus-Operation entfernt der Arzt ungefähr zwei Drittel des Zehengrundglieds, wodurch sich der große Zeh deutlich verkürzt. Außerdem wird der Knochenvorsprung des Mittelfußknochens, der in den Ballen hineinragt, abgemeißelt.

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