Wie verläuft bei einer Inkontinenz die Behandlung?

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Für die Betroffenen stellt ihre Inkontinenz in der Regel eine extreme Belastung dar. Es handelt sich um ein Tabuthema, das die meisten Menschen als peinlich und beschämend empfinden und das sie am liebsten totschweigen.

Dabei ist es oftmals möglich, eine Inkontinenz erfolgreich zu behandeln, sodass die Betroffenen in ihrem täglichen Leben weniger stark eingeschränkt sind und ihre Lebensqualität zurückkehrt. Menschen, die an einer Inkontinenz leiden, sollten sich deshalb auf keinen Fall scheuen, einen Arzt zu Rate zu ziehen und offen über ihre Beschwerden zu sprechen. Wie die Inkontinenz-Behandlung im Einzelfall erfolgt, hängt insbesondere von der Art und Schwere der Inkontinenz ab: So vielfältig wie die Inkontinenzursachen sind auch die Behandlungsmöglichkeiten.

 

Inkontinenz-Behandlung: Muskeltraining und Muskelstimulation

  • Bei einer Stuhlinkontinenz – und der besonders bei Frauen häufigen Belastungsinkontinenz – hilft ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur (Beckenbodengymnastik), um die Funktion der Schließmuskeln zu verbessern.
  • Eine Magnet- oder Elektrostimulationstherapie soll die Beckenbodenmuskulatur anregen und ihre Funktion verbessern.
  • Eine Stuhlinkontinenz können Ärzte in manchen Fällen mithilfe einer sogenannten spinalen Sakralnervenstimulation behandeln. Dabei werden Elektroden eingepflanzt, welche die Schließmuskelnerven stimulieren. Der Betroffene kann die Elektroden über einen Schrittmacher selbstständig ausschalten, um seinen Schließmuskel zu entspannen und seinen Darm zu entleeren.
 

Inkontinenz-Behandlung mit Medikamenten

  • Bakterielle Entzündungen der Harnwege, die eine Blasenschwäche auslösen, behandelt der Arzt mithilfe von Antibiotika.
  • Frauen, die aufgrund eines Östrogenmangels an Blasenschwäche leiden, verschreibt der Arzt zur Inkontinenz-Behandlung Hormonpräparate.
  • Anticholinergika wirken krampflösend und bewirken bei einer Dranginkontinenz, dass der Blasenmuskel sich nicht mehr zusammenzieht.
  • Die sogenannten Alpharezeptorblocker, die der Arzt bei einer Überlaufinkontinenz einsetzt, lockern den Blasenverschluss und erleichtern es dem Betroffenen, seine Blase vollständig zu entleeren.
  • Parasympatholytika bewirken bei einer Reflexinkontinenz, dass die Blase sich entspannt und nicht spontan entleert. Der Betroffene muss seinen Urin in diesem Fall regelmäßig über einen Katheter ableiten.
  • Menschen mit chronischem Durchfall kann der Arzt Medikamente verabreichen, welche die Darmpassage verlangsamen und den Stuhl stärker eindicken.
Einlagen helfen bei einer Inkontinenz, den Urin oder Stuhl aufzufangen
Einlagen helfen bei einer Inkontinenz, den Urin oder Stuhl aufzufangen© Fotolia
 

Inkontinenz-Behandlung: unterstützende Maßnahmen

  • Durchfälle lassen sich bei einer Stuhlinkontinenz mit einer gezielten Ernährung vermeiden oder reduzieren.
  • Besonders bei älteren oder dementen Patienten ist ein Toilettentraining sinnvoll, bei denen die Betroffenen lernen, regelmäßig nach der Uhr zur Toilette gehen.  
  • Hilfsmittel wie Vorlagen, Binden, Windeln und Analtampons können Personen mit Inkontinenz einen weitgehend normalen Tagesablauf ermöglichen.
  • Menschen, die an einer Reflexinkontinenz leiden und ihre Blase nicht mehr spüren, verhindern die reflexartige, spontane Entleerung ihrer Blase, indem Sie sich in regelmäßigen Abständen einen Katheter legen.
 

Endoskopische und operative Inkontinenz-Behandlung

In einigen Fällen sind ein Muskeltraining und medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichend, um eine Inkontinenz erfolgreich zu behandeln. In diesen Fällen ist ein endoskopischer oder operativer Eingriff erforderlich, um Hindernisse zu beseitigen, die den Harnabfluss blockieren, oder um die Funktion der Schließmuskeln zu verbessern.

 

Harninkontinenz – operative und endoskopische Behandlung

  • Blasensteine, die den Harnleiter blockieren, kann der Arzt mithilfe eines Endoskops entfernen. Dabei handelt es sich um einen dünnen, beweglichen Schlauch, den der Arzt über die Harnröhre in die Blase einführt.
  • Kommt es durch eine vergrößerte Prostata oder eine abgesenkte Gebärmutter zur Blasenschwäche, ist meist eine Operation erforderlich. Auch Fehlbildungen oder Verengungen der Harnleiter behebt ein Chirurg im Rahmen einer Operation.
  • Bei einer Belastungsinkontinenz, die nicht auf eine medikamentöse Behandlung oder ein Beckenbodentraining anspricht, kann der Chirurg operativ eine Schlinge um die Harnröhre legen oder die Harnröhre in Kollagen einbetten. Beide Maßnahmen stabilisieren die verlagerte Harnröhre und den Blasenschließmechanismus und ermöglichen den Betroffenen eine kontrollierte Blasenentleerung. 
  • Tumoren, die die Harnröhre oder den Darm blockieren, muss der Arzt in der Regel operativ entfernen. Darüber hinaus ist bei bösartigen Tumoren (wie Blasenkrebs oder Darmkrebs) eine spezielle Krebstherapie erforderlich (zum Beispiel Chemotherapie, Bestrahlung).
In vielen Fällen kann der Arzt eine Inkontinenz erfolgreich behandeln
In vielen Fällen kann der Arzt eine Inkontinenz erfolgreich behandeln© Fotolia
 

Stuhlinkontinenz – operative Behandlung

  • Bei Darmvorfällen und Fisteln versucht der Chirurg operativ, die normalen anatomischen Verhältnisse wiederherzustellen.
  • Ist der Schließmuskel beschädigt oder gerissen –  zum Beispiel infolge einer Geburt – kann ein Chirurg die Funktionalität des Muskels in manchen Fällen verbessern, indem er den Riss vernäht und den Muskel ringförmig verschließt.
  • Ist der Muskel so stark beschädigt, dass er nicht zusammengenäht werden kann, besteht die Möglichkeit, ihn in einer sehr aufwändigen Operation durch einen künstlichen Schließmuskel zu ersetzen: Bei der sogenannten Gracilis-Plastik entnimmt der Chirurg einen Muskel aus dem Oberschenkel schlingt ihn um den Enddarm. Ein Schrittmacher unter die Haut versorgt den Muskel mit Schwachstrom und bringt ihn dazu, sich zusammenzuziehen. Die Alternative zur Gracilis-Plastik ist ein künstlicher Schließmuskel, der aus einem mit Flüssigkeit gefüllten, bandförmigen Kissen besteht. Über ein in den Hoden oder in die Schamlippen implantiertes Ventilsystem kann der Betroffene das Kissen füllen oder entleeren.
  • Wenn diese Methoden nicht zum Erfolg führen, muss der Arzt in manchen Fällen von Stuhlinkontinenz einen künstlichen Darmausgang (Anus praeter) anlegen.
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